Kapazitätsaufbau in der militärischen Friedensförderung
Der Kapazitätsaufbau ist ein nicht mehr wegzudenkender Ansatz in der internationalen Friedensförderung, weshalb sich die Schweizer Armee in diesem Bereich engagiert. Durch Ausbildung, Beratung und den Austausch von Fachwissen trägt sie zur Förderung von Sicherheit, Stabilität und Rechtsstaatlichkeit vor allem auf dem afrikanischen Kontinent bei.

Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT
Das Engagement zugunsten des Kapazitätsaufbaus gewinnt an Bedeutung, da stabile lokale Sicherheitsstrukturen entscheidend sind, um die Grundlagen für dauerhaften Frieden und eigenständige Stabilität zu schaffen. Der Kapazitätsaufbau umfasst unterschiedliche Bereiche. Einer davon ist die Unterstützung von Ausbildungszentren in Afrika, wo Militärangehörige, Polizistinnen und Polizisten sowie zivile Fachpersonen für den Einsatz im Rahmen der internationalen Friedensförderung ausgebildet werden. Die Schweizer Armee engagiert sich seit 2006 personell und finanziell am Kofi Annan International Peace Support Training Centre (KAIPTC) in Ghana und seit 2014 am International Peace Support Training Centre (IPSTC) in Kenia. Die entsandten Offiziere vermitteln wertvolles Know-how und leisten damit einen Beitrag, die für die Friedensförderung notwendigen Fähigkeiten afrikanischer Staaten auszubauen. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde im Armeebericht 2010 festgehalten, dass einer der Schwerpunkte im Bereich der militärischen Friedensförderung darin liegt Offiziere als Ausbildnerinnen und Ausbildner für den Kapazitätsaufbau vor Ort einzusetzen.
Engagement für UN TPP
Ebenfalls zum Bereich Kapazitätsaufbau zählt das 2014 initialisierte United Nations Triangular Partnership Project for African Rapid Deployment of Engineering Capabilities (UN TPP ARDEC) mit dem Ziel Genieeinheiten afrikanischer Staaten auszubilden, um sie in friedensfördernden Missionen im Bereich horizontaler Geniearbeiten einsetzen zu können. Dieses Know-how wird für den Bau von Camps, Strassen und Flugplätzen benötigt. Das IPSTC ist seit 2015 der zentrale Ausbildungsstandort, da die Infrastruktur ideale Voraussetzungen zur Durchführung von genietechnischen Kursen bietet. Die Schweizer Armee unterstützt dieses Projekt seit 2016 und führt jährlich Training of Trainers Kurse sowie Fortbildungskurse für Baumaschinenführerinnen und -führer durch. Dabei profitieren ebenfalls die Schweizer Baumaschinenexperten, denn das IPSTC ist unter anderem auf die Abwehr improvisierter Sprengmittel spezialisiert und bringt die grosse Einsatzerfahrung der kenianischen Armee in diesem Bereich in die Kurse mit ein.
Unterstützung von SSR und DDR
Zwei weitere Bereiche im Rahmen des Kapazitätsaufbaus sind die Sicherheitssektor-Reform (SSR) und der Entwaffnungs-, Demobilisierungs- und Reintegrationsprozess (DDR). SSR hat zum Ziel lokale Sicherheitskräfte wie Armee, Polizei, Grenzschutz oder Justizorgane mit Massnahmen zu unterstützen, so dass sie effizient, rechtsstaatlich, transparent und im Dienst der Bevölkerung handeln. Durch Ausbildung, Beratung und institutionellen Aufbau sollen so nachhaltig stabile und verantwortungsvolle Sicherheitsstrukturen geschaffen werden. Bei DDR geht es darum, Angehörige von Armeen und nichtstaatlichen, bewaffneten Gruppierungen während oder nach Ende eines bewaffneten Konfliktes zu entwaffnen, zu demobilisieren und nachhaltig in die Gesellschaft zu integrieren. Das Ziel der Reintegration ist es, den ehemaligen Kämpferinnen und Kämpfern eine alternative Einnahmequelle zu erschliessen und damit sicherzustellen, dass sie in Zukunft weder Sicherheit noch Stabilität gefährden.
Wichtiger Beitrag für PSSM
Zunehmende Wichtigkeit erfahren auch der sichere Umgang und die entsprechende Lagerung von Waffen und Munition, dem sogenannten Physical Security and Stockpile Management (PSSM). Dabei geht es um die gesamtheitliche Planung, Durchführung und Sicherstellung des korrekten Umgangs sowie der angemessenen Schutzverwahrung von gefährlichen Gütern wie Munition, Explosivstoffen und Waffen. So unterstützt die Schweizer Armee beispielsweise seit 2011 mit Kleinwaffen- und Munitionsexperten die Streitkräfte von Bosnien und Herzegowina, um diese zu befähigen ihre Waffen- und Munitionsbestände signifikant zu reduzieren sowie die Restbestände sicher einzulagern und zu bewirtschaften. Dies schafft auch Stabilität, indem das Risiko reduziert wird, dass Waffen und Munition in falsche Hände geraten und zu möglichen Auseinandersetzungen führen.
Standing Capacity als neues Element
Angesichts der sicherheitspolitischen Entwicklungen verstärkt die UNO ihr Engagement in den Bereichen SSR und DDR, insbesondere in der Prävention und Nachsorge von Konflikten. Dafür werden sowohl zivile als auch militärische Fachkräfte benötigt. SSR und DDR werden häufig in Ländern und Regionen unterstützt, in denen die UNO ohne Friedensmission, aber mit zivilen und militärischen Expertengruppen vor Ort ist. Um künftig schneller und flexibler reagieren zu können, baut die UNO in Brindisi (Italien) eine sogenannte Standing Capacity auf – ein Bereitschaftselement aus Expertinnen und Experten für SSR, DDR, Polizei und Justiz. Die Schweizer Armee erhielt 2025 von der Politik den Auftrag ihre Expertise in SSR und DDR zu vertiefen und die Standing Capacity in Brindisi mit Armeeangehörigen als Fachpersonal zu unterstützen. Zurzeit ist noch offen, wann die erste Entsendung stattfindet.

