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Simulation am Ausbildungszentrum SWISSINT

Seit Jahrzehnten setzt die Schweizer Armee auf Simulationslösungen in der Ausbildung. Neueste Entwicklungen in diesem Bereich erlauben es computergestützte Simulationen in der militärischen Ausbildung zu verwenden, ohne dafür auf teure Infrastruktur und Experten angewiesen zu sein. Das Ausbildungszentrum SWISSINT machte sich diese Entwicklung während dem Militärbeobachterkurs zunutze.

20.12.2022 | Oberstleutnant im Generalstab Olaf Niederberger, stellvertretender Kommandant Ausbildungszentrum SWISSINT

Während die Militärbeobachterin rechts den Horizont nach verdächtigen militärischen Bewegungen absucht, identifizieren die beiden Kameraden links trotz Tarnmassnahmen zwei D-20 Haubitzen in der «Zone of Separation».
Während die Militärbeobachterin rechts den Horizont nach verdächtigen militärischen Bewegungen absucht, identifizieren die beiden Kameraden links trotz Tarnmassnahmen zwei D-20 Haubitzen in der «Zone of Separation».

Der Blick durch den Feldstecher gibt Gewissheit – trotz des darüber liegenden Tarnnetzes sind die Umrisse des Kampfpanzers erkennbar. Der nepalesische Major überprüft noch einmal sein GPS, seinen Kompass und die Landkarte. «Itʼs a T-72 of the Centland National Army about 200 meters within the area of limitations», sagt er zu seinem Schweizer Kameraden. «Okay then», entgegnet der Hauptmann und schnappt sich das Funkgerät. «Sierra Base this is Alpha One, request login time, 1335.»

Es sollte nicht das einzige relevante Ereignis der Patrouille bleiben, welche als Militärbeobachter die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens in Centland überwachen sollen. Kindersoldaten an einem Checkpoint, Hinweise auf Menschenhandel in einem Flüchtlingslager, Überflüge von Kampfflugzeugen sowie die Verschiebung von Kampfunterstützungsmittel in Frontnähe unterstreichen, dass das Waffenstillstandsabkommen brüchig und die Sicherheitslage in Centland äusserst fragil sind.

Das Centland Szenario bildet das Turngerät, an welchem Schweizer und ausländische Offiziere im Rahmen des Swiss United Nations Military Observer Course (SUNMOC) zu zertifizierten Militärbeobachtern ausgebildet werden. Die eingangs beschriebene Szene war Teil des SUNMOC 2022. Diese liesse sich allerdings nur mit unvertretbarem Aufwand als Übung im Gelände realisieren. Stattdessen fand die Übung im virtuellen Raum statt.

Seit etwas über einem Jahr finden am Ausbildungszentrum (AZ) SWISSINT Versuche statt, wie durch den Einsatz von Gaming- und Simulationstechnologie kosteneffizient und umweltschonend die Ausbildungsqualität gesteigert werden kann. Nach ersten erfolgreichen Versuchen mit kommerziellen Computerspielen konnte dieses Jahr ein Truppenversuch mit der militärischen Simulationssoftware Virtual Battlespace 4 durchgeführt werden. Die Software ist ein eigentlicher virtueller Sandkasten, mit welchem sich verschiedenste militärische Anwendungen der gefechtstechnischen und teilweise auch der taktischen Stufe simulieren lassen. Die Ausbildungsinhalte, sprich das Erstellen von Szenarien und die Durchführung der Ausbildungssequenzen, wurden ohne externe Unterstützung von den Berufs- und Milizoffizieren des AZ SWISSINT bewerkstelligt.

Die Software zeichnet sich auch dadurch aus, dass die ganze Welt als virtuelles Gelände zur Verfügung steht. Durch das Einlesen zusätzlicher Geodaten kann die Realitätsnähe des Geländes weiter gesteigert werden. In Zusammenarbeit mit swisstopo entstand im Raum Appenzell ein virtuelles Übungsgelände, in welchem jeder freistehende Baum, jedes Haus, jede noch so kleine Erhöhung am richtigen Ort ist. Dank der Verfügbarkeit von Geodaten in der Schweiz sind im automatisch generierten 3D-Gelände selbst spezifische Objekte wie Antennen, Strommasten, Friedhöfe, usw. realitätsnah abgebildet.

Im Rahmen der Simulation wurden klassische Militärbeobachtertätigkeiten wie motorisierte Patrouillen und Beobachtungsposten trainiert. Die Szenarien dienten einerseits der Festigung der erlernten Grundfähigkeiten wie Navigation, Funkstandards und Erkennen unterschiedlicher militärischer Mittel sowie deren taktischen Einsatzmöglichkeiten, andererseits konnten die Auszubildenden mit verschiedenen komplexen Aspekten der Einsatzgebiete konfrontiert werden. Dies umfasste den Umgang mit Minen, Flüchtlingen, humanitärer Hilfe und vielem mehr. Dabei diente die Simulation als Ausgangspunkt, um das Bewusstsein für die Umwelt in den Einsatzgebieten zu schärfen. Diese Aspekte wurden in anschliessenden Diskussionen und Übungen im Felde weiter vertieft. Wie eine systematische Auswertung der Trainingssequenz zeigte, war die Versuchsreihe ein voller Erfolg. Das AZ SWISSINT sieht sich in seinem Vorhabenbestärkt weitere Anstrengungen zu unternehmen, um moderne Simulationstechnologien als integralen Bestandteil der einsatzbezogenen Ausbildung zu etablieren.

Trotz der vielen Möglichkeiten, welche Simulationslösungen bieten, werden diese die Ausbildung im Gelände nicht ersetzen können. Computersimulationen eignen sich hervorragend, um theoretische Grundlagen zu vermitteln und zu festigen, ohne dass dafür ein Fahrzeug bewegt oder Truppen zur Zieldarstellung eingesetzt werden müssen. Verschiedene der geforderten Fähigkeiten von Peacekeepern, wie zum Beispiel die Verhandlungsführung oder den Sanitätsdienst, lassen sich allerdings nicht realitätsnah am PC schulen. Aus diesem Grund werden auch in Zukunft Simulationslösungen nur ein Puzzlestück der einsatzbezogenen Ausbildung darstellen.

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