Der Mensch im Mittelpunkt – Fachoffizier Christine sorgt für die Gesundheit der SWISSCOY
Als Chief Medical Officer trägt Fachof Christine die medizinische Verantwortung für die Angehörigen der SWISSCOY. Ihr Alltag bewegt sich zwischen hausärztlicher Versorgung, internationaler Zusammenarbeit und der ständigen Bereitschaft für den Ernstfall. Dabei steht für sie nicht nur die Behandlung von Beschwerden im Zentrum, sondern der Mensch als Ganzes – körperlich, mental und im kameradschaftlichen Umfeld des Einsatzes.

Text und Bilder Micha Brändli, Kommunikation SWISSINT
«Mich fasziniert der Mensch.» Es ist ein einfacher Satz, mit dem Christine ihre Motivation beschreibt. Doch genau dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch ihren beruflichen Weg. Nicht die Technik, nicht spektakuläre Notfälle und auch nicht die Uniform stehen für sie im Mittelpunkt, sondern die Menschen hinter den Diagnosen.
Seit vielen Jahren begleitet die Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin Patientinnen und Patienten auf ihrem persönlichen Weg. Dabei gehe es für sie nicht ausschliesslich darum, Krankheiten zu behandeln. Vielmehr verstehe sie Gesundheit als Zusammenspiel von Körper, Geist und Psyche. «Ich möchte Menschen auf ihrem Weg begleiten, Impulse geben und sie darin unterstützen, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen», beschreibt sie ihre Philosophie. Diese Haltung führt sie nun auch in ihrer Funktion als Chief Medical Officer der SWISSCOY weiter.
Medizin im internationalen Umfeld
Vor ihrem Einsatz arbeitete Fachof Christine unter anderem am Universitätsspital Zürich sowie in einer Hausarztpraxis. Der Schritt in den Kosovo war für sie bewusst gewählt. «Ich habe schon in mehreren Ländern gelebt und das Internationale immer geschätzt. Die SWISSCOY bietet die Möglichkeit, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten.»
Gemeinsam mit ihrem multinationalen Medical-Team betreut sie im Camp Film City die Angehörigen der Schweizer, Österreichischen und Deutschen Kontingente. Dabei führt sie die sogenannte Role1 Medical Treatment Facility – die erste medizinische Anlaufstelle für alle Patientinnen und Patienten.
Der Alltag in einem Militärcamp
Wer an Militärmedizin denkt, stellt sich oft spektakuläre medizinische Evakuierungen per Helikopter (MEDEVAC) oder Verwundetenversorgung unter Gefechtsbedingungen vor. Tatsächlich bereitet sich das Medical-Team genau auf solche Szenarien vor. Übungen in Tactical Combat Casualty Care (TCCC), Trainings zum Massenanfall von Verletzten (MASCAL) sowie der internationale Wissensaustausch gehören zum Ausbildungsprogramm. Das Team muss jederzeit bereit sein, innert kürzester Zeit auf medizinische Notfälle aller Art zu reagieren. Der Alltag im Einsatzraum sieht jedoch glücklicherweise anders aus. «Wir werden für den Worst Case ausgebildet. Die Realität hier ist aber eine Hausarztpraxis plus.» Die meisten Patientinnen und Patienten suchen das Medical-Center mit alltäglichen Beschwerden auf. Anders als in einem Schweizer Spital stehen im Einsatzraum nur begrenzte diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung. Vieles basiert auf klinischer Erfahrung, bevor entschieden wird, ob eine Weiterbehandlung im lokalen Spital oder in Skopje notwendig ist.
Gesundheit beginnt nicht erst bei Beschwerden
Für Christine endet Medizin nicht bei körperlichen Symptomen. «Gesunderhaltung der Truppe bedeutet nicht nur organische Gesundheit. Gerade die mentale Gesundheit ist entscheidend. Körper, Geist und Psyche gehören zusammen.» Sie ist überzeugt, dass gegenseitige Unterstützung innerhalb des Kontingents ebenso wichtig ist wie medizinische Behandlung. Kameradschaft bedeute deshalb auch, füreinander da zu sein, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen und Hilfe anzubieten.
Arbeiten und leben auf engstem Raum
Neben den medizinischen Aufgaben fordert der Einsatz die Menschen auch persönlich. Anders als im zivilen Berufsalltag begegnet man sich im Camp nicht nur während der Arbeit, sondern rund um die Uhr. Privatsphäre ist begrenzt, Rückzugsmöglichkeiten sind selten.
«Man braucht Offenheit, mentale Flexibilität und den Willen, Probleme direkt anzusprechen. Kommunikation ist entscheidend. Auf so engem Raum sind Konflikte vorprogrammiert, wenn man Dinge nicht ausspricht.» Gleichzeitig betont sie, wie wichtig es sei, trotz des gemeinsamen Alltags auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und persönliche Routinen beizubehalten. Diese sogenannten «Healthy Habits» seien eine wichtige Grundlage, um über Monate leistungsfähig zu bleiben.
Verantwortung kennt keine Bürozeiten
Als Chief Medical Officer endet die Verantwortung nicht mit der Sprechstunde. Während der Bereitschaftszeit ist sie rund um die Uhr erreichbar. Jederzeit kann ein Alarm eingehen – tagsüber genauso wie mitten in der Nacht. «Der eigentliche Workload ist oft gar nicht das Herausforderndste. Es ist diese Dauerpräsenz und die Verantwortung, jederzeit bereit sein zu müssen.» Gerade diese Bereitschaft macht ihre Funktion aus. Eine Verantwortung, die weit über medizinisches Fachwissen hinausgeht. Denn für Fachof Christine beginnt gute Medizin nicht erst im Behandlungszimmer. Sie beginnt dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.

