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MitteilungVeröffentlicht am 7. April 2026

Die SWISSCOY leistet einen Beitrag zur Sicherheit in Europa

Die militärische Friedensför­derung ist ein bedeutendes Mittel der Schweizer Sicher­heitspolitik und trägt zur Wah­rung der nationalen Interessen bei. Das grösste Engagement der Schweizer Armee ist das SWISSCOY-Kontingent im Rah­men der KFOR in Kosovo. Die Stabilität auf dem Westbalkan ist von zentraler Bedeutung für die Sicherheit Europas und wirkt sich damit auch auf die Sicherheitslage der Schweiz aus. Der anhaltende Einsatz der SWISSCOY ist vor diesem Hinter­grund sicherheitspolitisch wich­tig und langfristig relevant.

Die SWISSCOY stellt sechs Liaison and Monitoring Teams in verschiedenen Regionen in Kosovo. Im direkten Kontakt mit der Bevölkerung und den Behörden liefern sie sicherheitsrelevante Erkenntnisse für das Lagebild der KFOR und leisten so einen Beitrag zur Sicherheit.

Text Staatssekretär Dr. Markus Mäder, Chef des Staatssekretariats für Sicher­heitspolitik SEPOS, Bern
Fotos SWISSINT

Der militärische Friedensförde­rungsdienst ist eine der drei im Militärgesetz vorgesehene Auf­gaben der Schweizer Armee. Die Schweiz engagiert sich darin, weil sie an der Förderung von Frie­den, Sicherheit und Stabilität in ihrem strategischen Umfeld interessiert ist. Zudem haben sicher­heitspolitische Spannungen und ein Erstarken der interessengelei­teten Machtpolitik einen spürba­ren Einfluss auf unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. So brin­gen Konflikte im nahen und fernen Ausland nicht nur menschliches Leid, sondern sie beeinträchtigen auch den Handel, schaffen den Nährboden für Terrorismus und zwingen Menschen zur Migration. Die militärische Friedensförderung ist ein Mittel der Schweizer Sicher­heitspolitik, um gegen solche Ent­wicklungen zu wirken, innerhalb der Neutralitätsverpflichtungen. Durch Beiträge der Schweiz werden zudem Partnerschaften vertieft und gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Die Schweiz kann dabei auch die Interoperabilität stärken und wert­volle Einsatzerfahrungen erlan­gen, wodurch wiederum die Ver­teidigungsfähigkeit gestärkt wird.

Voraussetzungen für die militärische Friedensförderung

Damit sich die Schweiz an einer Friedensmission beteiligen kann, müssen bestimmte Vorausset­zungen erfüllt sein. Erstens muss unser Beitrag einer internationa­len Nachfrage entsprechen. Zwei­tens muss der Einsatz für die Schweizer Sicherheit Relevanz haben. Drittens muss ein Einsatz mit den Schweizer aussen-und sicherheitspolitischen Zielen ver­einbar sein und viertens muss der Einsatz militärisch und recht­lich machbar sein. Ein Beispiel ist das SWISSCOY-Kontingent in der von der NATO geführten Kosovo Force (KFOR). Dieser Einsatz ent­spricht einem expliziten Bedarf der internationalen Gemeinschaft und ist mit seiner stabilisierenden Wirkung im Westbalkan für die Schweiz sowohl sicherheitspoli­tisch relevant als auch im Einklang mit ihren Interessen der Aussen-und Sicherheitspolitik. Die recht­liche Machbarkeit ist durch das UNO-Mandat gewährleistet und ebenso ist die militärische Mach­barkeit in der Schweiz gegeben, zumal die Miliz die erforderlichen Fähigkeiten in der gewünschten Zeit abrufen kann.

Das Schweizer Kontingent in Kosovo

Innerhalb dieser Voraussetzun­gen beteiligt sich die Schwei­zer Armee mit rund 300 Frauen und Männern in aktuell 16 Mis­sionen auf vier Kontinenten. Der weitaus grösste und sichtbarste Beitrag der Schweiz in der mili­tärischen Friedensförderung ist seit 1999 das SWISSCOY-Kontin­gent in Kosovo. In den vergange­nen 26 Jahren hat sich dabei das Schweizer Engagement laufend den Umständen vor Ort und den Einsatzbedürfnissen der KFOR angepasst. So werden seit dem Jahr 2002 SWISSCOY-Kontingente zum Selbstschutz bewaffnet. Wäh­rend es anfänglich hauptsächlich logistische Leistungen zugunsten anderer truppenstellender Nationen erbrachte, erhöhte sich der Anteil der Elemente, die zur opera­tionellen Auftragserfüllung direkt der KFOR zugewiesen sind, stetig auf heute über 80 Prozent. Auch die Kontingentsgrösse wurde immer wieder den Gegebenheiten und dem Bedarf angepasst.

