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«Es ist eine sehr intensive Zeit für uns»

Spannungen und Auseinandersetzungen prägten die vergangenen Tage im Norden von Kosovo. Oberst i Gst Raoul Barca ist nationaler Kontingentskommandant des SWISSCOY-Kontingents 48, welches sich zurzeit im Einsatzraum befindet. Im Interview beschreibt er, wie er und das Kontingent die aktuelle Situation wahrnehmen und damit umgehen.

31.05.2023 | Kommunikation SWISSINT

Oberst i Gst Raoul Barca, nationaler Kontingentskommandant der SWISSCOY 48, bei einer Besprechung vor dem Hauptquartier der KFOR in Pristina (links).
Oberst i Gst Raoul Barca, nationaler Kontingentskommandant der SWISSCOY 48, bei einer Besprechung vor dem Hauptquartier der KFOR in Pristina (links). ©SWISSINT


Oberst i Gst Raoul Barca, wie erlebten Sie die Ereignisse der vergangenen Tage im Nord-Kosovo?

Es war und ist aktuell eine sehr intensive Zeit für alle, die in irgendeiner Weise an der Mission der KFOR beteiligt sind. Glücklicherweise waren bei den Auseinandersetzungen in Zvecan keine Angehörigen der SWISSCOY vor Ort – für das Auflösen von Menschenansammlungen hat die KFOR spezialisierte Einheiten anderer Nationen, welche sie bei solchen Einsätzen einsetzt. So wussten wir unsere Leute in Sicherheit. Die Sicherheitslage wird fortlaufend beurteilt, dies von Seiten der KFOR, der SWISSCOY selber und durch das Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans-Oberdorf. Auch für mich als NCC hat die Sicherheit meiner Truppe die höchste Priorität. 

Wie kann man die aktuelle Situation im Norden des Landes beschreiben?

Die jüngsten Ereignisse machen deutlich, dass die Situation im nördlichen Teil des Landes zeitweise angespannt ist. Sie reihen sich in eine Vielzahl von kleineren und grösseren Spannungen ein, die sich insbesondere im Nord-Kosovo in den letzten Jahren ereigneten. Auch dank der KFOR und darunter das Schweizer Kontingent, kann die Lage in den meisten Landesteilen dennoch grundsätzlich als ruhig und stabil betrachtet werden, wenn auch nach wie vor gekennzeichnet durch ein hohes Mass an Volatilität. Die Lage im Nord-Kosovo ist aber derzeit – wie bereits erwähnt – sehr fragil und kann sich jederzeit verschlechtern. 

Wie geht es den Angehörigen der SWISSCOY in der aktuellen Situation?

Natürlich gehen die Ereignisse nicht spurlos an der Truppe vorbei. Sie rufen uns und der internationalen Gemeinschaft in Erinnerung, warum die Präsenz der KFOR im Kosovo nach wie vor notwendig ist. Solche Zwischenfälle rufen uns allen aber auch wieder in Bewusstsein, dass wir uns in einem Echteinsatz befinden. Dennoch können die Angehörigen der SWISSCOY ihren alltäglichen Aufträgen nachgehen, dies mit erhöhter Aufmerksamkeit und verstärkter Situational Awareness. Wichtig ist mir deshalb auch, dass die Truppe laufend über die Lage informiert wird, um sich entsprechend der Situation anpassen zu können.

Welche Aufträge erfüllt Ihr Kontingent im Rahmen der KFOR-Mission?

Die Schweiz leistet mit dem SWISSCOY-Kontingent wichtige Beiträge zugunsten der beiden Hauptaufträge der KFOR: Die Sicherstellung eines sicheren und stabilen Umfelds (Safe and Secure Environment, SASE) und die Gewährleistung der Bewegungsfreiheit für alle Bürgerinnen und Bürger sowie der KFOR (Freedom of Movement, FOM). Sogenannte Liaison and Monitoring Teams (LMT, Beobachtungsteams) stehen in stetigem Kontakt mit der lokalen Bevölkerung und Behörden, um Informationen zu erhalten, welche der KFOR zur Beurteilung der Sicherheitslage und der Situation vor Ort dienen. Im Bereich Freedom of Movement könnten, sofern die KFOR dies entscheidet, auch Angehörige der SWISSCOY zum Einsatz kommen – beispielsweise beim Räumen von Strassenhindernissen. Weiter werden Schweizer Armeeangehörige als Stabsoffiziere bei den regionalen Kommandos sowie im KFOR-Hauptquartier eingesetzt, in der medizinischen Versorgung, bei Strassen- und Lufttransporten sowie bei der Militärpolizei und der Kampfmittelbeseitigung. 

Wie wurden Sie auf den Einsatz in der SWISSCOY vorbereitet?

Während der Einsatzbezogenen Ausbildung (EBA) im Vorfeld des Einsatzes wurden wir im Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans-Oberdorf intensiv auf die bevorstehende Zeit im Kosovo vorbereitet und auf sehr hohem Niveau ausgebildet. Dabei erhielten wir auch eine Ausbildung, in der die aktuelle Lage hier im Kosovo erläutert wurde. Wir lernten dabei, wie wir als Kontingent vorgehen, wenn ethnische oder politische Spannungen auftreten, wie dies gerade aktuell der Fall ist. Alle Angehörigen des Kontingents besitzen dementsprechend das notwendige Wissen, um auch im Falle von Lageverschärfungen ihre Aufträge auszuführen sowie Risiken abschätzen und reduzieren zu können. Hier ist das Stichwort Situational Awareness, also das Bewusstsein darüber, was um uns herum passiert und wie wir damit umzugehen haben.

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