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Kämpfen mit Maus und Tastatur

Die Schweizer Armee wappnet sich gegen die Gefahren aus dem Netz. Damit sie ihren Gesamtauftrag für Land und Bevölkerung auch im World Wide Web erfüllen kann, verstärkt die Armee im Rahmen des Aktionsplans Cyber Defence des VBS die Cyberabwehr. Der Bundesrat hat am 30. Januar 2019 hierfür mit einer neuen Verordnung die Leitlinien konkretisiert und der Armee den Rücken gestärkt.

11.02.2019 | Nicole Anliker, Kommunikation Verteidigung

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Die Schweizer Armee hat ihre Bemühungen weiter intensiviert, ihre eigenen Infrastrukturen vor Gefahren aus dem Web abzuschirmen. Denn sie muss zu jeder Zeit, sei dies im Tagesgeschäft wie auch in einer Krisensituation, ihre eigenen Informations- und Kommunikationssysteme sowie -infrastrukturen vor Attacken aus dem Netz schützen können. Cybersicherheit ist in der ganzen Armee zu einem zentralen Aspekt geworden. Im Vordergrund steht der Schutz von Computern, Servern, elektronischen Systemen, Netzwerken und Daten, umfasst aber zusätzlich auch die Sicherheit von Informationstechnologien und elektronischen Informationen. Für diese komplexe Schutzaufgabe setzt die Armee Teile der Berufsorganisation der Führungsunterstützungsbasis FUB ein, die zusätzlich durch Milizangehörige der Armee unterstützt werden.

Seit in den letzten Jahren die Bedrohung durch Cyberattacken sukzessive zugenommen hat, ist das vormals bewährte Abwehrdispositiv mittlerweile an seine Grenzen gestossen. Neues Wissen ist gefordert. So wird insbesondere für die Bewältigung der heutigen Bedrohungslage bestens ausgebildetes Personal benötigt. Ein Cyberlehrgang deckt diese Forderung im Aktionsplan des VBS seit kurzem auch in der Grundausbildung der Milizangehörigen ab. In weniger als einem Jahr hat die Armee gemeinsam mit ihren Partnern diesen neuen Lehrgang für Rekruten konzipiert und auf die Beine gestellt. Aus 140 Interessierten sind letzten August 18 Rekruten zum ersten Lehrgang angetreten, nachdem sie in den ersten RS-Wochen eine entsprechende Selektion durchlaufen hatten. In Jassbach BE, in der Schule für Elektronische Kriegführung 64 (EKF S 64), werden auch in der laufenden Rekrutenschule wieder Spezialisten für die militärische Cyberabwehr ausgebildet. Für den nächsten Lehrgang, der am 25. Februar 2019 beginnt, haben 134 Rekruten die erste Selektion abgeschlossen. In diesen Tagen absolvieren nun 48 Rekruten das zweitägige Assessment. Nur die 20 besten werden schliesslich das hart erarbeitete Aufgebot in den Cyberlehrgang erhalten.

Harte Selektion

Gesucht sind junge Berufsleute wie Informatiker und Mediamatiker, Maturanden und Studenten mit Schwerpunkt in naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch alle Informatikaffinen mit sehr guten Cyberkenntnissen. Das Auswahlverfahren ist brandneu. Für die ersten Lehrgänge bis 2020 werden fachlich geeignete Kandidaten direkt aus den Rekrutenschulen ausgesucht. Sie müssen einen Onlinevortest und ein zweitägiges Assessment bestehen. Zudem werden alle Anwärter einer Personensicherheitsprüfung unterzogen.

Die Zulassung zum Cyberlehrgang erfordert insbesondere fachliche Eignung, überdurchschnittliche Motivation und Durchhaltewillen. Dafür werden die Rekruten automatisch befördert: Denn um die 800 Stunden Spezialausbildung abzuschliessen, bleiben die Lehrgangsteilnehmer statt 18 rund 40 Wochen am Stück im Dienst und erlangen den militärischen Grad eines Wachtmeisters.

«Es ist essentiell, die Rekruten im persönlichen Gespräch kennen zu lernen,» erklärt Divisionär Thomas Süssli, «weil das vermittelte Wissen nicht mutwillig falsch angewendet werden darf.» Süssli betont denn auch die Wichtigkeit der Persönlichkeit. Nebst einer soliden Ausbildung im ICT-Bereich spielen Teamfähigkeit und Vertraulichkeit eine grosse Rolle.

Bundesrat stärkt Eigenschutz der Armee

Von der Armee als strategische Reserve des Landes wird erwartet, dass sie bei einer schweren Krise ihren Unterstützungsbeitrag leistet. Damit sie auch über die notwendigen Instrumente für den entsprechenden Eigenschutz verfügt, hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 30. Januar 2019 mit einer neuen Verordnung die Organisation und die Zuständigkeiten für die Wahrung der militärischen Sicherheit im Cyberraum geregelt. Die Verordnung tritt am 1. März 2019 in Kraft und präzisiert die gesetzlichen Vorgaben, die im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Armee geschaffen wurden.

Für eine sichere Schweiz gilt auch im Cyberbereich das Motto: kämpfen, schützen, helfen – mit Maus und Tastatur.

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