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«Wir dürfen eine wichtige Aufgabe für unser Land erfüllen.»

Das World Economic Forum findet dieses Jahr zum 50. Mal statt. CUMINAIVEL hat mit dem Kommandanten der Schweizer Luftwaffe, Divisionär Bernhard Müller, über den bevorstehenden Einsatz gesprochen.

13.01.2020 | CUMINAIVEL | pi

Divisionär Bernhard Müller, Kommandant Luftwaffe

Die Vorbereitungen für den Einsatz «ALPA ECO 20» laufen und bald gilt es ernst. Wie ist Ihr persönliches Gefühl?

Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Wir haben unsere Planungen gemacht, basierend auf den Erfahrungen der letzten Jahre. Das diesjährige WEF ist eine besondere Konferenz, einerseits wegen des 50-jährigen Jubiläums und andererseits wegen der aktuell spannungsgeladenen Sicherheitslage. In dieser Situation sind wir für die Sicherheit in der dritten Dimension zuständig und dürfen damit eine wichtige Aufgabe für unser Land erfüllen. Darauf können wir stolz sein. 

Für den WEF-Einsatz arbeitet die Schweizer Armee mit verschiedenen Partnern zusammen. Wie sieht das konkret für die Luftwaffe aus?

Einerseits unterstützen wir die Kantonspolizei Graubünden subsidiär. Diese Einsätze vereinbart und koordiniert das Kommando Operationen. Wir erbringen dann die verlangten Leistungen mit unseren Mitteln. Andererseits arbeiten wir in der Luft mit der österreichischen Luftwaffe zusammen. Grundlage dafür ist ein entsprechender Staatsvertrag. Innerhalb der Flugverbotszone dürfen wir so auch über österreichischem Gebiet fliegen sowie Luftfahrzeuge identifizieren oder abdrängen. Diese Massnahmen planen und koordinieren wir selbstständig mit unserem Nachbarland. 

Die Schweizer Armee und mit ihr die Luftwaffe unterstützen die zivilen Behörden bereits seit über zwanzig Jahren für das WEF. Gibt es wichtige Neuerungen?

Der Einsatz ist sehr spannend, aber vergleichbar mit jenen der vergangenen Jahre. Einen wesentlichen Schritt haben wir beim letzten WEF gemacht: Dank der Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich für den Flughafen Zürich-Kloten bzw. dem Kanton Waadt für den Militärflugplatz Payerne konnten wir kurzfristig auf Systeme zur Detektion von Drohnen zurückgreifen. 

Sie haben die Detektion von Drohnen angesprochen. Wie steht es mit der allfälligen Bekämpfung dieser Flugobjekte?

Die Bekämpfung von Kleindrohnen ist grundsätzlich Sache der kantonalen Polizeikorps. Aber auch die Luftwaffe ist vom Gesetz her dazu ermächtigt. Ein Problem sind dabei allerdings stets mögliche Kollateralschäden. Diese muss man abschätzen und dann entscheiden, ob eine Drohne genügend wichtig ist, dass man sie in Kauf nehmen will. Zentral ist vielmehr, zu wissen, in welchem Sektor welche Drohnen sind. So können wir operationelle Massnahmen treffen, um weiterhin einsatzfähig zu sein, z. B. die Verlegung auf einen Ausweichflugplatz, bis die Situation bereinigt ist. 

Letztes Jahr haben einige wichtige Persönlichkeiten dem WEF einen Korb gegeben. Wie sieht es dieses Jahr aus und welchen Einfluss hat die Gästeliste auf den Einsatz der Luftwaffe?

Es ist das 50. WEF und entsprechend werden besonders viele hohe Staatsgäste erwartet, unter anderem auch der irakische Präsident und der iranische Aussenminister sowie US-Präsident Donald Trump. Damit ist, gerade angesichts der aktuellen geopolitischen Lage, ein starker Fokus der Weltöffentlichkeit auf Davos gegeben. Natürlich führt das zu wesentlichen Mehraufwendungen, aber das betrifft vor allem die Polizeikräfte vor Ort. 

Im Bereich Luftpolizei ist es für uns nicht relevant, weil wir unseren Auftrag unabhängig von konkreten Personen umsetzen. Massgebend ist es hingegen für die Unterstützung der Polizeiorgane. Gewisse Delegationen werden von uns transportiert, andere bringen eigene Helikopter mit, z. B. die Amerikaner. Dann stellen wir die Begleitung und die Koordination sicher. Je mehr besonders gefährdete Persönlichkeiten da sind, umso grösser ist dieser Aufwand.

Was möchten Sie den Frauen und Männern sagen, die in den nächsten Wochen für «ALPA ECO 20» im Einsatz stehen?

Zuerst danke ich jedem Soldaten, jeder Soldatin und allen Berufsmitarbeitern für den Beitrag, den sie leisten. Ferner scheint mir ganz besonders wichtig, dass wir alle aufmerksam sein müssen, jeder in seinem Umfeld. Ein Anlass wie das WEF zieht immer auch Personen an, die nichts Gutes wollen. Solche Leute müssen wir identifizieren und den entsprechenden Kontrollorganen melden.