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MitteilungVeröffentlicht am 21. April 2026

Der KFOR-Einsatz als Mehrwert für die Armee

Die Schweizer Armee beteiligt sich seit über zwei Jahrzehnten mit dem SWISSCOY-Kontingent an der Kosovo Force (KFOR). Im Rahmen dieses Engagements erbringen Armeeangehörige ope­rationelle Leistungen zugunsten der Hauptaufträge der Mission. Gleichzeitig generiert der Einsatz einen nachhaltigen Mehrwert für die Schweizer Armee und stärkt gezielt deren Fähigkeiten.

Die SWISSCOY unterstützt die KFOR mit operationellen Leistungen zur Erfüllung der Hauptaufträge der Mission. Damit schafft sie einen vielfältigen Mehrwert für die Schweizer Armee – bei Material, Fähigkeiten, Einsatzverfahren und Prozessen.

Text Oberst im Generalstab Christoph Fehr, Kommandant SWISSINT
Fotos SWISSINT

Frieden und Stabilität auf dem Balkan liegen im sicherheitspoliti­schen Interesse der Schweiz. Vor diesem Hintergrund engagiert sich die Schweizer Armee mit dem SWISSCOY-Kontingent in der UNO-mandatier­ten und NATO-geführten KFOR. Die Angehörigen der SWISSCOY stellen operationelle Fähigkeiten bereit, die einen aktiven und nachhaltigen Bei­trag zur Sicherheit in einer Region bewirken, deren Entwicklung eng mit der Sicherheitslage in Europa verbunden ist und sich im geografischen Umfeld der Schweiz befindet. Mit der SWISSCOY leistet die Schweizer Armee qualitativ hochwertige Beiträge zur operationellen Auftragserfül­lung der KFOR. Sie setzt spezialisierte Elemente ein, welche bei der Umset­zung der beiden Hauptaufträge unterstützen: der Gewährleistung eines sicheren und stabilen Umfelds sowie der Bewegungsfreiheit, insbeson­dere der internationalen Akteure.

Vielfältiger Mehrwert für die Armee

Der Einsatz der SWISSCOY dient nicht nur der internationalen Friedensför­derung, sondern bietet der Schweizer Armee gleichzeitig einen vielschich­tigen Mehrwert. Material, Systeme und Ausrüstung können im Echteinsatz angewendet und systematisch getestet werden – unter realen Bedingun­gen, die in der Schweiz in dieser Form nicht nachgestellt werden kön­nen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fliessen in die Weiterentwick­lung von Beschaffung, Instandhaltung und Ausbildung ein und leisten einen nachhaltigen Beitrag zum Fähigkeitsaufbau der Schweizer Armee.

Der Friedensförderungseinsatz ermöglicht zudem gezielt spezifische Fähigkeiten auf- und auszubauen, bei Bedarf zu skalieren und für die Gesamtarmee zu nutzen. So geschehen beispielsweise, als deutsche und britische Truppen die Wartung der Mabey-Unterstützungsbrücken der SWISSCOY übergaben. Um für die Friedensförderung das notwendige Know-how aufzubauen, beschaffte die Schweizer Armee einige wenige Systeme, die heute von Durchdienern eingesetzt werden und aus der Kata­strophenhilfe nicht mehr wegzudenken sind – wie sich 2024 im Maggiatal oder 2025 im Val de Bagnes zeigte. Aktuelle Beispiele im Rahmen des Fähigkeitsaufbaus sind das geschützte Bergen von Fahrzeugen bis 30 Ton­nen sowie die operationelle Nutzung eines Abwehrsystems gegen Mini-Drohnen. Letztere Fähigkeit trägt unmittelbar zur Sicherheit aller einge­setzten KFOR-Angehörigen bei und gewinnt angesichts der zunehmenden Verbreitung von Drohnen stetig an Bedeutung. Ein solcher Praxiseinsatz ist in der Schweiz aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen nicht oder nur eingeschränkt möglich. Die daraus gewonnenen Erfahrungen finden Eingang in Ausbildung, Doktrin und Fähigkeitsentwicklung.

Gewinn von Führungserfahrung im Echteinsatz

In Friedensförderungsmissionen werden Führungs- und Stabsfunktionen anhand der Truppenstärke sowie hochwertiger Beiträge der beteiligten Nationen vergeben. Dank dem Entscheid des Bundesrates vom Novem­ber 2024, das SWISSCOY-Kontingent um 20 Personen auf 215 zu erhö­hen, konnte die Schweizer Armee eine multinationale Transportkom­panie sowie das Kommando über die logistische Unterstützungseinheit (JLSG1) der KFOR übernehmen. Die Führung der Transportkompanie eröff­net insbesondere jungen Offizieren die Möglichkeit im multinationalen Umfeld Führungserfahrung im Echteinsatz zu sammeln. Dank des Kom­mandos über die JLSG sowie weiterer Stabsfunktionen im Hauptquartier und in den Brigaden der KFOR – etwa als Chief Information Activities Cell oder als Verantwortlicher für die Koordination nicht kinetischer Effekte2 – sind Schweizer Offiziere und Unteroffiziere eng in multinationale Füh­rungsprozesse eingebunden. In dieser Rolle vertiefen sie ihre Führungs- und Kooperationskompetenzen und erwerben teilweise neue Fähigkeiten. Nach einem mehrmonatigen Einsatz im Bereich der wirkungsorientierten Operationsführung (Effect Based Operations) sowie in NATO-Prozessen bringen sie ihr Wissen und ihre Erfahrung zurück in die Schweizer Armee und fördern damit deren Kooperationsfähigkeit.

Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit

All dies verbessert die Interoperabilität der Schweizer Armeeangehörigen nachhaltig und generiert einen substanziellen Return on Investment: Der Erfahrungsgewinn im Echteinsatz führt zu einem gezielten Ausbau fach­licher, militärischer und führungsbezogener Kompetenzen insbesondere der Offiziere und höhere Unteroffiziere. Insgesamt trägt der Einsatz der SWISSCOY damit nicht nur zur Sicherheit im Einsatzgebiet bei, sondern stärkt die Einsatzfähigkeit der Schweizer Armee und leistet einen messba­ren Beitrag zur langfristigen Verteidigungsfähigkeit der Schweiz.

1 Die Joint Logistic Support Group (JLSG) ist zuständig für Genie- und Transportwesen, Kampfmittel­räumung, Führung des Militärflughafens Pristina, die Sicherstellung der Versorgung mit Betriebsstoffen und Koordination mit den Seehäfen in Durrës (Albanien) und Thessaloniki (Griechenland). Sie ist einer der sechs Truppenkörper, welche dem Kommandanten der KFOR direkt unterstellt sind.

2 Unter nicht kinetische Effekte fallen zivil-militärische Zusammenarbeit, die Patrouillentätigkeiten der Verbindung- und Beobachtungsteams (LMT), Informationsoperationen und die psychologische Kriegsführung.