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Hybrisol, der digitalisierte Soldat der Zukunft

Kriege und Konflikte werden auch in der Zukunft geführt. Ein Team um Quentin Ladetto kümmert sich bei armasuisse um Zukunftstechnologien und denkt über den Soldaten der Zukunft nach. Diese Initiative entstand im Rahmen seines Forschungsprogramms «Technologiefrüherkennung». Das Papier verbindet den Kampf von heute mit demjenigen von morgen und befasst sich mit der künftigen Interaktion von Mensch und Maschine im Einsatz.

06.12.2021 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Die Drohnille («kleine Drohne») könnte am Gurt des Soldaten getragen werden. Lanciert hilft sie bei Suche und Rettung, zeichnet Bilder und Tön auf und übermittelt sie, identifiziert Personen, greift feindliche Soldaten oder Drohnen an und erkennt chemische und biologische Substanzen. ©Olivier Fontvieille (Grafiken)

Der «Soldat der Zukunft» trägt energieproduzierende und -speichernde «Dynastiefel». Er fliegt einen solarbetriebenen «Propulss», ähnlich James Bonds Düsenrucksack. Er verschiebt sich durch die Luft ins Kampfgebiet und kann Verwundete bergen. Er ist ausgestattet mit Sensoren und Geräten, die Verletzungen heilen. Das Buch «Der Soldat der Zukunft» eines Forscherteams um Quentin Ladetto, Leiter des armasuisse-Forschungsprogramms Technologiefrüherkennung, skizziert die Ausrüstung des Soldaten in einer nahen Zukunft. Es geht von kommenden Bedrohungen und den Mitteln zu ihrer Bekämpfung aus.

Das Buch thematisiert die Konfliktursachen der Zukunft und der Umgang mit ihnen. Zuoberst steht der Wassermangel, aber auch der Einsatz biologischer Kampfmittel und von Kriegstieren – genveränderten Insekten etwa, die Hungersnöte auslösen, oder auf Drohnenabwehr trainierten Adlern.

Ausgangspunkt: Ist-Zustand

In Armeen könnte es «Aquafilisten» haben, Spezialisten für Wasserkonflikte, sowie «Astroffiziere» für das All. Durch die Erfindung des Wortes beginnen eine Idee oder ein Gegenstand zu existieren. Der Blick in die Zukunft arbeitet mit Begriffen für Tätigkeiten, Funktionen, Waffen und Situationen. So könnte sich aus den Helmvisieren heutiger Piloten die «Kobrille» entwickeln, perfekt für Aufklärung im Feindesland.

Aus einer aktuellen Technologie leiten die Autorinnen und Autoren eine zukünftige ab und ordnen sie ein. Schliesslich präsentieren sie eine dazu passende «Nachricht aus der Zukunft», beispielsweise einen querschnittgelähmten Piloten («Avioniker»), der über Implantate in seinem Hirn vom Boden aus ein Fliegergeschwader lenkt («Aktipathie»). Oder die «Solzenisierung»: Meditation und Yoga für die Vorbereitung auf den Kampf und die Heilung einzusetzen.

In die Zukunft schauen lohnt sich

Bundesrätin Viola Amherd, Chefin VBS, weist in ihrem Vorwort darauf hin, dass der rasante Fortschritt und die Digitalisierung eine Herausforderung sind und Ungewissheit bergen. Es sei nötig, sich auf die Zukunft vorzubereiten und neue Kompetenzen zur Bewältigung auszudenken. «Die Antizipation von möglichen Zukunftsentwicklungen ist unsere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.»

Korpskommandant Thomas Süssli, Chef der Armee, betont: Der Mensch steht auch in einer digitalisierten Milizarmee im Zentrum. Denn der physisch und kognitiv «erweiterte» Soldat – der «Hybrisol» – ist zugleich Sensor, Nachrichtendienst und Effektor. «Unsere Soldatinnen und Soldaten können und wollen», schreibt Süssli. Die Armee müsse Fachleute rekrutieren, ausbilden und, noch mehr als heute, jeden und jede an den richtigen Stellen einsetzen. Die Schweiz sei zudem prädestiniert, im Bereich Drohnen und Robotik zu forschen.

Mehr als Science-Fiction

Science-Fiction beschäftigt sich mit Konflikten der Zukunft, mit Armeen aus roboterartigen und fast unsterblichen Kampfmenschen mit Exoskeletten. Für die Forschenden ist der Soldat der Zukunft aber keine Kampfmaschine, die Technologie ergänzt seine Menschlichkeit, sie überdeckt sie nicht.

Nachdenken über das Morgen

Das Buch: Quentin Ladetto und Anne-Caroline Paucot. Soldat der Zukunft (nur DE und FR). ISBN 978-3-9525175-2-9. Preis: 23 CHF/EUR, als PDF im Download kostenlos. Download und Bestellung unter: https://soldatderzukunft.ch. Aktuell läuft die zweite Staffel der Workshops zu «Soldat der Zukunft». Nach zwei einleitenden Sitzungen im Oktober befassen sich Gruppen am 17. November 2021 mit «Neuen Konflikten» (Die Feinde von morgen, Konfliktgebiete, Neue Angriffe, Der Krieg der 1000 Millisekunden) und am 8. Dezember 2021 mit «Die Armee und die digitale Gesellschaft» (Digitale Fragilität, Beschleunigung des Wandels, Virtualisierung der Armee, Staatsbürgerschaft und digitale Überwachung). Am 2. Februar 2022 ziehen die Zukunftsforschenden in Thun Bilanz und analysieren mögliche Konsequenzen. Infos unter:

www.deftech.ch
Quentin Ladetto

Quentin Ladetto, Leiter des Forschungsprogramms Technologiefrüherkennung bei armasuisse. Er erkennt technologische Trends, beurteilt ihre Auswirkungen im militärischen Umfeld und informiert die Armee über die möglichen Chancen und Bedrohungen.

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