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Postkarte aus dem Kalten Krieg

Zusammen im Dienst, zusammen im Einsatz: die Sicherheitskräfte der Polizei und der Armee. Die Dienstpflicht eines jeden Schweizer Bürgers besteht seit mehreren Jahrhunderten, und auch der subsidiäre Einsatz ist nichts Neues. Ein Blick in das Soldatenbuch von 1959 offenbart einige nachdenkliche, ernste, aber auch humorvolle Illustrationen.

21.01.2018 | cb

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Das Soldatenbuch, zweite Ausgabe von 1959. (pp)

 

Gegenwärtig sind die Sicherheitskräfte Polizei und Armee gemeinsam im Einsatz für das WEF. Bereits 1959 schrieb der Bundesrat im Vorwort zum Soldatenbuch «Unsere zivilen Behörden und unsere militärischen Führer arbeiten zusammen, damit in Volk und Heer jener Geist des wahren Volksheeres wach bleibe…». Wie damals, so auch heute ist die enge Zusammenarbeit zwischen den zivilen Behörden und dem Militär wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Organisation und Gewährleistung von Sicherheit für Land und Bevölkerung.

 

«Ehrbar ist, wer wehrbar ist!», einst musste auch «das Recht, eine Waffe zu tragen» erkämpft werden, erklärt das Soldatenbuch. Der Militärdienst sei also nicht nur Pflicht eines Bürgers, sondern zugleich auch ein Dürfen. Wie der Gang zur Urne Rechte und Pflichten mit sich bringe, so sei das auch mit dem Wehrdienst. Bürger und Soldat lässt sich bis heute nicht trennen. Wohl gibt es Unterschiede «zwischen dem feldgrauen und dem beruflich-bürgerlichen Leben», denn wir können unsere Vorgesetzten im Dienst nicht wählen, jedoch wohl die Stimme einem Gemeinderat bei der nächsten Wahl versagen. Den Kadern schreibt der damalige Bundesrat klare Worte: «Wer aber die ihm anvertraute Truppe zielsicher führen will, sieht in seinen Soldaten auch den Menschen und Mitbürger. Ein offenes Wort vor der Truppe oder eine Besprechung unter vier Augen, die den Wehrmann spüren läßt, daß sein Vorgesetzter Sinn für seine Nöte hat, können Wunder wirken.» Weiter fährt der Bundesrat fort, dass nicht der barsche Ton wichtig sei, «sondern das bestimmte Wesen eines überlegenen Mannes» das Vertrauen zu seinen Soldaten stärke. Das vorgelebte Beispiel im engen Zusammenleben des Militärdienstes überzeugt.

 

Das Soldatenbuch von 1959 beinhaltet neben der Entstehungsgeschichte der Schweiz weitere allgemeinbildende Kapitel wie: «Unser Bundesstaat» oder «Die 25 Kantone im Bundesleben». Das Buch beschränkt sich aber nicht nur auf den Militärdienst. «Frau und Familie» lautet der Titel eines weiteren Kapitels, welches den wichtigen Stellenwert der Frau und Familie hervorhebt. Das Soldatenbuch wurde der Truppe von 1958 bis 1974 ausgehändigt und diente u.a. der Stärkung des Heimatbewusstseins und der geistigen Landesverteidigung. 1974 entschied das Militärdepartement auf einen Neudruck des Soldatenbuches zu verzichten. Was das militärische Sachwissen betrifft, wurde das Informationsbedürfnis durch diverse Dokumente (Dienstreglement, Reglement «Grundschulung», Broschüre, «Stellungspflichtig», «Weitermachen» usw.) abgedeckt und wird bis zum heutigen Tage stets weiterentwickelt.

 

Auch wenn es mehr als ein halbes Jahrhundert her ist, hat manche Passage im Soldatenbuch auch heute für uns noch seine Berechtigung. Oft kämpfen wir mit denselben Problemen wie früher. Auf jeden Fall ist zu sagen: Dienstleisten – und insbesondere während eines subsidiären Einsatzes – heisst, auch mal entbehren können. Die kreativen, aufwändig gestalteten Illustrationen im Soldatenbuch sind aber durchaus unterhaltsam!