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Ein Schlafsack voll Post und Brot

Wenn die anderen lieber in der warmen Unterkunft bleiben, bahnt sich der Soldat Feldpost seinen Weg durch die Winterlandschaft zur nächsten Post. Zur Not wird er dabei auch mal zum Brot-Kurier.

25.01.2018 | ac

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(pp)

 

Immer wieder drehen sich Passanten mitten auf dem Trottoir verwundert um und beobachten, was auf der anderen Strassenseite passiert. Dort, wo Moreno Andreoli in Begleitung von zwei weiteren Soldaten zu Fuss unterwegs ist und mühsam über die vereisten Stellen balanciert. Viele Betrachter scheinen sich nicht sicher zu sein, ob sie lachen oder Mitleid empfinden sollen. Gewiss ist nur: Diese Form des Militärtransports haben sie so noch nie gesehen.

 

Der 21-jährige Andreoli absolviert bereits seinen dritten WK in den Bündner Bergen. Auch in diesem Jahr ist er während des WEF für die Armee als Soldat Feldpost unterwegs. Und doch ist nun vieles anders. Auch ihm macht der teilweise massive Schneefall der letzten Woche zu schaffen. Die Unterkunft von Andreoli und seiner Einheit ist seit einigen Tagen nur noch zu Fuss erreichbar. Wer nicht unbedingt muss, verzichtet bei der Truppe deshalb auf den beschwerlichen Weg von der Anhöhe hinunter in den Ort. Doch dem Feldpostsoldaten bleibt keine andere Wahl, als einmal täglich loszuziehen, sich an den provisorisch im Schnee montierten Wandseilen entlang zu angeln und im Zickzack Richtung Tal zu wandern. «Weil die Briefe und Pakete nicht mehr bis zu unserer Unterkunft kommen, muss ich halt zur nächsten Poststelle gehen und diese dort abholen», erklärt Andreoli. Der Blick des Bündners verrät, dass ihm diese Zusatzarbeit nicht nur Freude macht. Unten in der Poststelle angekommen, wird auch klar, wieso: Ein Paket nach dem anderen wird Andreoli von der Postangestellten ausgehändigt. Der Soldat verstaut jedes einzelne mit stoischer Ruhe in seinem braunen Sack. Und als dieser gefüllt ist, wird auch noch eine Schlafsackhülle kurzerhand zum Post-Beutel umfunktioniert und die Zustellungen darin verstaut.

 

Bei den Truppen werden die Briefe und Pakete sehnlichst erwartet. Kein Wunder also, dass Andreoli gleich zwei Soldaten in Vollmontur als Bewachung zur Seite gestellt werden. Doch auch sie kommen während dieser Tage nicht drum herum, mitanzupacken. «Seit die Strasse zur Unterkunft wegen des Schnees gesperrt ist, gehört nicht nur die Post zu meinen Lieferungen. Als nächstes holen wir das Brot für den Zmorge beim Bäcker», sagt Andreoli. Insgesamt 20 Kilo Brot schleppt das Trio deshalb zusätzlich zur Post wieder zurück zum Stützpunkt. Mit den gefüllten Säcken auf den Rücken stapfen die Soldaten durch die Winterlandschaft. Sie sehen dabei aus wie Einbrecher aus einem Trickfilm, die gerade dicke Beute gemacht haben. Andreoli ist allerdings froh, wenn ihm die Tour demnächst wieder erspart bleibt. «Bis auf Weiteres wird kein Neuschnee mehr erwartet. Ab morgen sollten die Lieferungen deshalb wieder mit den Fahrzeugen bewältigt werden können.» Diese Prognose sorgt für deutlich mehr Freude im Gesicht des Feldpostsoldaten.