Zurück zur Übersicht CUMINAIVEL

Als Gast bei den Mechanikern

Es fällt dichter Schnee-Regen am Morgen, während wir in die Bataillons-Werkstatt fahren, wo unser Fahrzeug repariert wird. Währenddessen werfen wir für Cuminaivel einen Blick hinter die Kulissen und erfahren mehr über die Truppenangehörigen, welche tagtäglich dafür sorgen, dass alles sprichwörtlich wie geschmiert läuft.

23.01.2018 | jp

Artikel_BatWerkstatt_00007
(pp)

 

«In jede Werkstatt gehört ein Radio, sonst ist es keine Werkstatt!», beginnt Oberleutnant Christian Sidler grinsend und weist auf das Gerät an der hinteren Wand. Er ist der stellvertretende Zugführer des Instandhaltungszugs. Gleich daraufhin bekommen wir als Begrüssung einen Kaffee in die Hand gedrückt. Sidler holt Luft. Ihre Aufgabe sei es die Fahrzeuge, Waffen und den Funk des ganzen Bataillons zu warten oder zu reparieren. Um eine Funktion in der Instandhaltung ausüben zu können, bedarf es einer abgeschlossenen Ausbildung als Mechaniker. So sind die Motormechaniker im Zivilen meist Auto-, Lastwagen- oder Landmaschinenmechaniker. Für die Waffen sind hauptsächlich Polymechaniker verantwortlich, da heute der Beruf des «Büchsenmachers» beinahe ausgestorben ist. Elektroniker oder Elektriker werden zu Gerätemechanikern. «Schluss mit der Theorie. Lasst mich euch einfach durch die Werkstatt führen, dann wird einiges klarer», meint Oberleutnant Sidler.

 

Gleich beim Eingang der Werkstatt steht ein Tisch mit Reparatur-Etiketten, Funktionskontrollblättern für Fahrzeuge und mehreren Blöcken Papier bereit. «Dies ist die Annahmestelle. Von hier aus werden die Aufträge aufgenommen und dort hinten an die Pendenzen-Wand gepinnt», erklärt Sidler. Der Werkstattchef verteile die Aufträge dann an die Soldaten. Obwohl der Tag erst begonnen hat, hängen bereits einige der rosaroten Etiketten aufgeteilt nach den verschiedenen Kompanien an der Wand. Bei der Stabskompanie steht der Vermerk «+ Polizei». Einer der nahestehenden Mechaniker grinst: «Vor ein paar Tagen haben wir ein ziviles Polizeiauto in der Werkstatt gehabt. Ich wollte schon immer mal in Einem Platz nehmen – ohne Handschellen zu tragen natürlich». Durch die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitskräften kommen in den nächsten Wochen auch Instandhaltungs-Aufträge seitens der Polizei in die Werkstatt, wird uns erklärt. Die Tour geht weiter.

 

Hinter der Annahmestelle und dem durch Tarnnetze abgetrennten Arbeitsbereich der Zugführer und des Werkstattchefs liegt der Pausensektor. Zwei Heizlüfter blasen warme Luft in den mit Blachen abgetrennten Raum. Zwipfposten, Teekanister, Wasserkocher für Instant-Kaffee stehen bereit, wo sich die Mechaniker wärmen und stärken können. «Es ist kein Scherz. Dieser Bereich ist fast genauso wichtig wie der Rest der Werkstatt», schaltet sich der Zugführer Oberleutnant Marco Kellenberger ein. Es ist Winter, der Schnee liegt überall und die Mechaniker arbeiten auf Abruf an Fahrzeugen, Waffen und Geräten aus Metall in einer unbeheizten Halle. Fällt viel an, arbeiten sie auch ausserhalb der Arbeitszeit, um die Aufträge zu bewältigen. «Wir Offiziere haben die Führungsausbildung und die Soldaten das Fachwissen. So profitieren wir von der Expertise unserer Soldaten», erläutert Kellenberger. Um personelle Ausfälle möglichst zu vermeiden sei der Pausenraum wichtig.

 

Die andere Hälfte der Halle ist vollgestellt mit Fahrzeugen und ihren geöffneten Motorräumen. Zwischen der gekippten Führerkabine eines Lastwagens ragen zwei weisse Säulen auf. «Einen Lift wie diesen haben wir leider nicht jedes Jahr», kommt die Bemerkung von einem der Mechaniker. Im Vorfeld eines WKs werden verschiedene mögliche Bataillons-Werkstatt-Standorte rekognosziert. «Man kann nicht immer auf die Infrastruktur eingehen, die man vor Ort findet. Und falls sie gänzlich fehlt, muss man halt improvisieren», erläutert Oberleutnant Sidler. So sei der definitive Standort meist ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Anforderungen.

 

Wir treten an zwei Mechaniker heran und wollen mehr über das Besondere an den militärischen Fahrzeugen wissen. «Sie sind grün», kommt lapidar der erste Kommentar. Soldat Ruedi Studer gibt einen Überblick: «Der Puch, die Pkws und Lastwagen unterscheiden sich von ihren zivilen Gegenstücken wirklich nur über die Farbe und Nummernschilder. Fahrzeuge, welche man im Zivilen so sicher nicht sieht, sind der Duro, der Duro GMTF, der Eagle und der Radschützenpanzer.» Obwohl durchs Band öfters etwas ältere Technologien zur Anwendung kommen (sieht man vom GMTF ab), sei sie kaum anfällig und gut reparierbar.

 

Generell seien die meisten Schäden auf Abnützung zurückzuführen. Da die Fahrzeuge in den Armeelogistikzentren – stets dem Wetter ausgesetzt – teilweise lange auf ihren Einsatz warten, würden bereits beim Fassen viele kleine Schäden oder Mängel wie fehlendes Öl anfallen. «Müssen wir auch Teile ersetzen, suchen wir diese im Katalog und bestellen sie im Anschluss bei der LBA», erklärt Oberleutnant Christian Sidler. Im seltenen Fall eines Unfalls mit schweren Schäden, müsse zuerst abgeklärt werden, ob die Bataillonswerkstatt dies alleine bewältigen kann, oder ob man es der LBA übergibt. «In einer solchen Situation würden wir auch einen Mechaniker als Unterstützung zu den LBA-Mitarbeitern mitschicken. Es ist halt ein Geben und Nehmen», schaltet sich Oberleutnant Marco Kellenberger wieder ein, als wir den Boden unseres Kaffeebechers erreichen. Es dauert nicht lange, bis der Werkstattchef mit den Schlüsseln unseres Fahrzeugs zurückkehrt. Wir bedanken uns, tanken noch kurz voll und dann sind wir wieder auf dem Weg durch den dichtfallenden Schnee-Regen.