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Der Kälte zum Trotz

Es gibt wohl begehrtere Aufträge in der Armee als Wachtdienst in der Kälte. Nichtsdestotrotz ist sich die Truppe der enormen Wichtigkeit dieser Aufgabe bewusst. Im Gespräch mit verschiedenen Soldaten konnte Cuminaivel einen Einblick in den Wachtdienst-Alltag erhalten. Wir präsentieren die besten Tipps und Ratschläge für den Einsatz in der Kälte.

19.01.2018 | jp

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Zwei Soldaten auf der Wache. (st)

 

«Das Wichtigste auf der Wache ist das Binom», meint Soldat van der Meer, wobei sein Kamerad Angioy zustimmend nickt. Sie stehen schon seit zwei Stunden vor der Schranke zur Truppenunterkunft. Dabei geht es als Wachtsoldat neben der eigentlichen Aufgabe des Wachtdienstes ebenso um den konstanten Kampf gegen die Kälte. Obwohl es erst früher Nachmittag ist, scheint die Sonne sich schon wieder verabschieden zu wollen. Am härtesten sei die Nacht, bestätigen van der Meer und Angioy. Denn das fehlende Kommen und Gehen von Fahrzeugen und Soldaten lasse keine gern gesehene Abwechslung wie am Tag zu. Zudem werde gegen 06:00 Uhr in der Früh die Kälte beinahe unerträglich. Als Wache kenne man daher drei «Aggregatszustände»: gefroren (auf der Wache), flüssig (in der Reserve) und gasförmig (im Ruheelement bzw. während des Schlafens und Träumens).

Es drängt sich natürlich die Frage auf, was man gegen die Kälte tun kann. «Schichten», lautet die kurze Antwort. Die meisten Soldaten auf der Wache tragen Thermo-Unterwäsche, zwei paar Wollsocken, T-Shirt, Gnägi, Fliessjacke, Tarnanzug, Gore-Tex-Jacke und darüber die Splitterschutzweste. «Dieses Jahr haben wir noch eine zusätzliche Ausrüstung gegen die Kälte», meint Soldat Angioy grinsend. Er spricht von den auffälligen Lammfellmänteln. Sie seien Gold wert auch wenn sie schrecklich abgetragen aussähen. Die Soldaten der Wache finden, dass sie wärmer seien als die Gore-Tex-Jacke. Es war der «Feldi», der sich an diese alten, militärischen Artikel erinnerte, welcher mittlerweile nicht mehr aufgelistet ist. «Da wir diesen Winter-WK in einem Schattenloch verbringen, habe ich nachgefragt, ob die Logistikbasis diese Mäntel irgendwo noch an Lager hat», erinnert sich Hauptfeldweibel Domenic Näf. Eine Palette wurde bestellt, verladen und an die Wachtmannschaft verteilt. Sollte die ganze Ausrüstung immer noch nicht reichen, erzählen sich die Soldaten auf der Wache Witze. Das Lachen vertreibe die Kälte.

 

Im Generellen sei Erzählen und Reden das beste Mittel gegen die andere Herausforderung - die Ereignislosigkeit. «Man muss sich gut verstehen, wenn man hier für mehrere Stunden Wache steht», meint Soldat van der Meer. So kennt man sich am Ende des WKs ziemlich gut, da man(n) über Gott, Frauen, die Welt, Sport, Reisen, Arbeiten, Lebensziele – und wenn man keine weiteren Themen mehr findet, dann halt nochmals über Frauen – gesprochen habe.

 

Teil der Wache zu sein hat auch seine Vorteile, da sie ihren eigenen «Dienstbetrieb» mit eigenem Rhythmus und Zeiten besitzt. «Wenn ich in der Reserve bin, muss ich mich bereithalten, falls etwas passiert und innert kürzester Zeit voll ausgerüstet an der Schranke zu stehen», meint Soldat Schwendener im Aufenthaltsraum der Wache. Während der Bereitschaft kann man die Zeit für sich frei nutzen mit Musik hören, Bücher lesen, Serien schauen oder fürs Studium lernen. Aus diesem Grund melden sich sogar einige Soldaten freiwillig für die Wache. Und so ist es wie mancherorts im Leben: Es gibt sowohl Vor- wie auch Nachteile.

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Stop! – Dieses Plakat weist auf ein bewachtes Objekt hin. (st)