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Lufttransport zu Gunsten der Fliegenden Einsatzleiter

Die Fliegenden Einsatzleiter – kurz FEL – tragen grosse Verantwortung und spielen eine zentrale Rolle am Himmel von Davos. Mit zwei von ihnen starten wir zum Verkehrs- und Überwachungsflug.

25.01.2018 | ct

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Startklar: das FEL-Team an Bord des EC635 kurz vor Abflug.

 

Sie sagt, wo es langgeht, im wahrsten Sinne des Wortes. Martina Kessler von der Kantonspolizei Graubünden ist eine von lediglich zwei Fliegenden Einsatzleiterinnen (FEL) schweizweit und führt durch das Flug-Briefing in der temporären Operationszentrale, nahe Davos. Zu ihrer Linken sitzen Silvan Bischofberger, Fliegender Einsatzleiter der Stadtpolizei Zürich und «Benji», einer von zahlreichen Helikopterpiloten der Schweizer Luftwaffe. Er steht heute im Dienste der FEL und wird die gewünschte Route präzise abfliegen.

 

Mit Deckname startet der EC635 um 10.00 Uhr zum morgendlichen Überwachungsflug in Richtung Prättigau. Verschiedenste gefährdete Objekte sowie der Verkehrsfluss entlang des Tals werden durch die Polizei aus der Luft kontrolliert und überwacht. Korporal Kessler meldet der Polizei-Einsatzstelle über Funk, dass sie und ihr Kollege Bischofberger nun während 30 Minuten in der Luft seien und im Bedarfsfall jederzeit unterstützen könnten. Die Verkehrslage in Davos hat sich aktuell etwas beruhigt. Auf rund 150 Meter über Grund steuert der Pilot zum ersten zu kontrollierenden Masten. «Das sind nur Spuren von Tieren im Schnee, die zum kritischen Objekt führen», meldet die Fliegende Einsatzleiterin – nichts Aussergewöhnliches. Talaufwärts geht’s weiter.

 

Wer fliegender Einsatzleiter ist, hat diese Funktion als Nebenamt im angestammten Polizeikorps inne. Im zweiwöchigen Kurs werden Einsatztaktiken für deren Führungsaufgaben bei Interventionsflügen, für Flüge zur Vermisstensuche, VIP-Begleitflüge und selbstverständlich im Umgang mit dem Einsatzgerät, dem Helikopter, in Theorie und Praxis geschult. «Es ist die Vielfalt der Einsätze, welche diese Zusatzfunktion so unglaublich attraktiv macht», sagen Kessler und Bischofberger begeistert. Und Martina Kessler ergänzt: «Im Felssturzgebiet Bondo bestand die primäre Aufgabe darin, vor Ort alle Helikopter auf Platz bzw. in der Luft zu koordinieren und Landeplätze einzurichten».

 

Ein Ort, an dem so manches Detail im Echteinsatz erprobt werden kann, ist am Weltwirtschaftsforum. Hier begleiten neben so genannt «schweren Elementen» in Helikoptern - das sind gut bewaffnete Grenadier-Einsatzkräfte der Polizei – auch Fliegende Einsatzleiter terrestrische Verschiebungen von völkerrechtlich geschützten Personen. Die FEL haben den Auftrag den Luftraum zu überwachen und nötigenfalls bei einem Zwischenfall unterstützend zu wirken. Der Zürcher Stadtpolizist, Silvan Bischofberger, ist zusätzlich am Fast Rope ausgebildet und kann Grenadiere innert Sekunden aus dem Helikopter am Seil runterlassen.

 

In rund einer Stunde wird ein genau solch bestückter Helikopter aufsteigen und in Richtung Helikopterlandeplatz «Lago» fliegen – dann nämlich muss die Verschiebung der deutschen Bundeskanzlerin zum Kongresszentrum aus der Luft durch Grenadiere überwacht und gesichert werden. Zurück zum Überwachungsflug, auf dem das Team an Bord des Eurocopter der Schweizer Luftwaffe soeben die Sunniberg-Brücke in Klosters passiert hat.

 

Konzentriert beobachtet die Fliegende Einsatzleiterin Martina Kessler den Luftraum zur Unterstützung des Piloten, ihr Kollege Bischofberger den Verkehrsfluss und andere wichtige Details. Gibt es beispielsweise lawinenverschüttete oder anders blockierte Strassenabschnitte, die auf eine terrestrische VIP-Verschiebung von Zürich nach Davos allenfalls Konsequenzen hätte. Nichts entgeht den beiden FEL. Man merkt, dass hier zusammen mit den Helikopterpiloten der Schweizer Luftwaffe eingespielte Teams am Werk sind – dies nicht zuletzt dank der mehr als 20- jährigen Erfahrung im gemeinsamen Einsatz am WEF.