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Ohne Unfallpikett hebt kein F/A-18 ab

Wenn alles gut läuft, dann haben die Mitglieder des Unfallpiketts auf dem Flugplatz Meiringen nichts zu tun. Langeweile macht sich dennoch nicht breit und die Einsatzbereitschaft ist hoch.

28.01.2018 | sh

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Nicht ganz zweieinhalb Minuten dauert es, dann ist der Wassertank des Flugfeldlöschfahrzeugs leer. Dies liegt nicht etwa daran, dass das Fahrzeug wenig Wasser dabei hat. Der Tank des IVECO-Fahrzeugs fasst 6600 Liter Wasser – den Inhalt von 47 Badewannen. Doch in einem Ernstfall geht es darum, das Feuer bei einem Flugzeug sehr rasch zurückzudrängen. Dafür fliessen Unmengen Wasser in kürzester Zeit durch den Monitor, wie der Wasserwerfer auf dem Dach im Fachjargon heisst.

 

In 90 Sekunden zum Einsatzort

Stolz erklären Sdt Yannik Paissard und Sdt Reto Schmid jedes Detail am Fahrzeug. Sie sind als Fahrer beim Unfallpikett im Ereignisfall dafür verantwortlich, dass die Löschmittel sehr rasch zum Einsatzort kommen. Während des WEF gilt auf dem Flugplatz Meiringen, von wo aus die F/A-18 dieses Jahr eingesetzt werden, Bereitschaftsgrad 5 Omega. Das bedeutet, dass das Unfallpikett innerhalb von 90 Sekunden vor Ort sein muss. Grund dafür ist, dass die F/A-18 mit Lenkwaffen bestückt sind und dies einen allfälligen Brand noch gefährlicher machen würde. Sonst wäre auch eine Reaktionszeit von drei Minuten ausreichend.

 

Doch bisher war es ruhig. Einsatzleiter Lt Jan Grossniklaus erklärt: «Wenn wir morgens nicht bereit sind, dann startet kein F/A-18.» Das heisst für Meiringen derzeit, dass mindestens fünf Mann auf Pikett sein müssen. Um noch besser reagieren zu können, stehen jedoch jeweils pro Schicht zehn AdA bereit. Drei bis fünf Mann davon verbringen jeweils eine Stunde am Stück in einem Flugfeldlöschfahrzeug am Pistenrand, während die anderen sich im Pikettraum bereithalten.

 

Holz sägen als Training

Eine Schicht dauert jeweils zwölf Stunden. Danach hat man zwei Schichten frei. Doch frei heisst hier nicht etwa nichts tun. Lt Jan Grossniklaus fährt Cuminaivel zum Freilichtmuseum Ballenberg. Hier sind mehrere Soldaten im Einsatz, um Bäume, die vom Sturm «Burglind» gefällt wurden, in meterlange Stücke zu sägen. «Damit können wir gleich unsere Fertigkeiten beim Umgang mit Motorsägen auffrischen», erklärt Lt Jan Grossniklaus. Martin Fankhauser vom Freilichtmuseum ergänzt, dass die Hilfe sehr willkommen sei. «Die Soldaten machen einen tollen Job.»

 

Zurück auf dem Flugplatz zeigt Bernhard Wicki, nebenamtlich Chef Unfallpikett in Meiringen, die Maquette, an der die Mitglieder des Unfallpiketts üben. Dafür hat er extra für Cuminaivel ein 1:1-Modell einer F/A-18 aus Holz- und Kunststoff aus dem Hangar gezogen. Damit lassen sich verschiedene Szenarien simulieren. Plötzlich steigt dichter Rauch aus dem linken Triebwerk und das Fahrwerk leuchtet rot. Im Ernstfall würde es nun darum gehen, die Treibstoffzufuhr abzustellen und die Bremse mit einem Lüfter zu kühlen.

 

Lt Jan Grossniklaus erzählt von der Übung, die er am vergangenen Montag mit seinen Leuten daran durchgeführt hat. Nicht alles lief auf Anhieb rund. «Aber mir ist eine Übung mit ein paar Fehlern lieber, weil wir danach viel aufmerksamer sind», ergänzt er.

 

Hohe Einsatzbereitschaft

Während draussen ein weiteres Duo F/A-18 dröhnend vor dem Fenster vorbeirollt, um in den Himmel über dem Brienzersee zu verschwinden, gehen drinnen die Feuerwehrleute verschiedenen Beschäftigungen nach. Es ist eine hohe Motivation und Einsatzbereitschaft spürbar. Dies liegt wohl nicht zuletzt daran, dass viele der Soldaten auch im Zivilleben in lokalen Feuerwehren tätig sind.

 

Wenn in Davos der Sitzungstag zu Ende geht und der letzte F/A-18 gelandet ist, ist die Bereitschaft des Unfallpiketts nicht zu Ende. Wie die Piloten hält sich die Flugplatzfeuerwehr bereit, rasch wieder einsatzbereit zu sein, denn ohne bereites Unfallpikett steigt kein F/A-18 in den Nachthimmel.