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Lawinenniedergang in Davos – die Gebirgsspezialisten im Einsatz

Die Schweizer Armee leistet am WEF viele subsidiäre Einsätze. Einer davon ist die Unterstützung der zivilen Rettungskräfte in den Bergen. Sollte es zu einem Lawinenunfall kommen, können die Gebirgsspezialisten der Armee aufgeboten werden.

22.01.2018 | mr

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(jw)

 

Viel extremer können die Witterungsbedingungen für die Bergrettung kaum sein. Auf dem Jakobshorn in Davos weht an diesem Morgen ein kalter Wind um die Ohren, es schneit stürmisch und die Temperaturen sind weit unter null. «Aber für die Übung sind das die besten Voraussetzung», sagt Hauptmann Paschina. «Wer unter diesen Bedingungen erfüllt, der ist für mögliche Echteinsätze gewappnet». Die Soldaten der Gebirgsspezialisten Abteilung 1 scheint das Wetter ohnehin wenig zu kümmern. Sie warten im Aufenthaltsraum auf den Übungseinsatz und diskutieren in entspannter Stimmung. «Nervös? Nein, das sind wir nicht. Viele von uns sind auch im zivilen Leben in der Bergrettung tätig. Wir kennen uns mit solchen Bedingungen aus», erzählt Soldat Tischhauser. Zumindest ist die Nervosität so lange nicht spürbar, bis der Notruf reinkommt. Eine Lawine hat sich in steilem Gelände gelöst und mindestens zwei Personen verschüttet. Dies sind die einzigen Informationen, welche die Soldaten für die Übung erhalten.

 

Für den Einsatz am WEF üben die Gebirgsspezialisten der Schweizer Armee zusammen mit der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) und dem Davoser Rettungsdienst ein solches Szenario. In Sekundenschnelle haben sich die Soldaten Skier angezogen und stehen vor dem steilen Hang, an welchem sich eine grosse Lawine gelöst hat. Der Einsatzleiter Oberleutnant Stephan spricht mit dem Zeugen und erteilt die ersten Aufträge. Auch Lawinenhunde werden ins Gelände geschickt. Da die Armee seit dem Ende des zweiten Weltkrieges keine Lawinenhunde mehr hat, werden jene der Alpinen Rettung Schweiz eingesetzt. Nebst fünf Lawinenverschütteten Suchgeräte, die im Gelände vergraben wurden, muss die Einsatzgruppe zwei Personen finden, die ohne Sender unter dem Schnee liegen. Die meisten Soldaten begeben sich ins Gelände, während ein Teil der zivilen Einsatzkräfte Seilwinden aufbaut. Eine verschüttete Person wird nach kurzer Zeit gefunden, die Suche nach der zweiten Person dauert länger. Trotz des Zeitdrucks bleiben die Soldaten ruhig. «Wir müssen uns an das Ablaufschema halten und sollten möglichst ruhig bleiben. Nervosität bringt in dieser Situation nichts», sagt Wachtmeister Camiu. Nach längerer Suche kann auch die zweite Person mit dem Rettungsschlitten evakuiert werden. Wegen des schlechten Wetters konnte kein Helikopter zur Unfallstelle fliegen. Mit dieser Rettung legt sich dann allmählich auch das schlechte Wetter, das viel von den Soldaten abverlangt hat. «Die Gebirgsspezialisten haben die heutige Übung bestanden», sagt später der Übungsleiter und Bergführer Oberstleutnant Niffeler. «Der Einsatzleiter Oberleutnant Stephan hat die Übung unter schwersten Bedingungen sehr gut geführt». Im Gespräch nach der Übung ist die Erleichterung über den guten Verlauf der Einsatzübung bei Oberleutnant Stephan spürbar. Auf die Frage, ob es wegen des Wetters heute besonders schwierig war, antwortet der Offizier. «Das Wetter war sicher eine Herausforderung. Aber das gehört bei unserer Tätigkeit dazu. Wichtig ist, dass wir eine gute Übung bestreiten konnten, als Team sehr gut funktioniert haben und Verbesserungspunkte mitnehmen konnten».