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MitteilungVeröffentlicht am 17. September 2026

Digital und praxisnah: Neue Wege in der Ausbildung von Peacekeepern

Am Ausbildungszentrum SWISSINT werden international anerkannte Kurse für angehende UNO-Militärbeobachterinnen und -Militärbeobachter sowie Stabsoffizierinnen und Stabsoffiziere durchgeführt. Sie vermitteln nicht nur militärisches Fachwissen, sondern bereiten gezielt auf Einsätze in multinationalen, politisch sensiblen und dynamischen Konfliktumfeldern vor. Um zukünftige Peacekeeperinnen und Peacekeeper bestmöglich auf die vielfältigen Anforderungen heutiger UNO-Missionen vorzubereiten, setzt die Schweiz auf spezialisierte und praxisnahe Trainings.

In Workshops vertieften die angehenden Peacekeeperinnen und Peacekeeper ihr Wissen anhand von Fallbeispielen, Diskussionen und eigenen Präsentationen.

Text Fachof Aisha Seitz, Kommunikationsoffizierin Milizstab SWISSINT

Friedensfördernde Einsätze umfassen heute ein breites Aufgabenspektrum von der Beobachtung und Lagebeurteilung über den Schutz der Zivilbevölkerung bis hin zur Unterstützung politischer Prozesse und Reformen im Sicherheitssektor. Neue Konfliktformen, hybride Bedrohungen, Cyberrisiken und Desinformation verändern die Rahmenbedingungen rasant. Das Ausbildungszentrum SWISSINT bietet mit dem Swiss United Nations Military Observer Course (SUNMOC) und dem Swiss United Nations Staff Officer Course (SUNSOC) zwei Kurse für die gezielte Vorbereitung in solch komplexen Einsatzumfeldern an. Beide Kurse sind vom United Nations Department for Peace Operations (UNDPO) zertifiziert und bieten nicht nur einen sehr hohen Praxisbezug, sondern basieren auch auf digitalen Lernmethoden, modernen Simulationen, modularer Wissensvermittlung und einem raschen Lessons-Learned-Zyklus. Ein Team von internationalen Instruktorinnen und Instruktoren bringt laufend Erkenntnisse aus aktuellen Einsätzen in die Ausbildung ein, um die Qualität und Realitätsnähe weiter zu steigern.

Vom Frontalunterricht zum digitalen Lernpfad

Neben den Inhalten, die regelmässig an das sich rasch verändernde Einsatzumfeld angepasst werden müssen, entwickelt sich auch die Art der Wissensvermittlung laufend weiter. Bereits heute arbeitet jede Person, die in eine UNO-Mission entsandt wird, die Core Pre-deployment Training Materials (CPTM) durch und erhält danach ein Zertifikat. Inhalte sind unter anderem das Mandat der UNO und deren Aufbau sowie Verhaltensgrundsätze im Einsatz, Menschenrechte und Eigenschutz.

Die Schweiz unterstützt die UNO in der Weiterentwicklung der Ausbildung. Als konkreten Beitrag dazu führt sie mit den United Nations Integrated Training Services (UN ITS) ein Projekt zur Digitalisierung der CPTM-Unterlagen. Das Ziel war die Erhöhung des Ausbildungsniveaus und eine Entlastung der Trainingszentren, indem den Studenten individuelle Lernmöglichkeiten geboten werden. Bis Ende 2026 sollen die Lektionen auf dem Learning Management System der UNO bereitgestellt werden. Bisher wurde der Lernstoff hauptsächlich über PowerPoint-Präsentationen im Frontalunterricht vermittelt. Die Überführung und Überarbeitung in die sogenannten eCPTM erfolgte in enger Abstimmung zwischen der UNO, SWISSINT und dem Bereich Internationale Beziehungen Verteidigung (IB V).

Im SUNMOC 2026 war eine Beta-Version der eCPTM im Einsatz. Die Inhalte sind interaktiv aufgebaut und werden mit Videos, Audioinhalten und Visualisierungen ergänzt. Lernkontrollen und Fallbeispiele runden das Angebot ab. Neu absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des SUNMOC bereits vor dem Kurs alle 30 Lektionen im Selbststudium und müssen einen Eintrittstest bestehen. So ist sichergestellt, dass zum Kursstart alle Teilnehmenden über das gleiche Basiswissen verfügen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich jede Person das benötigte Wissen im eigenen Tempo aneignen kann.

Praxisnahe Vertiefung vor Ort

Im Rahmen von Workshops wird das Gelernte vor Ort diskutiert und vertieft. Dazu bearbeiten die angehenden Peacekeeperinnen und Peacekeeper verschiedene Case Studies und erstellen eigene Präsentationen zu ausgewählten Themen. Die ersten Erfahrungen sind positiv, Teilnehmende sowie Instruktorinnen und Instruktoren sind sich einig: Es findet mehr Austausch statt, der auf gemeinsamem Wissen aufbaut und mehr Zeit für vertiefte Fragestellungen lässt.

Auch die Anforderungen an die Instruktorinnen und Instruktoren ändern sich. Zwar entfallen viele Frontalpräsentationen, doch die Bearbeitung der Themen in der Gruppe bleibt aufwändig. Realitätsnahe Szenarien und Simulationen ergänzen die theoretische Ausbildung und greifen die im Selbststudium erlernten Themen wieder auf. Die Szenarien spiegeln reale Herausforderungen aus Einsätzen wider, inklusive asymmetrischer Bedrohungen, Informationsmanagement und Zusammenarbeit mit zivilen Akteurinnen und Akteuren.

Schweizer Know-how mit globaler Wirkung

Das Ausbildungszentrum SWISSINT arbeitet eng mit internationalen Partnern zusammen, etwa im Rahmen von «4PCE – Fo(u)r Peace Central Europe» mit Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Ziel dieser Partnerschaft ist die gemeinsame Weiterentwicklung von Ausbildung, Fähigkeiten und Einsatzstandards im Bereich der militärischen Friedensförderung. Durch die Bündelung von Know-how und Ressourcen entsteht ein Mehrwert für alle beteiligten Nationen. Die gemeinsame Schlussübung des SUNMOC mit den Partnerkursen in Deutschland und Österreich demonstriert, wie effektiv abgestimmte Verfahren, gemeinsame Standards und eingespielte Kommunikation im multinationalen Umfeld funktionieren.

Mit den neuen eCPTM stellt die Schweiz der UNO Lernmaterialien zur Verfügung, die weltweit eingesetzt werden: für eine bestmögliche und auf komplexe Einsatzrealitäten ausgerichtete Ausbildung, in der militärische, politische und humanitäre Dimensionen eng miteinander verflochten sind. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der internationalen Sicherheit und Stabilität.