Bundeswehr Deutschland (Bundesministerium der Verteidigung 2022)
Diskriminierung
Definition: Subjektiv wahrgenommene Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts, des Alters, einer Behinderung, der Religion oder Weltanschauung, eines Migrationshintergrundes, der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität. Die Ungleichbehandlung umfasst beleidigende Äusserungen, Ausgrenzung und sexuelle Belästigung bis hin zu Gewalt.
Betroffenheit in den vorherigen zwei Jahren: 21.1% der Frauen, 4.1% der Männer, aufgrund der sexuellen Orientierung: 12.1% der nicht-heterosexuellen Personen und aufgrund der Cis-/Transgeschlechtlichkeit 10.1% der trans Personen.
U.S. Verteidigungsministerium (Davis et al. 2023)
Sexuelle Belästigung
Definition: unerwünschte sexuelle Annäherungsversuche, Aufforderungen zu sexuellen Gefälligkeiten und absichtliche oder wiederholte beleidigende sexualisierte Bemerkungen oder Gesten.
Betroffenheit im vorherigen Jahr: 63% der Frauen, 74% der nicht-heterosexuellen Frauen, 20% der Männer, 49% der nicht-heterosexuellen Männer.
U.S. Militär (Abrams 2024)
Die Zahl sexueller Übergriffe stieg zwischen 2018 und 2021 um 25% (Schätzungen aufgrund anonymer Befragungen). Auch die Zahl der erstatteten Meldungen stieg. Diese Steigerung wird als positiv gewertet, da sich Personen mehr trauen, Hilfe zu suchen.
Meldungen zu sexuellen Übergriffen
Im vorherigen Jahr: 8.4% der Frauen, 1.5% der Männer, 12% der lesbischen, schwulen und bisexuellen Angehörigen der Armee; sexualisierte Gewalt gegen Männer ist ein ernstzunehmendes Problem und wird zudem nicht als sexualisierte Gewalt, sondern ‹nur› als Schikane wahrgenommen.
Um die Prävention zu stärken, werden 2000 Psychologen und Psychologinnen und andere Spezialisten und Spezialistinnen angestellt. Sie sollen Kaderpersonen dabei unterstützen, Risikofaktoren zu minimieren und den gewünschten Kulturwandel voranzutreiben.
Kanadische Streitkräfte (Cotter 2019)
Beobachtetes (gesehen oder gehört) oder erlebtes sexualisiertes oder diskriminierendes Verhalten.
Beobachtungen und Betroffenheit im vorherigen Jahr: 70% (2016 waren es 80%).
Sexualisiertes oder diskriminierendes Verhalten
Definition: Gezieltes sexualisiertes oder diskriminierendes Verhalten.
Beobachtungen und Betroffenheit im vorherigen Jahr: 15 %, 28 % der Frauen und 13 % der Männer.
Sexualisierte Übergriffe
Definition: unerwünschte sexuelle Berührungen oder sexuelle Handlungen ohne Konsens im militärischen Arbeitsumfeld oder mit militärischen Angehörigen.
Beobachtungen und Betroffenheit im vorherigen Jahr: 1.6 %, 4.3 % der Frauen und 1.1 % der Männer.
Französische Streitkräfte (Moreau et al. 2021)
Sexuelle Belästigung
Definition: Jegliche wiederholte sexualisierte Kommentare.
Betroffenheit im vorherigen Jahr: 14.6% der Männer, 30.3% der Frauen.
Sexuelle Nötigung
Definition: jegliche Berührung, versuchter oder erzwungener Geschlechtsverkehr, auch mit einem Gegenstand oder Finger.
Betroffenheit im vorherigen Jahr: 12.6 % der Frauen und 3.5 % der Männer.
Militärisches Trauma aufgrund von Sexualisierung
Definition: wiederholte sexuelle Kommentare, wiederholte verbale unerwünschte Aufmerksamkeit, sexuelle Nötigung oder sexuelle Übergriffe.
Betroffenheit im vorherigen Jahr: 36.7% der Frauen, 17.5% der Männer.
Zwischenevaluation eines Massnahmenpakets zur Bekämpfung von sexualisierter und sexistischer Gewalt (Ministère des Armées 2024a; für die Massnahmen siehe Ministère des Armées 2024b)
Im März 2024 hat der Minister für Armeen und Kriegsveteranen sieben Anweisungen, Mandate, Konventionen und Leitfäden zur Bekämpfung von sexualisierter und sexistischer Gewalt unterzeichnet.
Am 11. Oktober 2024 wurden erste Ergebnisse vorgestellt.
