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«Der Soldat? Ab und zu muss er gehätschelt werden.»

Seit 2017 ist Alessandro Rabufetti der Arzt des Gebirgsinfanteriebataillon 48. Der Kieferchirurg absolviert mit Leidenschaft als Oberleutnant seinen Dienst im Bataillon. Der Redaktion vom Cuminaivel erzählt er: «Ich fühle mich etwas wie ein Hausarzt.»

24.01.2018 | rc

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Oberleutnant Rabufetti beim Behandeln eines Soldaten. (jw)

 

Die erste Frage ist obligatorisch; Hat die im Tessin und Graubünden kursierende Grippe auch die AdA des Geb Inf Bat 48 angesteckt? «Zu Beginn des Dienstes war diese Befürchtung gross aber zurzeit ist die Situation sehr entspannt; wir hatten nur einzelne Fälle», unterstreicht der Truppenarzt Oberleutnant Alessandro Rabufetti und ergänzt, «die Alarmbereitschaft bleibt aber trotzdem hoch. Eine einzelne ernsthafte Wunde ist paradoxerweise für die gesamte Truppe deutlich harmloser als eine kleine Erkältung oder ein Magendarmgrippevirus.»

 

Während wir mit Rabufetti sprechen sind die Aktivitäten der Sanität in vollem Gang. Sowohl die Soldaten im Einsatz am WEF, wie auch die Rekruten in der Kaserne Chur melden sich am Empfang mit ihren Problemen. Gleichzeitig klingelt das Telefon und der Bataillonsarzt wird über den Gesundheitszustand einiger Soldaten informiert. «Es geht darum zu entscheiden, ob es Sinn macht sie im Dienst zu behalten oder sie zum Wohle der Kameraden nach Hause zu schicken», erklärt der Oberleutnant. Genau in diesem Zusammenhang enthüllt der Truppenarzt eine ungeschriebene Regel: «Es kommt selten vor, dass man mit ausserordentlichen Fällen konfrontiert wird. Umso schlimmer ist es, wenn man leichte Fälle als Bagatellen behandeln würde.» Die militärische Erfahrung zeige, dass nicht alle Arztvisiten wirklich dringend und unvermeidbar sind. «Genau deshalb fühle ich mich manchmal wie ein Hausarzt», bestätigt Rabufetti lächelnd. «Inzwischen kann ich gut unterscheiden, wann es sich um ernste Fälle handelt und wann ein Soldat lediglich das Bedürfnis hat sich mitzuteilen. Ja, ab und zu muss der Soldat einfach gehätschelt werden.»

 

Hätscheln und Probleme erkennen, gerade in diesen Tagen während des Einsatzes. «Mich hier ins Santitätslokal zurückzuziehen und zu isolieren wäre falsch», erklärt der Oberleutnant. «Ich finde es sehr wichtig aufs Feld rauszugehen um den Puls der Truppe zu spüren und mich auch mit den Kommandanten über die potentiellen gesundheitlichen Rückfälle und Gesundheit der Soldaten zu unterhalten.»