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Flugzeuge, Führung und Feuerwehr – und das alles mit Familie

Steven Jauquiers Karriere nahm mehrmals eine unvorhergesehene Wendung – dank seines Militärdienstes. Als Chef der Betriebskompetenzstelle der Luftwaffe in Payerne ist er für den Unterhalt der gesamten F/A-18-Flotte zuständig, er ist Generalstabsoffizier und Kommandant der lokalen Feuerwehr. Wie der Freiburger zu einer dreifachen Karriere kam und wie er sie mit seiner Familie vereinbart.

20.07.2020 | Kommunikation Verteidigung, Ruth van der Zypen

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Steven Jauquier an seinem Arbeitsort in Payerne: Als Leiter Unterhalt überzeugt er sich persönlich vom Zustand der F/A-18. (VBS/DDPS / Ruth van der Zypen / zvg)

 

Als Steven Jauquier in die Rekrutenschule einrückte, wollte er eigentlich nur seine Militärdienstpflicht erfüllen. Der Freiburger aus Cugy hatte zuvor bei der Luftwaffe eine Lehre als Elektroniker mit Berufsmaturität absolviert, beruflich standen ihm viele Wege offen. Er ahnte damals noch nicht, dass sein Militärdienst auf seine zivile Karriere einen positiven Einfluss haben würde. Er fand Gefallen an ersten Führungsaufgaben, die der Gruppenführer ihm zuteilte. Durch ihn fühlte sich Jauquier auch zum nächsten Schritt ermutigt: die Offizierslaufbahn anzutreten.

Ziviles und militärisches Wissen im Rucksack

Nach der Leutnantsausbildung arbeitete Steven Jauquier zuerst für private Unternehmen. Er war 22 Jahre alt, als auf dem Flugplatz Payerne ein Elektroniker für den Unterhalt des Systems gesucht, das er bereits aus dem Dienst in der mobilen Luftwaffen Radarabteilung 2 kannte: das Taktische Fliegerradar TAFLIR. Jauquiers militärisches und ziviles Wissen passten nun perfekt zusammen, und er erhielt die Stelle als Radarmechaniker. Sein fachlicher Horizont als Systemspezialist erweiterte sich. Er durfte in einer nächsten Stelle bei der Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB) eine Abteilung von 70 Mitarbeitern führen. Heute ist Jauquier Chef Betriebskompetenzstelle (BKS) Engineering F/A-18. Er ist für die Projekte, die Koordination und den Support dieser Kampfjetflotte zuständig. Das Interessante dabei: Jauquier und seine Abteilung arbeiten an der Schnittstelle zwischen Luftwaffe, armasuisse, RUAG und der Logistikbasis der Armee.

Alles, was den Unterhalt, die Reparatur und den Einsatz der F/A-18 Hornet betrifft, geht über seinen Tisch. «In diesem Job gibt es immer wieder Herausforderungen», erläutert Jauquier. Die F/A-18 Hornet kommen ans Ende ihrer Lebensdauer, und mit dem Material gibt es entsprechend mehr Probleme. Darum sollen ab 2030 neue Flugzeuge beschafft werden. «Die Arbeit ist spannend. Unter anderem bin ich auch als Fachexperte bei der Evaluation des neuen Kampfflugzeuges involviert», so Jauquier.

Militärkarriere und Generalstabsausbildung

Steven Jauquier ist in seiner Milizfunktion inzwischen Major im Generalstab und übernimmt ab 1. Juli 2020 das Kommando seiner früheren Mobilen Luftwaffen Radarabteilung 2. Seine aktuelle Kompanie ist eine von zweien, die das Taktische Fliegerradar betreiben, das mobil in der ganzen Schweiz eingesetzt wird. Dieses Radar wird vor allem für den unteren Bereich des Luftraums, besonders in den Alpentälern, genutzt. Einfach sei es nicht immer, gesteht Jauquier, den Militärdienst mit der Karriere zu vereinbaren. «Aber man hat dadurch Werkzeuge und Kompetenzen für andere Bereiche des Lebens.»

Feuerwehrkommandant inklusive

Damit meint Jauquier auch seine weitere Führungsfunktion als Kommandant des interkommunalen Feuerwehrkorps Les Verdières (FR). «Ich konnte vieles aus dem Militärdienst auf diese Tätigkeit übertragen. Zum Beispiel habe ich einen Stab und Pflichtenhefte eingeführt», erläutert er. «Besonders nützlich sind die Methoden, die Selbst- und die Arbeitsorganisation, die man im Generalstabslehrgang lernt.» Bei der Feuerwehr ist er zudem beliebter Anlaufpunkt für allgemeine Fragen junger Mitglieder zu ihrem Militärdienst.

Die Familie trägt mit

Der 36-jährige Jauquier ist verheiratet und Vater von fünfjährigen Zwillingen. Die junge Familie sieht den Ehemann und Papa natürlich gerne zu Hause. «Meine Familie hat für mich auch höchste Priorität», so Jauquier. «In Freizeit und Ferien will ich immer voll für sie da sein.» Er könnte Beruf und Milizengagement in Militär und Feuerwehr nicht unter einen Hut bringen ohne die bedingungslose Unterstützung seiner Frau. «Sie war es sogar, die mich besonders anspornte, als ich während des Generalstabslehrgangs einen Durchhänger hatte», erinnert er sich dankbar. Steven Jauquier würde rückblickend nichts anders machen und kann die Laufbahn des Milizoffiziers nur weiterempfehlen. «Natürlich muss man sich diesen Schritt gut überlegen. Es ist intensiv und erfordert grossen Zeitaufwand. Wenn man aber Freude am Führen empfindet: unbedingt machen!»