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Das San-Zentrum in Davos: Für alle Fälle gerüstet

Im Optimalfall werden ihre Dienste nicht beansprucht. Dennoch sind die Truppen im militärischen Sanitätszentrum in Davos auf fast jedes Szenario vorbereitet. Ein Blick hinter die Kulissen des Mini-Spitals im Herzen des WEF.

26.01.2018 | ac

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(ac)

 

Ein beklemmendes Gefühl befällt den Besucher, wenn er von Oberleutnant Lazar Tomasevic empfangen und vorbei an einer schweren Plastikplache in den sogenannten Triageraum geführt wird. Hier stehen links und rechts Sanitätsbarren und Erste-Hilfe-Materialen bereit, daneben verstaut sind Messinstrumente und Infotafeln, die über alle möglichen Gefahrenszenarien Aufschluss geben. Ausser Tomasevics Team möchte hier kaum jemand freiwillig hin. Das Zelt- und Container-Dorf auf dem Vorplatz des Davoser Eisstadions bildet das medizinische Notfallzentrum der Armee während des WEF und ist auf kleinstem Raum für die unterschiedlichsten Szenarien ausgerüstet.

 

Der 24-jährige Tomasevic verbringt seinen ersten WK im Alpenort. Im zivilen Leben hat er mit Druckverbänden, Platzwunden und Infusionen wenig am Hut. Umso abwechslungsreicher empfindet der KV-Angestellte derzeit seinen Dienst in Davos: «Die Arbeit hier ist abwechslungsreich und spannend. Dadurch, dass wir eng mit medizinischen Profis zusammenarbeiten, erhält man auch einen besonderen Einblick in deren Arbeit», sagt Tomasevic. Einer dieser Profis ist die 34-jährige Andrea Märki, ebenfalls Oberleutnant. Normalerweise geht sie ihrer Arbeit als Chirurgin im Spital in Sursee nach. In diesem Jahr hat sie ihren grossen Operationssaal allerdings für die Zeit während des WEF gegen zwei kleine Container eingetauscht. Unter dem grellen Licht der Lampe über dem OP-Tisch erklärt sie die unterschiedlichen Möglichkeiten, die sich ihr auch unter erschwerten Bedingungen bieten. «Die beiden Container sind voll funktionsfähige OP-Räume. Im Ernstfall könnten hier erste Noteingriffe vorgenommen werden, bevor die Patienten anschliessend in die umliegenden Spitäler gebracht würden.» Auch hier wird einem mulmig zumute beim Anblick der Instrumente und Werkzeuge im Raum. Bleibt nur zu hoffen, dass der OP-Saal bis zum Ende des Einsatzes einzig zu Übungszwecken Verwendung findet.

 

Tomasevic setzt die Führung durch Einrichtung fort. Der Stützpunkt der Sanität wirkt wie ein verwinkeltes, aber bis ins Detail durchgeplantes Kleinspital. Dort, wo sich sonst verschwitzte Eishockeyspieler umziehen, stehen weitere Barren und ein Tisch voll Desinfektionsmittel, Spritzen und weiteren medizinischen Utensilien. Gleich darüber, im oberen Stock bei den Imbiss-Ständen für die Stadionbesucher, ist nun der Aufenthaltsraum für die Sanitätstruppe. Zu ihnen gehört auch Manuel Lussi. Der Stanser ist eigentlich Sanitär-Monteur, in Davos kommt er aber als Notfallspezialist zum Einsatz. «Eine Woche Zusatzausbildung mit diversen Prüfungen war für diese Einteilung nötig», erklärt Lussi nicht ohne Stolz. Wird ein Notfall ins Sanitätszentrum eingeliefert, unterstützt der 23-Jährige das anwesende Fachpersonal bei den Eingriffen. Dass es bisher nicht so weit gekommen ist, macht auch ihn nicht unglücklich.

 

«Neben den gewöhnlichen Vorfällen wie beispielsweise Grippe-Erkrankungen mussten wir in diesem Jahr einzig ein paar kleinere Verletzungen behandeln, die durch Missgeschicke im Alltag passiert waren», sagt Tomasevic, während er wieder unter der Plastikplache hindurch nach draussen schreitet. Auch er hätte nichts dagegen, wenn das so bleiben würde. Aber wenn nicht, wären er und seine Leute bereit. «Die Bedingungen während des WEF sind sicherlich speziell. Aber auf die Zusammenarbeit hier im Team ist Verlass.»