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Massvoll und wohlüberlegt

Auf Beschluss des Bundesrats unterstützt die Armee im Assistenzdienst erneut das zivile Gesundheitswesen. Um dabei auch den Bedürfnissen der Schweizer Wirtschaft Rechnung zu tragen, werden die Truppen massgeschneidert und kontingentiert dort eingesetzt, wo es sie braucht. Dabei werden, wo immer möglich, zuerst Freiwillige mobilisiert.

07.12.2020 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

Die Bürgerinnen und Bürger in Uniform kommen genau dort zum Einsatz, wo es sie wirklich braucht. ©VBS/DDPS, Alexander Kühni

Mit der zweiten Coronawelle dieses Jahr kommen auch Bürgerinnen und Bürger in Uniform ein weiteres Mal in den Einsatz für die Unterstützung ziviler Behörden. Denn um die Kantone bei der Bewältigung der steigenden Anzahl Hospitalisierungen und Covid-19-Patienten in Intensivpflege zu unterstützen, hat der Bundesrat am 4. November 2020 den Beschluss gefasst, maximal 2500 Armeeangehörige bis längstens zum 31. März 2021 im Assistenzdienst einzusetzen. Dies, nachdem Ende Oktober mehrere Kantone ein Gesuch um subsidiäre Unterstützung des Gesundheitswesens durch die Armee eingereicht hatten. Der erneute Einsatz hat Auswirkungen auf das wirtschaftliche Leben in der Schweiz.

Wir achten im aktuellen Einsatz darauf, möglichst viele freiwillige Soldaten und Kader zu rekrutieren, um die Wirtschaft weniger stark zu belasten.

Korpskommandant Thomas Süssli, Arbeitgeberbrief vom 16.11.2020

Zuerst Freiwillige, danach weitere Aufgebote

Um die Schweizer Wirtschaft durch das erneute Aufgebot von Mitarbeitenden weniger stark zu belasten, achtet die Armee im aktuellen Assistenzdienst darauf, zunächst möglichst viele freiwillige Soldaten und Kader zu rekrutieren. Wo immer möglich werden zuerst Armeeangehörige aus dem Freiwilligenpool aufgeboten, sofern die entsprechenden Funktionen verfügbar sind. Dabei werden nur genauso viele Armeeangehörige mobilisiert, wie zur Erfüllung der vordefinierten Unterstützungsaufgaben benötigt werden. Da jedoch für die Auftragserfüllung insbesondere Spital- und Sanitätssoldaten gebraucht werden, mussten zusätzlich Armeeangehörige mit entsprechenden Qualifikationen per Marschbefehl aufgeboten werden. Um die negativen Auswirkungen dieser ausserplanmässigen Militärdienstleistung für die Arbeitnehmenden sowie für die Arbeitgebenden so gering wie möglich zu halten, hat die Armee das Dispensationswesen in Bern zentralisiert und versucht, bei Friktionen eine einheitlich und fallbezogen Lösung zu finden.

Mit Rücksicht auf die Wirtschaft

Die Armee ist sich bewusst, dass der Assistenzdienst finanzielle, organisatorische und personelle Auswirkungen auf die Unternehmen in der Schweiz hat. Dieser Armeeeinsatz ist jedoch nötig, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Um aber auch auf die Interessen der Schweizer Wirtschaft zu berücksichtigen, werden die Truppen wohlüberlegt und massgeschneidert eingesetzt: Die Bürgerinnen und Bürger in Uniform kommen genau dort zum Einsatz, wo es sie wirklich braucht.

Das Bereitschaftssystem der Armee

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Im Ereignisfall gilt das System der abgestuften Bereitschaft: Wenn es nötig ist, könnten bis zu 35’000 Armeeangehörige innert 10 Tagen mobilisiert werden. Zuerst werden die sogenannten Mittel der ersten Stunde einsetzt, sprich die Berufsorganisationen und die Durchdiener der Armee. Anschliessend werden jene Verbände einberufen, die sich im Dienst befinden sowie Truppen aus den Rekruten- und Kaderschulen. Nur wenn diese Truppen nicht ausreichen oder spezifische Fähigkeiten erforderlich sind, werden weitere Formationen mobilisiert. Die zusätzlichen Truppen können elektronisch alarmiert und innert kürzester Zeit eingesetzt werden. Zunächst werden die Milizformationen mit hoher Bereitschaft aufgeboten. Damit können mehrere Tausend Mann innert 24 bis 96 Stunden zusätzlich mobilisiert werden. Bei Bedarf lassen sich weiteren Milizformationen mittels Marschbefehl aufbieten.

Hilfe

Hilfe auf Ersuchen

Wenn die zivilen Mittel der Kantone zur Bewältigung einer ausserordentlichen Lage nicht ausreichen, können sie die Armee um Unterstützung der zivilen Behörden ersuchen. Nur nach Bewilligung eines entsprechenden Gesuchs auf Bundesebene kann ein Assistenzdiensteinsatz der Armee erfolgen. Dafür müssen die Kantone darlegen, dass sie sämtliche ihnen zur Verfügung stehenden zivilen Mittel und Instrumente – von Zivilschutz, Zivildienst, Feuerwehr und aus dem privaten Sektor – ausgeschöpft haben. Zudem wird bei jedem bewilligten Gesuch klar festgelegt, wie viele Armeeangehörige für welche Aufgaben benötigt werden. Die Armee entscheidet also nicht von sich aus, wann und wo sie zum Einsatz kommt. Der Entscheid liegt allein beim Bundesstab für Bevölkerungsschutz, der die Gesuche prüft, bewilligt, priorisiert und den Auftrag dann an die Armee gibt.

Assistenzdienst

Freiwilligen-Assistenzdienst Corona 2020

Die Armee rekrutiert aus den eigenen Reihen gezielt Soldaten und Kader, welche sich freiwillig für einen Corona-Assistenzdienst melden können. Auf diese Weise soll die Wirtschaft bei einem weiteren möglichen Einsatz der Armee entlastet werden, indem zunächst auf Freiwillige zurückgegriffen wird.