Westbalkan im sicherheitspolitischen Inter­esse von Europa

Die Lage im Westbalkan ist jedoch weiterhin fragil. Wiederkehrende Zwischenfälle, keine Fortschritte in der Normalisierung der politischen Beziehungen zwischen Belgrad und Pristina sowie zunehmende destabilisierende Einflussnahme externer Akteure prägen die Lage vor Ort. Russland nutzt historische, religiöse und mediale Verbindun­gen, um seinen Einfluss zu sichern und ein EU- und NATO-kritisches Narrativ zu verbreiten. Gleichzeitig engagieren sich China, die Türkei und Staaten des Golfraums wirt­schaftlich, politisch und kulturell in der Region, um ihre Interessen zu fördern. Auch vor diesem Hin­tergrund bleibt der Westbalkan für Europa und die NATO strategisch bedeutsam. Die KFOR ist derzeit der wichtigste Faktor für Stabilität in Kosovo und der ganzen Region. Keiner kann sich einen weiteren bewaffneten Konflikt in Europa leisten.

Die Stabilität in dieser Region ist im sicherheitspolitischen Inter­esse von Europa und damit auch der Schweiz. Im Falle der Schweiz kommt dazu, dass hierzulande eine grosse Diaspora aus den Staa­ten des Westbalkans lebt. Sicher­heit in der Region wirkt sich damit auch auf die innere Sicherheit und den gesellschaftlichen Zusammen­halt in der Schweiz aus. Weiter ist die Schweizer Beteiligung an der KFOR unser wichtigster Beitrag in der Zusammenarbeit mit der NATO. Er verschafft der Schweiz Zugang zu relevanten Informations-und Dis­kussionsplattformen, Trainings­kursen und Übungen; die Armee gewinnt somit Einsatzerfahrung und stärkt ihre Interoperabilität und Verteidigungsfähigkeit.

Schliesslich kann die Schweiz mit dem Einsatz in Kosovo ihre Part­nerschaften mit anderen Staaten stärken. Viele Partner sehen sich zunehmend veranlasst, ihre Kräfte auf eine mögliche Bündnisvertei­digung der NATO oder die Unter­stützung der Ukraine auszurichten und ihre Beteiligung an der KFOR zu überprüfen. Zudem setzt die Schweiz mit der SWISSCOY ein Zei­chen der Unterstützung und leis­tet einen Beitrag zur Sicherheit in Europa. Dieser wird von Partnern wahrgenommen und regelmässig ausdrücklich geschätzt. Der Ein­satz in Kosovo zeigt somit exemplarisch, wie militärische Friedens­förderung, sicherheitspolitische Interessen und internationale Ver­antwortung und Kooperation über­lappen.

Die militärische Friedensförderung morgen

Der Bundesrat beabsichtigt, die internationale Kooperation wei­ter zu intensivieren. Die militä­rische Friedensförderung ist Teil davon und gleichzeitig der Schlüs­sel zur Interoperabilität. Diese ist eine Voraussetzung für vertiefte Kooperation in einer sich rapide verschlechternden Sicherheitslage. Die Schweizer Armee wird dazu weiterhin hochgefragte spezifische Fähigkeiten zur Verfügung stellen wie etwa humanitäre Minenräu­mung oder Lufttransportkapazitä­ten. Mit der Sicherheitspolitischen Strategie 2026 hat der Bundesrat diese Absicht bekräftigt.

Die militärische Friedensförde­rung wurde in den vergangenen Jahren in allen Einsatzgebieten anspruchsvoller. Zudem erschwe­ren internationale Spannungen die Einigung im UNO-Sicherheits­rat in Fragen der Friedensmissi­onen. Die Erneuerung laufender Mandate – bislang eine Selbstver­ständlichkeit – ist aufgrund von Budgetkürzungen bei der UNO und der zunehmenden Abkehr einiger Staaten vom multilateralen Weg oft unsicher. In einer Zeit, in der sich die Sicherheitslage verschlech­tert, neue Konflikte aufflammen und sich bestehende Bruchlinien vertiefen, bleibt eines sicher: Die militärische Friedensförderung ist schwieriger und gleichzeitig wich­tiger denn je.