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MitteilungVeröffentlicht am 19. März 2026

Gut gerüstet – auch für Unerwartetes

Oberstleutnant Martin leistete zugunsten der MINURSO in der Westsahara einen friedensfördernden Einsatz, zuerst als Militärbeobachter und dann als Unterstabschef Logistik. In einem Interview berichtet er von seinen Aufgaben und den damit einhergehenden Herausforderungen.

Oberstleutnant Martin leistete zugunsten der UNO-Mission MINURSO in der Westsahara einen einjährigen friedensfördernden Einsatz.

Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT, führte das Interview
Fotos Oberstlt Martin

Oberstleutnant Martin, Sie waren zuerst als Militärbeobachter und dann als Unterstabschef Logistik zugunsten der MINURSO in der Westsahara tätig. Was hat Sie bewogen die Funktion zu wechseln?

Nach den ersten drei Monaten als klassischer Militärbeobachter auf Mahbas, einem der insgesamt neun militärischen Stützpunkte der MINURSO, bot sich die Möglichkeit für die weiteren neun Monate meines Einsatzes ins Hauptquartier in Laâyoune zu wechseln. Dass ich angefragt wurde, stellte persönlich einen schönen Erfolg dar, denn es ist heraus­fordernd Teil des Senior Managements und Stabes einer UNO-Mission zu sein. Andererseits trug auch der Gedanke dazu bei, damit als Schweizer Armeeangehöriger die Präsenz der Schweiz im Nationenmix eines grossen Missionsstabes zu erhöhen – im Allgemeinen ist unser Land nomi­nell eher untervertreten.

Welche Voraussetzungen mussten Sie erfüllen?

Um einen Einsatz als Militärbeobachter zu leisten, muss man Offizier sein sowie den Militärbeobachterkurs erfolgreich absolviert haben. Ob dann innerhalb der Mission ein Wechsel in den Stab möglich ist, hängt vom vor­gegebenen Verteilschlüssel der Nationen sowie dem persönlichen Leis­tungsausweis ab. Damit keine Nation im Stab übervertreten ist, dürfen zum Beispiel maximal 25% der in der Mission anwesenden Militärbeob­achter eines Landes Stabstellen im Hauptquartier besetzen. Die Schweiz war zum Zeitpunkt meines Missionsbeginns nicht im Stab vertreten, wes­halb ich diese mögliche Hürde ohne Probleme nahm. Weiter erfülle ich als Oberstleutnant die Bedingung des geforderten militärischen Grades für die Funktion des Unterstabschefs Logistik. Und da ich eine jahre­lange Erfahrung in verschiedenen friedensfördernden Missionen vorwei­sen kann, respektive zusätzlich über die erforderliche Ausbildung und fachliche Expertise im logistischen Bereich verfüge, war ich schliesslich für diese Position zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Welche Aufgaben fielen in Ihren Verantwortungsbereich?

In der MINURSO werden sämtliche logistischen Dienstleistungen durch die zivile Komponente der Mission, dem sogenannten Mission Support, erbracht. Daher ist die eigentliche Kernaufgabe des Führungsgrundgebiets Logistik (FGG U4) die Koordination mit dem Mission Support Centre. Es lag in meiner Verantwortung alle logistischen Bedürfnisse der Aussenposten aufzunehmen – und zwar sowohl östlich als auch westlich des Berm, der als grosser, künstlich aufgeschütteter und stark verminter Sandwall die räumlich-militärische Trennlinie der Konfliktparteien markiert. In einem nächsten Schritt galt es die logistischen Bedürfnisse zu beurteilen, zu tria­gieren und zu priorisieren, bevor ich diese an das Mission Support Cen­tre weiterleiten konnte. Zudem war ich für die Begleitung und Nachbe­arbeitung der zivilen Umsetzung der logistischen Leistungen zuständig. Da meine Funktion ebenfalls die personelle und fachliche Führung des FGG U4 sowie die fachdienstliche Führung der Militärlogistik auf takti­scher Stufe auf den neun Aussenstandorten oder «Teamsites» umfasste, war mein Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich.

Worin lagen die Herausforderungen?

In Mentalität, Klima und Organisation. Damit meine ich: Einerseits ist es ungemein spannend und bereichernd mit derart vielen und kulturell maximal unterschiedlich geprägten Individuen zu arbeiten und zu leben – darin liegt auch immer wieder der Reiz des Auslandeinsatzes. Anderer­seits ist es auf der Lernkurve ernüchternd festzustellen, dass man auch mit zunehmender Erfahrung manchmal mitnichten weiser wird. Klimatisch ist die Wüste selbstredend sehr herausfordernd, physisch und psychisch. Die Lebensbedingungen sind teilweise extrem: Temperaturschwankungen von über 30 Grad an einem Tag, ständiger Wind und Trockenheit. Dies sind für uns Schweizer ungewohnte Verhältnisse. Man stelle sich zum Bei­spiel Laufsport bei 43 Grad Celsius vor! Und schliesslich ist und bleibt die UNO in ihren Strukturen und ihrer Arbeitsweise eine schwerfällige Orga­nisation, die einiges an Anpassungsfähigkeit und Flexibilität erfordert.

Ist Ihnen ein Erlebnis besonders in Erinnerung geblieben?

Weniger ein einzelnes, spezielles Erlebnis, aber die Wüste werde ich als unbeschreiblich wundersamen Lebensraum vermissen: Die für uns Men­schen scheinbare Brutalität der Tageshitze, aber auch die unglaublich friedliche Stille und Ruhe sowie unvergessliche Stimmungen in Licht und Luft an den Übergängen von Tag und Nacht.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrem Einsatz mit nach Hause?

Das Folgende wurde so oder ähnlich schon oft von anderen Peacekeepern berichtet: Es ist erstaunlich, wie der mit Wissen, Können, Ausbildung und gesundem Menschenverstand gut gefüllte Schweizer MiIitärrucksack einen immer wieder durch (nicht nur militärisch!) neue und unerwartete Situationen und Lebensumstände bringen kann.