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«Viola Amherds Frauenförderung finde ich toll»

Sie ist der Medien-Star am WEF: Patrizia Laeri. Die SRF-Wirtschaftsjournalistin berichtet bereits zum zwölften Mal von Davos. Welches Thema sie am meisten bewegt, wie die Stimmung im Kongresszentrum mit Trump und Co. ist und was sie vom Einsatz der Armee hält.

24.01.2020 | CUMINAIVEL | ni

Patrizia Laeri

Sie sind mit Ihren 42 Jahren bereits eine WEF-Veteranin. Ist das Weltwirtschaftsforum mehr Pflichtaufgabe für Sie?

Überhaupt nicht. Ich komme immer gerne nach Davos, schliesslich habe ich ja Bündner Wurzeln – meine Mutter kommt aus dem Prättigau. Aber ein Ferienlager ist das hier oben für uns Journalistinnen und Journalisten nicht. Im Gegenteil: Ich bin im Dauerstress, hetze von einem Termin zum nächsten. Mein ganzes Team muss Höchstleistung erbringen. Jetzt komme ich gerade von unserem SRF-Panel.

Um was ging es da?

Clickworking. Ein Thema, das am WEF erstmals behandelt wurde und das ich persönlich sehr spannend, gleichzeitig aber auch beängstigend finde. Dabei geht es darum, dass Menschen den Computer-Systemen «beibringen», was sie wie interpretieren müssen. Man muss sich das so vorstellen: Wie soll eine medizinische Software automatisch und zweifelsfrei einen Tumor erkennen können, ohne dass ihr dies vorher jemand in allen möglichen Ausprägungen beigebracht hat?

Okay, das ist einleuchtend. Was aber ist das Problem? 

Diese Datenfütterung übernehmen Menschen und dies oft unter prekären Arbeitsbedingungen. Sie werden als «Clickworker» bezeichnet. Ihre Arbeit ist höchst anspruchsvoll und muss zuverlässig erledigt werden, da sonst Fehler in die Software einprogrammiert werden. Das könnte fatale Folgen haben. Leider ist der Alltag der «Clickworker» sehr eintönig und repetitiv. Zudem wird ein «Clickworker» sehr schlecht entlohnt – mit etwa zwei bis vier Dollar die Stunde. Schade ist, dass die grossen Unternehmen dieses Jahr nicht an den Diskussionen teilgenommen haben. Sie muss man in die Pflicht nehmen. 

Sie gehören zum illustren Kreis der Schweizer Journalisten, die einen Spezialzugang zum WEF haben. Das heisst, Sie können praktisch überall hin. Wir würden gerne wissen: Wie ist die Stimmung im Kongresszentrum mit Trump und Co.?

Ja, das ist dieser weisse Badge. Den musste ich mir über die Jahre erkämpfen (lacht). Im Kongresszentrum herrscht dieses Jahr wahnsinnige Hektik. Es fühlt sich an wie in einem Bienenschlag. Ausserdem ist vieles neu, angepasst fürs Social-Media-Zeitalter. Grüner Teppich, eine fancy Fotowand… Und schön am WEF ist auch, dass viele Treffen spontan stattfinden. Der Spezialzugang hilft dabei natürlich.

Sie setzen sich für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Wie sehen Sie, als emanzipierte Frau, die Schweizer Armee?

Ich finde es toll, dass Viola Amherd die Armee weiblicher gestalten möchte. Sie packt alte Zöpfe an, beispielsweise die Offsets – das sind Kompensationsgeschäfte für Rüstungsbeschaffungen im Ausland. Da hat sie einen frischen Blickwinkel, das tut dem VBS gut. Dank Viola Amherd habe ich erstmals die positiven Aspekte der Armee wahrgenommen. Zum Beispiel, wie das Militär innert kürzester Zeit bei einer Katastrophe wie Überschwemmungen oder Erdrutsche Hilfe mobilisieren kann. Das wird mit dem Klimawandel in der Zukunft noch wichtiger werden.

Wie können die Frauen von der Armee profitieren?

Vom Netzwerk! Wenn man ins Militär geht, trifft man Leute mit den verschiedensten Hintergründen. Von diesen Seilschaften profitieren heutzutage in der Arbeitswelt fast nur die Männer. Es wäre wünschenswert, könnten sich die Frauen auch bereits in jungen Jahren vernetzen. Auch der Zivildienst bietet dazu natürlich die Möglichkeit.

Und wie nehmen Sie die Armee hier am WEF wahr? 

Ich bin froh, dass ihr da seid. Die Armee erfüllt einen wichtigen Auftrag. Man muss sich das vor Augen führen: Auf US-Präsident Donald Trump ist ein Kopfgeld von 80 Millionen Dollar ausgesetzt. Wenn irgendwas passiert, gibt es in Davos nie mehr ein Weltwirtschaftsforum. Ansonsten kann ich sagen: Wenn ich Soldaten antreffe, sind sie meistens sehr freundlich.