Zurück zur Übersicht Mitteilungen / Berichte

Was Mann muss und Frau darf

Exklusiv für Frauen, mit Frauen in Uniform: Jedes Jahr bietet der Kanton Bern einen Orientierungstag an für alle jungen Militärdienst-Interessentinnen. Gut besucht und stark gelobt, ist es ein Tag voll von Informationen, Fragen und ersten Begegnungen mit Angehörigen der Armee.

29.10.2018 | Kommunikation Verteidigung

5551-hb
Hundeführerin Leonie Trees hat dieses Jahr ihre RS absolviert und ist nun Anwärterin für die Unteroffiziersschule.

Die anwesenden 107 Frauen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren aus dem gesamten Kantonsgebiet haben es schon bewiesen. Sie sind bereit, einen ausserordentlichen Einsatz zu leisten. Es ist Samstagmorgen um 08.30 Uhr in der Berner General-Guisan-Kaserne, trotzdem sind die Teilnehmerinnen hellwach und in guter Stimmung. Ihre Teilnahme am Frauen-Orientierungstag könnte der Anfang eines grösseren Engagements sein: nicht nur im Hinblick auf die geforderten körperlichen und psychischen Leistungen. Wenn eine Frau Militärdienst leistet, tut sie es freiwillig – und steht damit im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, die verpflichtet sind.

Ich habe mich schon lange auf den Anlass gefreut!

Teilnehmerin

Die Gründe, weshalb diese Frauen an den Orientierungstag kommen, sind persönlicher und beruflicher Natur. «Weil mein Vater bei der Luftwaffe war und mit Herzblut dabei», «Weil ich aus meinem Hobby mit Hunden mehr machen möchte», oder: «Ich möchte später zur Polizei», sowie: «Ich bin aus dem Gesundheitsbereich, der Rotkreuzdienst würde Sinn machen. » Auch lang gehegte Träume sollen erfüllt werden: «Ich wollte schon immer Militärpilotin werden. Nächstes Jahr absolviere ich die Sphair-Kurse.»

Ich bin gerne als Moderatorin dabei. Es wird immer normaler, dass auch Frauen Militärdienst leisten, und ich will die Teilnehmerinnen motivieren.

Hauptfeldweibel Iris Glauser, Moderatorin

Die jungen Moderatorinnen und Moderatoren, zum Teil selber Milizoffiziere, führen die Besucherinnen in Gruppen Schritt für Schritt durch die militärischen Etappen: Ablauf des Rekrutierungsprozesses, Truppengattungen, Dienstleistungsmodelle und Kaderausbildung. «Ein Kollege von mir findet das Durchdienermodell hervorragend; man kann dabei viel Geld auf die Seite legen», meint eine Teilnehmerin pragmatisch. «Es sollte ja nicht ums Geld gehen», relativiert der Moderator Philippe Schaffner. Der Dienst an einem Stück lässt bessere Planung von Ausbildung und Beruf zu. Ein Zwinkern kann er sich aber nicht verklemmen.

Wir wollen den Anlass kontinuierlich weiterentwickeln, möglicherweise als Abendveranstaltung anbieten oder zumindest als Amtstermin, damit die Frauen vom Arbeitgeber frei bekommen – wenn sie schon freiwillig hier sind.

Max Dällenbach, Kreiskommandant

Der sogenannte Marktplatz gibt im zweiten Block Gelegenheit, richtig auf Tuchfühlung zu gehen: Ein 20 Kilogramm schwerer Rucksack sowie ein Helm liegen zum Anprobieren bereit. Durch die Schutzmaske lässt sich erstmals gefilterte Luft schnuppern. Draussen gibt es den Stand «Sporttest / Rekrutierung live erleben» mit Medizinball-Weitwurf sowie Rumpfkrafttest. Der Kommandant vom Rekrutierungszentrum Sumiswald, Oberst im Generalstab Hans Schori, gibt Tipps zur körperlichen Vorbereitung und demonstriert auch gleich selbst die Liegestützen vor. Er wird gefragt, wie man Motorradfahrerin wird. «Wir haben 700er BMW Motorräder – Sie müssen 1m70 gross sein und den A-Fahrausweis haben. », so Schori. «Ja, alles erfüllt! », entgegnet die Teilnehmerin – die nächste Station ist also die Rekrutierung in Sumiswald, schwer zu sagen, wer von den beiden Gesprächspartnern zufriedener ist.

Ehrliche Aussagen – nicht schöngeredet!  

Schriftliches Feedback einer Teilnehmerin

Der Organisator, Hans-Rudolf Zysset, aus der Abteilung Militär vom Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons Bern hat diesen modularen Teil neu kreiert: «Es ist ein gut informiertes und teils sehr kritisches Publikum, das wir vor uns haben. Von allen ist eine deutliche Begeisterung spürbar», sagt der selber sehr motivierte Fachstellenleiter Rekrutierung. «Bekommt man Hilfe, wenn man im Militärdienst Mühe hat?» Die Moderatoren beruhigen, grosse Probleme gibt es selten, und wenn etwas ist, gibt es diese und jene Möglichkeiten. Drei weibliche Angehörige der Armee erzählen von ihrer Laufbahn und den persönlichen Erfahrungen, teils als einzige Frau mit 50 Männern. Alle sagen, der Dienst sei eine Bereicherung, für die Selbstkompetenz und das Selbstvertrauen – neben allen physischen und fachlichen Fähigkeiten, die man sich erwirbt. «Informieren Sie sich und bereiten Sie sich vor», rät Oberst im Generalstab Hans Schori. Und alle von euch, die zur Rekrutierung kommen, werden in Sumiswald bei mir rekrutiert! ». Der Stimmung im Saal nach zu schliessen, werden es viele der Anwesenden auch tun.

Schaffen Sie diesen Frauen-Orientierungstag auf keinen Fall ab. Er ist sehr gut, nötig und interessant. Auch die Erfahrungsberichte der Frauen sind super!!!

Schriftliches Feedback einer Teilnehmerin