Bereit, wenn es zählt – Als Pionier-Zugführer im SWISSCOY-Einsatz
Das Mobility Support Detachment (MSD) spielt bei der KFOR eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, die Bewegungsfreiheit in instabilen Lagen sicherzustellen. Im Gespräch erklärt der Pionier-Zugführer des SWISSCOY Kontingents 53, Hauptmann Yanik, wie dieses spezialisierte Element arbeitet, welche Fähigkeiten dafür unerlässlich sind und weshalb intensives Training für die Soldatinnen und Soldaten entscheidend bleibt – gerade dann, wenn es im Einsatz schnell gehen muss.

Interview geführt von Fachof Fiona Lehmann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 53
Fotos Fachof Fiona Lehmann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 53
Wofür wird das Mobility Support Detachment (MSD) eingesetzt und welche Fähigkeiten stehen dabei im Mittelpunkt?
Das MSD stützt sich auf Pionierleistungen und Leistungen im Bereich Kampfmittelbeseitigung. Es ist ein sogenanntes OPCON-Element, das bedeutet, dass es direkt von der KFOR beauftragt und kontrolliert wird. Es kommt beispielsweise bei Strassenblockaden zum Einsatz, welche die Bewegungsfreiheit behindern. Die Sicherstellung der Bewegungsfreiheit ist einer der beiden Grundaufträge der KFOR (Freedom of Movement, FOM).
Die Kernfähigkeiten des MSD umfassen das rasche Aufbauen und Auflösen von Roadblocks und Sperren. Die regelmässige Übung dieser Abläufe ist essenziell, da MSD-Einsätze häufig unter hoher Belastung stattfinden. Nur durch wiederholtes Training können standardisierte Abläufe verinnerlicht, Reaktionszeiten verkürzt und die Sicherheit der eingesetzten Kräfte sowie der Zivilbevölkerung gewährleistet werden. Gleichzeitig wird dadurch die Zusammenarbeit innerhalb des Detachments und mit übergeordneten Stellen nachhaltig verbessert. Neben der nationalen Zusammenarbeit ist auch die internationale Kooperation im MSD zentral. Da das MSD multinational zusammengesetzt ist, müssen unterschiedliche nationale Gegebenheiten und Verfahren regelmässig gemeinsam trainiert und aufeinander abgestimmt werden. So entstehen Vertrauen, höhere Interoperabilität und eine sichere, koordinierte Zusammenarbeit mit den Partnernationen.
Was sind Ihre Hauptaufgaben als Pionier-Zugführer?
Ich verantworte die Führung, Planung und Koordination meines Zuges. Im Einsatzalltag sind wir vielseitig tätig: Wir übernehmen Arbeiten für Unterhalt und Ausbau der Camps sowie dort, wo unsere Unterstützung gerade gefragt ist. Dabei planen und realisieren wir pionierspezifische Aufträge im Hoch- und Tiefbau aus einer Hand – ergänzt durch die Unterstützung der Instandhaltung und Aufgaben im MSD.
Ich stelle die Einsatzbereitschaft meines Zuges sicher, indem ich Ausbildung, Material, Logistik und Personal koordiniere und überwache. Weiter bin ich verantwortlich für die Führung der unterstellten Kader, die Durchsetzung von Sicherheits- und Qualitätsstandards sowie für die Beurteilung und Förderung des Personals.
Zusätzlich fungiere ich als Bindeglied zwischen übergeordneten Führungsstufen und internationalen Partnern und sorge für eine klare Kommunikation sowie eine lagegerechte Umsetzung der Aufträge.
Was haben Sie vor dem Einsatz bei SWISSCOY beruflich gemacht und welche Erfahrungen konnten Sie in Ihren Einsatz mitnehmen?
