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20 Jahre Kampf gegen Personenminen: Erfolge und Herausforderungen

Vor 20 Jahren trat die Ottawa-Konvention über das umfassende Verbot von Personenminen in Kraft. Bis heute haben 164 Staaten diese Konvention ratifiziert. Die Schweiz gehörte zu den Erstunterzeichnern und engagiert sich weiter aktiv im Kampf gegen diese Waffen.

04.04.2019 | Chef Humanitäre Minenräumung, Robert Amsler

KAMBODSCHA TEMPEL MINEN WARNSCHILD
© KEYSTONE / AP Photo / David Longstreath


Bis vor 20 Jahren war der Einsatz von Personenminen normal, heute ist er die Ausnahme. Das ist ein Ergebnis und ein Erfolg der Ottawa-Konvention. Die 164 Mitgliedstaaten verzichten auf den Einsatz, die Lagerung, die Herstellung und Weitergabe von Personenminen. Seit der in Kraftsetzung wurden grosse Landflächen von Personenminen, Streumunition und explosiven Kriegsmunitionsrückständen geräumt. Bis heute wurden 31 betroffene Vertragsstaaten minenfrei. Weltweit wurden über 55 Mio. Minen vernichtet.  

Engagement des Bundes

Der Bund hat sich in den letzten 20 Jahren mit durchschnittlich 18 Mio. Franken im Rahmen der humanitären Minenräumung engagiert. Gemäss seiner Strategie folgt er drei Stossrichtungen:

  • Einforderung der umfassenden Umsetzung der bestehenden internationalen Verträge;
  • Räumung in kontaminierten Gebieten, Aufklärung über Minengefahren und Unterstützung der Opfer;
  • Aufbau lokaler Kapazitäten zur Stärkung eigenverantwortlicher Massnahmen vor Ort.


Des Weiteren unterstützt die Schweiz das Genfer Minenzentrum (GICHD) finanziell. Das GICHD wurde von der Schweiz 1998 ins Leben gerufen. Es ist das global anerkannte Expertenzentrum in der humanitären Minenräumung.

Neue Herausforderungen

Trotz der grossen Erfolge ist die Arbeit noch nicht getan: Noch immer leidet die Bevölkerung in 32 Vertragsstaaten unter den Folgen von Minen. Grosse Sorgen bereiten jüngst steigende Opferzahlen, der Einsatz von improvisierten Sprengsätzen und die unsichere Rückkehr Vertriebener.

Erhöhte Opferzahlen

Die Zahl der Opfer ist in den letzten fünf Jahren wieder massiv angestiegen und liegt dort, wo sie vor 20 Jahren war. Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung liegt darin, dass heute improvisierte Sprengsätze, die wie Minen wirken, in aktuellen Konflikten eingesetzt werden.

Andererseits führt aber auch die heute viel umfassendere Datenerhebung, welche weltweit verbessert wurde, zu mehr Transparenz. Viel mehr Opfer werden heute statistisch ausgewiesen, als dies vor 20 Jahren noch der Fall war.

Unsichere Rückkehr nach Vertreibung

Immer häufiger wird die Zivilbevölkerung aktiv in den Konflikt hineingezogen. Konfliktparteien greifen die Bevölkerung direkt an und töten, verstümmeln und vertreiben Zivilisten (z.B. Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Syrien und im Irak).

In den aktuellen Konflikten werden weite Landstriche, ganze Dörfer und Städte absichtlich vermint, um der zurückkehrenden Bevölkerung gezielt Schaden zuzufügen. Diese Verminung erschwert den Zugang zu dringend benötigter humanitärer Hilfe, was den Wiederaufbau lähmt. Dadurch wird die Rückkehr der Vertriebenen und Flüchtlinge behindert und verstärkt die Flüchtlingskrise zusätzlich.

Der Preis des Erfolges: gefährliche Ersatzlösung

Dank der Ottawa-Konvention wurde die industrielle Produktion von Personenminen weltweit praktisch eingestellt. Gleichzeitig haben Konfliktparteien eine Alternative entwickelt: improvisierte Sprengsätze. Deren Herstellung ist einfach, billig und tauglich für die Massenproduktion. So ist es zum Beispiel möglich, dass unscheinbare Gegenstände des Alltags wie ein Kühlschrank oder ein Kinderspielzeug in improvisierte Sprengsätze umgewandelt werden.

Dies stellt die Minenräumspezialisten vor grosse Herausforderungen, denn im Gegensatz zu konventionellen Minen wissen die Räumteams bei improvisierten Sprengsätzen auf den ersten Blick nicht, wie sie konstruiert sind. Denn Baupläne dafür gibt es keine.

Diese Umstände machen die Beseitigung dieser Sprengsätze äusserst gefährlich. Sie verlangsamen die Räumung verseuchter Städte und Dörfer und schieben die Rückkehr von Flüchtlingen zusätzlich auf.

Der lange Arm des Krieges

Personenminen, Streumunition und explosive Kriegsmunitionsrückstände lassen sich nicht einfach ausschalten. Auch Jahrzehnte nach Konflikten bleiben sie aktiv. Noch heute tauchen in Europa bei Bauarbeiten immer wieder explosive Überreste der beiden Weltkriege auf. Auch in Mozambique werden noch über 30 Jahre nach dem Bürgerkrieg Minen gefunden, die noch vollständig funktionsfähig sind.

Minenräumung: Keine "unendliche Geschichte"!

20 Jahre Kampf gegen Personenminen haben viel Gutes bewirkt. In vielen ehemals kontaminierten Ländern können Menschen Dank der Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft ihr Land wieder gefahrlos nutzen. Dank 20 Jahre Erfahrung und technischem Know-how werden weitere Staaten bald folgen und minenfrei sein.

Die Staatengemeinschaft ist sich bewusst, dass die Weiterführung des Engagements im Feld wie auch auf der internationalen politischen Ebene noch immer notwendig ist. Die Minenräumung wird zu einer 'endlichen Geschichte', wenn der politische Wille da ist, das Engagement fortzuführen und die dafür notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden.

Die Schweiz leistet weiterhin aktiv ihren Beitrag

Die Schweiz wird sich weiterhin für eine Welt einsetzen, in der keine Menschen mehr Opfer von Personenminen, Streumunition oder explosiven Kriegsmunitionsrückständen werden und in der eine nachhaltige Entwicklung möglich ist, die die Bedürfnisse der Betroffenen deckt.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unter Einsatz ihrer unterschiedlichen Instrumente zusammen.

Der Film: "Humanitäre Minenräumung" zeigt deutlich die heutigen Herausforderungen aber auch Erfolge der letzten 20 Jahre rund um den Erdball auf. Unter youtube.com/schweizerarmee.

Humanitäre Minenräumung

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Seit die humanitäre Minenräumung vor über zwanzig Jahren international ein Thema wurde, konnten wichtige Fortschritte auf dem Weg zu einer minenfreien Welt erzielt werden. Grosse Flächen wurden geräumt, einheitliche Standards und internationale Normen eingeführt sowie neue völkerrechtliche Instrumente geschaffen und umgesetzt. Die Schweiz war und ist ein engagierter Akteur, der wichtige Beiträge zu den relevanten Prozessen leistet.

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