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Wartung eines Lebensretters

Laut Hersteller Martin-Baker verdanken ihm 7597 Piloten/innen ihr Leben. Gemeint ist der Schleudersitz, der als Retter «in letzter Sekunde» nicht mehr aus Kampfflugzeugen wegzudenken ist. Damit dieser bei Bedarf einwandfrei funktioniert, muss er regelmässig gewartet werden.

11.04.2019 | Kommunikation Verteidigung, Saskia Graber

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Der Schleudersitz ist das Rettungssystem «der letzten Sekunde» für Piloten/innen im Falle eines Versagens sämtlicher Flugzeugsysteme. Das ist seit 1940 so. Damals wurde der deutsche Prototyp Heinkel He 280 als erster Düsenjet mit einem Druckluft-Katapult-Schleudersitz ausgestattet. 13 Jahre später kam er auch in der Schweiz zum Einsatz. Heute gehören die mittlerweile vollautomatischen Schleudersitze zur Grundausstattung von Kampfjets.

Bei den F/A-18 der Schweizer Luftwaffe wird auf Schleudersitze des britischen Herstellers Martin-Baker gesetzt. Weltweit kam dieses System bereits 7597 Mal erfolgreich zum Einsatz. In der Schweizer Luftwaffe kam es von 1981 bis 2018 zu 23 erfolgreichen Schleudersitz-Abschüssen aus Kampfflugzeugen verschiedener Typen.

Blitzschneller Abschuss

Was passiert bei einem Abschuss? Beim Betätigen des Abschusshebels durch Piloten/innen-Hand wird unverzüglich der vollautomatische Abschussprozess eingeleitet. Innert Bruchteilen von Sekunden werden das Cockpitdach weggesprengt, die Piloten/innen mittels Gurte in die richtige Abschussposition an den Sitz festgezurrt, der Sitz durch die eingebauten Patronen abgeschossen und mithilfe eines Raketenmotors – nach Verlassen des Cockpits – vom Flugzeug separiert sowie der Fallschirm geöffnet. Das unter dem Sitz angebrachte Notpaket soll nach erfolgreichem Abschuss das Überleben der Piloten/innen sichern. Dessen Inhalt? Ein Schlauchboot, Proviant und Notfallausrüstung.

Wartung durch Luftwaffe und RUAG

Damit diese überlebenswichtigen und ausgeklügelten Systeme im Notfall auch einwandfrei funktionieren, müssen diese periodisch gewartet werden. Die benötigten Patronen der Schleudersitze werden regelmässig ausgetauscht, zudem wird im Zweijahresrhythmus eine gründliche Inspektion im MKZ der RUAG durchgeführt. Diese läuft wie folgt ab: Ausbau des Schleudersitzes, Entladen der Patronen durch einen Mechaniker, einen Gruppenführer und einen Kontrolleur der Luftwaffe. Anschliessend wird der Sitz ins MKZ überführt. In der Regel findet ein direkter Austausch mit einem bereits kontrollierten Schleudersitz statt. Dieser wird dann wieder mit den Patronen beladen und in den Jet eingebaut. Das Kampfflugzeug ist bereits innert weniger Tage wieder für den Flugbetrieb bereit. Um Standzeiten möglichst kurz zu halten, wird darauf geachtet, dass die Wartungsarbeiten an den Schleudersitzen zeitgleich mit einer Flugzeugkontrolle stattfinden. So effizient, wie die Schleudersitze im Ernstfall Leben retten können, so effizient und sorgfältig werden sie auch gewartet.

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