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MitteilungVeröffentlicht am 16. Dezember 2025

Kapazitätsaufbau in der militärischen Friedensförderung

Der Kapazitätsaufbau ist ein nicht mehr wegzudenkender Ansatz in der internationalen Friedensförderung, weshalb sich die Schweizer Armee in diesem Bereich engagiert. Durch Ausbildung, Beratung und den Austausch von Fachwissen trägt sie zur Förderung von Sicherheit, Stabilität und Rechtsstaatlich­keit vor allem auf dem afrikani­schen Kontinent bei.

Dank ihrem Milizsystem sowie den hochqualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten aus den unterschiedlichsten Berufssparten kann die Schweizer Armee im Bereich Kapazitätsaufbau einen wertvollen Beitrag zu einer effizienten und nachhaltigen militärischen Friedensförderung leisten. Im Bild ist einer der vier Schweizer Offiziere am IPSTC in Kenia zu sehen.

Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT

Das Engagement zugunsten des Kapazitätsaufbaus gewinnt an Bedeutung, da stabile lokale Sicher­heitsstrukturen entscheidend sind, um die Grundlagen für dauerhaf­ten Frieden und eigenständige Sta­bilität zu schaffen. Der Kapazitäts­aufbau umfasst unterschiedliche Bereiche. Einer davon ist die Unter­stützung von Ausbildungszentren in Afrika, wo Militärangehörige, Polizistinnen und Polizisten sowie zivile Fachpersonen für den Ein­satz im Rahmen der internationa­len Friedensförderung ausgebildet werden. Die Schweizer Armee enga­giert sich seit 2006 personell und finanziell am Kofi Annan Interna­tional Peace Support Training Cen­tre (KAIPTC) in Ghana und seit 2014 am International Peace Support Training Centre (IPSTC) in Kenia. Die entsandten Offiziere vermit­teln wertvolles Know-how und leis­ten damit einen Beitrag, die für die Friedensförderung notwendigen Fähigkeiten afrikanischer Staaten auszubauen. Aufgrund der positi­ven Erfahrungen wurde im Armeebericht 2010 festgehalten, dass einer der Schwerpunkte im Bereich der militärischen Friedensförde­rung darin liegt Offiziere als Aus­bildnerinnen und Ausbildner für den Kapazitätsaufbau vor Ort ein­zusetzen.

Engagement für UN TPP

Ebenfalls zum Bereich Kapazitätsaufbau zählt das 2014 initiali­sierte United Nations Triangular Partnership Project for African Rapid Deployment of Engineering Capabilities (UN TPP ARDEC) mit dem Ziel Genieeinheiten afrikani­scher Staaten auszubilden, um sie in friedensfördernden Missionen im Bereich horizontaler Geniearbeiten einsetzen zu können. Dieses Know-how wird für den Bau von Camps, Strassen und Flugplätzen benötigt. Das IPSTC ist seit 2015 der zentrale Ausbildungsstandort, da die Infra­struktur ideale Voraussetzungen zur Durchführung von genietechnischen Kursen bietet. Die Schweizer Armee unterstützt dieses Projekt seit 2016 und führt jährlich Training of Trainers Kurse sowie Fortbildungs­kurse für Baumaschinenführerin­nen und -führer durch. Dabei pro­fitieren ebenfalls die Schweizer Baumaschinenexperten, denn das IPSTC ist unter anderem auf die Abwehr improvisierter Spreng­mittel spezialisiert und bringt die grosse Einsatzerfahrung der kenia­nischen Armee in diesem Bereich in die Kurse mit ein.

Unterstützung von SSR und DDR

Zwei weitere Bereiche im Rah­men des Kapazitätsaufbaus sind die Sicherheitssektor-Reform (SSR) und der Entwaffnungs-, Demobili­sierungs- und Reintegrationspro­zess (DDR). SSR hat zum Ziel lokale Sicherheitskräfte wie Armee, Poli­zei, Grenzschutz oder Justizorgane mit Massnahmen zu unterstützen, so dass sie effizient, rechtsstaatlich, transparent und im Dienst der Bevölkerung handeln. Durch Ausbil­dung, Beratung und institutionellen Aufbau sollen so nachhaltig stabile und verantwortungsvolle Sicher­heitsstrukturen geschaffen werden. Bei DDR geht es darum, Angehö­rige von Armeen und nichtstaat­lichen, bewaffneten Gruppierun­gen während oder nach Ende eines bewaffneten Konfliktes zu entwaff­nen, zu demobilisieren und nach­haltig in die Gesellschaft zu integ­rieren. Das Ziel der Reintegration ist es, den ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern eine alternative Ein­nahmequelle zu erschliessen und damit sicherzustellen, dass sie in Zukunft weder Sicherheit noch Sta­bilität gefährden.

Wichtiger Beitrag für PSSM

Zunehmende Wichtigkeit erfahren auch der sichere Umgang und die entsprechende Lagerung von Waf­fen und Munition, dem sogenann­ten Physical Security and Stockpile Management (PSSM). Dabei geht es um die gesamtheitliche Planung, Durchführung und Sicherstellung des korrekten Umgangs sowie der angemessenen Schutzverwahrung von gefährlichen Gütern wie Muni­tion, Explosivstoffen und Waffen. So unterstützt die Schweizer Armee beispielsweise seit 2011 mit Klein­waffen- und Munitionsexperten die Streitkräfte von Bosnien und Herzegowina, um diese zu befähi­gen ihre Waffen- und Munitions­bestände signifikant zu reduzieren sowie die Restbestände sicher einzu­lagern und zu bewirtschaften. Dies schafft auch Stabilität, indem das Risiko reduziert wird, dass Waffen und Munition in falsche Hände gera­ten und zu möglichen Auseinander­setzungen führen.

Standing Capacity als neues Element

Angesichts der sicherheitspoliti­schen Entwicklungen verstärkt die UNO ihr Engagement in den Berei­chen SSR und DDR, insbesondere in der Prävention und Nachsorge von Konflikten. Dafür werden sowohl zivile als auch militärische Fach­kräfte benötigt. SSR und DDR wer­den häufig in Ländern und Regio­nen unterstützt, in denen die UNO ohne Friedensmission, aber mit zivilen und militärischen Exper­tengruppen vor Ort ist. Um künftig schneller und flexibler reagieren zu können, baut die UNO in Brindisi (Italien) eine sogenannte Standing Capacity auf – ein Bereitschaftselement aus Expertinnen und Exper­ten für SSR, DDR, Polizei und Jus­tiz. Die Schweizer Armee erhielt 2025 von der Politik den Auftrag ihre Expertise in SSR und DDR zu ver­tiefen und die Standing Capacity in Brindisi mit Armeeangehörigen als Fachpersonal zu unterstützen. Zur­zeit ist noch offen, wann die erste Entsendung stattfindet.