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«Transmenschen sollen Dienst leisten dürfen»

16.08.2019 | Das Interview von D. Waldmeier und D. Krähenbühl in der Onlineausgabe von 20 Minuten vom 16. August 2019

cda


Herr Rebord, die Armee findet kaum Rekruten, während der Zivildienst boomt. Sie haben die «RS light» mit kürzeren Märschen und Turnschuhen zur Eingewöhnung eingeführt. Ist die RS dadurch attraktiver geworden?

Philippe Rebord:
Wir wollen die Soldaten fit machen, indem wir die Leistungsfähigkeit schrittweise erhöhen. Das bedeutet weniger Schmerzen, weniger Unfälle und weniger medizinische Entlassungen aus der RS. Das reicht aber noch nicht, um die RS attraktiver zu machen. Sie haben die Hitzewelle im Juli selbst erlebt. Im Schwimmbad ist es angenehmer als auf dem Übungsplatz. Die Armee muss im Verband eine Leistung erbringen. Natürlich ist damit die Handlungsfreiheit des Einzelnen beschränkt.

Ein brachliegendes Potenzial für die Armee sind auch Frauen. Denken Sie, dass Frauen in 15 Jahren ebenfalls Dienst leisten müssen?

Das ist eine politische Frage. Ich wünsche mir aber mehr Frauen in der Armee. Sie haben eine andere Art, wie sie auf die Bevölkerung zugehen. Das sehen wir in Kosovo, wo der Frauenanteil bei der Swisscoy zurzeit bei 22 Prozent liegt. Über die ganze Armee sind es aber nur 0,7 Prozent. Falls die Dienstpflicht für Frauen in 15 Jahren an die Urne kommt, werde ich zustimmen.

Sie waren jetzt 35 Jahre lang Berufsmilitär. Bald gehen Sie ins zivile Leben. Was machen Sie und worauf freuen Sie sich besonders? 

Ich will vor allem keine Nostalgie über meine Karriere pflegen, sondern nach vorn schauen. Ich muss mich um meine Gesundheit kümmern und will mich auf die Familie fokussieren. Ich freue mich auf das Sozialleben: Für ein Konzertabo bleibt als Armeechef leider keine Zeit. Zudem will ich mich in sozialen Stiftungen einsetzen. Und: Ich habe meiner Frau versprochen, bügeln zu lernen. Schliesslich laufe ich dann nicht mehr in der Militäruniform rum.