Zu den Massnahmen gehören: Opfer ins Zentrum der Verfahren stellen, Betroffene begleiten, Tatpersonen sanktionieren, Transparenz garantieren und Prävention, u.a. durch Schulungen von Führungskräften und strenge Kontrolle des Alkohol- und Drogenkonsums auf militärischem Gelände. Ebenso wurde eine Vereinbarung mit den Frauenhäusern (association La Maison des Femmes-Restart) getroffen, die bei der Begleitung von Betroffenen, Schulungen und Sensibilisierungen unterstützen.
Zwischenergebnisse seit März sind u.a.
- 209 gemeldete Fälle in den letzten sechs Monaten gegenüber 213 für das gesamte Jahr 2023;
- 93%: Quote des gewährten funktionalen Schutzes für Opfer; 45 Suspendierungen von Beschuldigten in 6 Monaten gegenüber 4 im gesamten Jahr 2023;
- 129 Anrufungen der Staatsanwaltschaft in 6 Monaten gegenüber 49 im gesamten Jahr 2023;
- 42 Opfer erneut kontaktiert, 7 Ermittlungen wieder aufgenommen;
- 16 verschärfte Sanktionen und 6 Sanktionen gegenüber der nachlässigen Führung im Rahmen der Überprüfung von Altfällen;
- Die Zusammenarbeit mit den Frauenhäusern wird gemäss der Vereinbarung durchgeführt;
Armee des Vereinigten Königreichs (Umfrage von 2020, Ministry of Defense 2022)
Sexuelle Belästigung
Definition: von sexualisierter verbaler Gewalt wie Witzen und Beschimpfungen bis hin zu schweren Sexualdelikten.
Betroffenheit im vorherigen Jahr: 3%, 5% waren sich nicht sicher, bei den Frauen waren es 17%, bei den Männern 2%.
Erfahrungen sexualisierten Verhaltens, wie Witze, sexualisierte Sprache, Gesten, sexualisierte Inhalte zeigen, fielen von 40-86%, je nach Verhaltenskategorie 2018 auf 31%-69% 2021.
Weibliche Angehörige der Armee sind stärker von sexualisiertem Verhalten betroffen (insgesamt zwischen 1.8 und 37% je nach Verhaltenskategorie) als männliche Angehörige der Armee (0.9%-15%).
Europa (Umfrage zu Gleichstellung und Frauen in Armeen, EUROMIL aisbl, 2023)
Teilnehmende Länder an der Umfrage: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Schweden, Slowakei, Spanien, Zypern
Als grösste Herausforderungen für die Inklusion von Frauen werden genannt
- Ausrüstung und Uniformen sind auf Männer zugeschnitten und es ist schwierig, Uniformen in weiblichen Grössen zu bekommen;
- Diskriminierung, Mobbing, sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe;
- Geschlechterstereotypen und die Vorstellung des Militärs als ausschliesslich männliches Arbeitsfeld;
- Militärische und politische Behörden bieten keine Hilfe bei der Kinderbetreuung an, sodass die Beteiligung von weiblichen Militärangehörigen an Auslandseinsätzen sehr begrenzt ist;
- Unterrepräsentation von Frauen in hochrangigen Positionen.
UNO (Datenanalyse von 55 Mitgliedstaten, UN 2024)
Die Analyse der Daten von 55 Mitgliedsstaaten zu Chancengleichheit im Verteidigungssektor ergibt u.a., dass der Frauenanteil zwar steigt, jedoch nach wie vor niedrig ist, der Anteil an Frauen in Führungspositionen und Kampftruppen besonders tief ist und in manchen Ländern unterschiedliche Rekrutierungsstandards gelten.
Als grösste Herausforderungen werden genannt:
- Barrieren, welche die volle Partizipation von Frauen erschweren, u.a. durch Geschlechterstereotypen, unpassende Ausrüstung und soziale und kulturelle Normen;
- Vielen Rekrutierungsstrategien gelingt es nicht, Frauen anzusprechen;
- Grenzen in der Karriereentwicklung;
- Schwierigkeiten, rekrutierte Frauen auch zu behalten;
- Sexuelle Belästigung und Diskriminierung, welche weiterhin ein verbreitetes Problem sind.
Es werden zudem ‹good practices› aus einigen Ländern vorgestellt
- Besser verstehen, worin die Barrieren für Frauen liegen (Ghana und Deutschland);
- Unterstützung in der Kinderbetreuung für Armeeangehörige (Dominikanische Republik und Uruguay);
- Vor-Rekrutierungstrainings (Liberia und Brasilien);
- Frauenquote bzw. -standard (Südafrika);
- Truppen mit nur Frauen (Jordanien und Norwegen);
- Kampagnen, um die Armee als inklusiven Dienst zu portraitieren (Moldawien);
- Ausschluss von Armeeangehörigen, welche Menschenrechtsverletzungen begangen haben, inklusive häusliche und sexualisierte Gewalt.