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MitteilungVeröffentlicht am 15. September 2026

Einsatzlogistik im internationalen militärischen Güterverkehr

Das Führungsgrundgebiet 4 von SWISSINT stellt die Einsatzlogistik in den verschiedenen Missionsgebieten der militärischen Friedensförderung sicher. Besonders anspruchsvoll ist dabei der internationale Transport militärischer Güter auf dem Land-, See- oder Luftweg. Unterschiedliche Zoll- und Einfuhrbestimmungen, Transitbewilligungen, sicherheitspolitische Vorgaben, lange Transportwege sowie die Koordination mit nationalen und internationalen Partnern machen den militärischen Güterverkehr zu einer komplexen Aufgabe.

Für das Durchfahren oder Überfliegen von Transitstaaten ist jeweils ein individuelles militärisches Transitgesuch zu stellen, das über den Verteidigungsattaché an die zuständigen staatlichen Behörden zur Prüfung übermittelt werden muss.

Text René Schönauer, Logistik Planung/Führung Führungsgrundgebiet 4 und Oliver Knupp, Chef Führungsgrundgebiet 4, SWISSINT
Fotos SWISSINT

Das Führungsgrundgebiet Logistik stellt die bedarfsgerechte Versorgung der militärischen Auslandseinsätze sicher – nach dem Logistik-Prinzip: die richtigen Güter, zur rechten Zeit, am richtigen Ort. Für die SWISSCOY in Kosovo erfolgt der Nachschub sowie der Personentransport über zwei wöchentliche Versorgungsflüge. Diese werden sowohl durch den militäri­schen Lufttransportdienst des Bundes als auch durch die zivile Fluggesell­schaft ZIMEX durchgeführt. Während der Personenverkehr und Schlüssel­güter primär auf dem Luftweg transportiert werden, sichern monatliche Konvois den Austausch von Fahrzeugen und schwerem Gerät auf dem Landweg. Diese Strassen- und Wasserkonvois operieren flexibel auf zwei Hauptrouten: rein landgebunden über die Ostroute durch Italien, Slowenien, Kroatien und Serbien oder über die Westroute auf dem Seeweg mittels Verschiffung über die Adria nach Albanien. Die Planung und Durch­führung dieses internationalen militärischen Warenverkehrs über die ver­schiedenen Verkehrsträger bergen einige Herausforderungen in sich.

Lange Lieferzeiten

Während die zivile Logistik auf maximale Effizienz und Just-in-Time-Lieferungen optimiert ist, unterliegt der militärische Transport dem Pri­mat der Effektivität, insbesondere der Sicherheit – auf Kosten des Fak­tors Zeit. So ermöglichen bei der zivilen Fracht standardisierte Abläufe, digitale Schnittstellen und privilegierte Abfertigungen globale Lieferzei­ten von oft nur 48 Stunden. Bei der militärischen Fracht hingegen beträgt die Vorlaufzeit für Genehmigungen der einzelnen Länder mindestens 30 Tage auf dem Landweg. Jede Grenzüberschreitung muss einzeln bei den Ländern beantragt werden. Auch für das Überfliegen oder Landen in Dritt­staaten müssen Genehmigungen oft Wochen im Voraus beantragt werden. Eine zivile Maschine fliegt mit einer Standard-IATA-Nummer; eine Militär­maschine benötigt für jedes Land eine individuelle staatliche Freigabe.

Zwischen Souveränität, Geheimhaltung und Transitsicherheit

Trotz internationaler Abkommen, wie dem NATO Status of Forces Agree­ment, bleibt die Zollanmeldung eine komplexe Herausforderung. Um ihre Souveränität zu wahren, bestehen Staaten auch bei Partnern und Alliierten auf der Deklaration von eingeführten oder durchzuführenden Gütern. So müssen einerseits für die Transitländer jeweils einzelne Mani­feste erstellt werden, andererseits sind bei Einsätzen unter internationa­lem Mandat – wie bei der KFOR – ein zusätzliches Regelwerk mit eigenen Formularen für den zollfreien Warenverkehr innerhalb des Missionsge­biets zu berücksichtigen. Für den Übergang vom Missionsgebiet in den öffentlichen Raum wird ein militärisches Formular benutzt, das ebenfalls der Zollbefreiung dient und zusammen mit den Cargopapieren mitgeführt wird. Erschwerend kommt die Geheimhaltung bestimmter Ladungslisten hinzu, weil diese häufig mit der Transparenzpflicht gegenüber den Zollorganen kollidiert. Die Sicherheit der Ladung muss permanent gewähr­leistet sein – auf dem Landweg darf sie nur bewacht oder in militärischen Camps abgestellt werden.

Da zudem Munition, Treibstoffe und Batterien als Gefahrengut gelten, erfordern diese spezielle Staupläne und Trennungsvorschriften auf Schiffen und Flugzeugen. Viele zivile Anbieter verweigern die Mitnahme bestimmter Gefahrgutklassen (besonders Klasse 1, Explosivstoffe). Die Bewilligungszeit für den Fährtransport von Gefahrgut beträgt mindestens 30 Tage. Somit ist gerade für solche Stoffe der Transport auf dem Landweg zu bevorzugen, wenn es die geografischen Distanzen zulassen.

Zivile Infrastruktur spielt entscheidende Rolle

Eine weitere Herausforderung sind Masse und Lastenlimits ziviler Infra­struktur, die insbesondere von den transportierten Gefechtsfahrzeugen oft überschritten werden. Auf dem Landweg erfordert dies Spezialgeneh­migungen für Schwertransporte, die streckenabhängig und zeitintensiv sind. Ferner erfordern die Transporte häufig eine vollständige oder parti­elle Begleitung durch die Militärpolizei des jeweiligen Staates, Nachtfahrerlaubnis und oft die Demontage von Anbauteilen, um Tunnelpassagen zu ermöglichen. Auf dem Seeweg gibt es die Einschränkung, dass nur wenige Fährschiffe über die nötige Deckstärke für schweres Gerät verfügen. Ein Transport der Fahrzeuge über den Luftweg ist meist nur mit teuren Spe­zialmaschinen (wie zum Beispiel C-17 oder Antonov) möglich, da Stan­dard-Containerjets nicht über die nötigen Rampen verfügen.

Die Beschleunigung militärischer internationaler Logistik erfordert weni­ger schnellere Fahrzeuge oder die Verkürzung der Transportdauer, son­dern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen und eine Digitalisierung der diplomatischen Genehmigungsverfahren. Es sind die strukturellen und bürokratischen Hürden, die dazu führen, dass militä­rische Logistikprozesse oft erheblich langsamer ablaufen als zivile Stan­dards. Zugleich bieten gerade diese Rahmenbedingungen der Schweizer Armee die Möglichkeit wertvolle Erfahrung in der grenzüberschreitenden Logistik zu sammeln – mit Blick auf künftige Ausbildungen und Übungen in Partnerländern, die für die Stärkung der nationalen Verteidigungsfä­higkeit an Bedeutung gewinnen.

Bei einem militärischen Konvoi steht für alle Beteiligten die planmässige Durchführung im Vordergrund. Entsprechend gestaltet sich die Beantragung von Transitbewilligungen als komplexer und zeitintensiver Prozess mit zahlreichen Formularen – sei es auf dem Land-, See- oder Luftweg.