Die Transportkompanie der SWISSCOY: Spezialisiert auf alles, was rollt
Zwischen Schwertransporten, Kranarbeit und multinationaler Zusammenarbeit erlebt Leutnant Oliver den Kosovo aus einer Perspektive, die nur wenige Angehörige der SWISSCOY kennenlernen. Der 23-jährige LKW-Fahrer arbeitet täglich mit Spezialfahrzeugen, unterstützt Transporte für andere Nationen und trägt Verantwortung, die jungen Berufsleuten in der Schweiz selten so früh übertragen wird. Über seine persönliche Erfahrung hinaus macht der Einsatz deutlich, wie zentral die Schweizer Transportkompanie in die multinationale Logistik der KFOR eingebunden ist.

Text und Bilder Micha Brändli, Kommunikation SWISSINT
Wer an militärische Fahrerinnen und Fahrer denkt, hat oft das Bild eines Lastwagens im Wiederholungskurs vor Augen. Für Lt Oliver hat die Realität in Kosovo jedoch wenig mit diesem Klischee gemeinsam. Der junge Logistikoffizier gehört zur Transportkompanie der SWISSCOY – jener Formation, die täglich im gesamten Einsatzraum unterwegs ist. Die Aufträge reichen von Personen-, Material- und Spezialtransporten mit geschützten und ungeschützten IVECO-Fahrzeugen über Schwerlastkonvois bis hin zu Versorgungskonvois von der Schweiz in den Einsatzraum und zurück. Nicht nur die Versorgung des Schweizer Kontingents wird sichergestellt, auch Transporte für andere Nationen bis an die Frachthäfen am Mittelmeer gehören zum Auftrag. Regelmässig werden Container verlegt oder internationale Truppenrotationen unterstützt.
Besonders die Vielseitigkeit macht für Lt Oliver den Reiz aus. Während der einsatzbezogenen Ausbildung in Stans-Oberdorf werden die Fahrerinnen und Fahrer auf unterschiedliche Systeme vorbereitet – darunter Sattelschlepper mit Goldhofer Tiefbettauflieger, Muldenkipper, Tanklastwagen, Bergefahrzeuge oder Spezialanhänger. Als Höhepunkt bezeichnet Oliver die Ausbildung am 55-Tonnen-Kran. Die breite Ausbildung ermöglicht eine schnelle Anpassung an die operationellen Bedürfnisse der Mission.
«In Kosovo warten ganz neue Herausforderungen – von der multinationalen Zusammenarbeit über ungewohnte Strassenverhältnisse bis hin zum Umgang mit einer anderen Kultur», sagt Oliver.
Rund 80 Prozent der Aufträge erfolgen gemeinsam mit anderen Nationen oder im direkten Auftrag internationaler Partner. Die moderne Fahrzeugflotte, hohe Verfügbarkeit und die sprichwörtliche «Swissness» – Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Zuvorkommenheit – verschaffen der Transportkompanie innerhalb der KFOR einen ausgezeichneten Ruf. Allein in den vergangenen sechs Monaten legte die Einheit rund 100’000 Kilometer zurück. Grenzübertritte, Transporte durch verschiedene Regionen des Kosovo oder Arbeiten in multinationalen Teams gehören dabei zur Routine.
Verantwortung, die man zuhause kaum bekommt
Für Lt Oliver als gelernter Elektriker, Logistikoffizier und Fahrer in der Miliz stand schon vor dem Einsatz fest, dass er in Kosovo nicht einfach denselben Beruf ausüben wollte wie zuhause. «Wenn ich diesen Einsatz leiste, möchte ich etwas Aussergewöhnliches machen», erklärt er.
Denn im Gegensatz zur zivilen Tätigkeit oder dem regulären Militärdienst in der Schweiz übernehmen die Fahrer der SWISSCOY Verantwortung für Fahrzeuge und Maschinen, die im zivilen Umfeld selten so früh übertragen wird. Schwertransporte, Sattelschlepper oder Kransysteme seien Aufgabenfelder, für die man sich normalerweise lange weiterbilden müsse, erklärt Lt Oliver. Im Einsatz hingegen erhalten die Fahrerinnen und Fahrer bereits nach der Ausbildung bei SWISSINT die Möglichkeit, direkt mit diesen Systemen zu arbeiten.
Hinzu kommt die besondere Kameradschaft innerhalb der Transportkompanie. Die Fahrerinnen und Fahrer verbringen einen grossen Teil ihres Alltags gemeinsam unterwegs – oft ausserhalb der Camps und im direkten Kontakt mit anderen Nationen. Dadurch erleben sie den multinationalen Charakter der Mission besonders intensiv.
Dass die Schweizer Transporteure vielerorts positiv wahrgenommen werden, erlebt Oliver oft. Gerade an Grenzübergängen oder entlang der Strassen würden ihnen Menschen zuwinken oder Platz machen. «Die Bevölkerung scheint sehr dankbar zu sein für die Arbeit und Präsenz der KFOR», erzählt er. Besonders im Süden des Kosovo komme man oft unkompliziert mit den Menschen ins Gespräch.
Teil eines multinationalen Logistiknetzwerks
Die Einsätze der Schweizer Transportkompanie erfolgen nicht isoliert, sondern als Teil der multinationalen Joint Logistic Support Group (JLSG) der KFOR. Diese Unterstützungseinheit koordiniert Transporte, Truppenbewegungen, Bergungen und weitere logistische Leistungen für die gesamte Mission. Angehörige aus insgesamt 17 Nationen arbeiten dabei eng zusammen. Gerade bei komplexen Transporten, zusätzlichen Kapazitäten oder spezialisierten Mitteln kommt die Schweizer Einheit regelmässig zum Einsatz. Mit ihren modernen Fahrzeugen und Spezialfähigkeiten nimmt die SWISSCOY innerhalb der JLSG eine wichtige Rolle ein. Die Bedeutung dieser multinationalen Zusammenarbeit zeigt sich auch darin, dass die Schweiz im Wechsel mit Österreich das Kommando der JLSG übernimmt und damit zentrale logistische Abläufe der gesamten KFOR-Mission verantwortet.
Für Fahrer wie Lt Oliver ist diese internationale Einbettung im Einsatzalltag unmittelbar spürbar. Ein Beispiel dafür ist ein Auftrag der britischen Streitkräfte, bei dem die SWISSCOY Material und Container bis in den Hafen von Durrës in Albanien transportierte. Solche Fahrten über Landesgrenzen hinweg verlangen präzise Planung, eingespielte Abläufe und eine enge Abstimmung mit internationalen Partnern. Gerade diese Vielfalt macht den Einsatz für ihn besonders reizvoll – und verdeutlicht zugleich, welchen hohen Stellenwert die Schweizer Transportkompanie innerhalb der KFOR einnimmt.