Vor dem Einsatz war ich als Junior-Projektleiter in einer Elektroinstallationsfirma tätig. In dieser Funktion leitete ich kleine bis mittelgrosse Baustellen mit Personalbeständen von rund 5 bis 20 Mitarbeitenden. Zu meinen Hauptaufgaben gehörten die Arbeitsplanung, Materialbestellungen, Koordination der Bautätigkeiten sowie die fachliche und personelle Führung vor Ort.
Die Erfahrung in der Planung und Führung von Personal unter realen Zeit-, Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erwies sich als klaren Vorteil im Einsatz als Pionier Zugführer.
Was bedeutet schnelle Reaktionsfähigkeit für die Truppe – im Einsatz und im Alltag?
Eine rasche Reaktionsfähigkeit bedeutet für die Truppe, auch bei unerwarteten Ereignissen jederzeit handlungsfähig zu bleiben. Dies setzt voraus, dass Abläufe klar definiert, Rollen bekannt und Entscheidungswege kurz sind. Jede und jeder Angehörige der Truppe muss die eigenen Aufgaben sicher beherrschen und in der Lage sein, auch unter Stress korrekt zu handeln.
Für die Vorbereitung im Alltag bedeutet dies, dass Ausbildung und Training konsequent auf realistische Einsatzszenarien ausgerichtet sein müssen. Standardisierte Verfahren, regelmässige Wiederholungen sowie das Training unter Zeitdruck tragen dazu bei, Automatismen zu entwickeln und Fehler zu minimieren. Ebenso wichtig sind eine gute körperliche und mentale Vorbereitung, funktionierende Kommunikationsmittel sowie eine hohe Material- und Einsatzbereitschaft.
Wie gehen die Angehörigen des Pionierzuges mit dieser physischen und mentalen Belastung um?
Die Angehörigen des Pionierzuges begegnen der physischen und mentalen Belastung durch eine Kombination aus gezielter Ausbildung, körperlicher Vorbereitung und klaren Führungsstrukturen. Regelmässiges Training stärkt sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die mentale Belastbarkeit und schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und jene des Teams.
Klare Abläufe, eindeutig zugewiesene Aufgaben und eine strukturierte Führung reduzieren Unsicherheit und Stress im Einsatz. Gleichzeitig wird im Zug Wert auf gegenseitige Unterstützung, und kameradschaftlichen Zusammenhalt gelegt.
Wie wird trotz ständig wechselnder Kontingente ein hohes Ausbildungs- und Einsatzniveau gewährleistet?
Ein hohes Ausbildungs- und Einsatzniveau wird durch standardisierte Abläufe mit strukturierten Übergaben zwischen den Kontingenten sichergestellt. Beim Eintreffen eines neuen Kontingents werden gezielte Qualifikationsübungen durchgeführt, welche aufzeigen, ob das Kontingent die erforderliche Einsatzbereitschaft erreicht hat. Regelmässige Ausbildung und gemeinsame Übungen gewährleisten zusätzlich die kontinuierliche Leistungsfähigkeit.
Dies ist nun Ihr erster Einsatz. Wie erleben Sie diese Erfahrung persönlich?
Den ersten Einsatz erlebe ich als sehr lehrreich und prägend. Grundsätzlich entspricht der Einsatz dem, worauf ich in Stans-Oberdorf während der Ausbildung vorbereitet wurde und was ich im Vorfeld erwartet habe. Die täglichen Herausforderungen, das Arbeiten im multinationalen Umfeld sowie die Verantwortung gegenüber dem unterstellten Personal fordern mich fachlich wie persönlich.
Eine persönliche Herausforderung besteht darin, nicht in eine Routine zu verfallen und dadurch mental an Bereitschaft zu verlieren. Dies erfordert bewusste Selbstdisziplin, kontinuierliche Aufmerksamkeit sowie die aktive Auseinandersetzung mit der Lage und den eigenen Führungsaufgaben. Insgesamt empfinde ich den Einsatz als anspruchsvoll, aber sehr motivierend und als wichtigen Schritt in meiner militärischen und persönlichen Weiterentwicklung.


