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Der Weltraum ist auch für die Armee immer relevanter

Zu Boden, zu Luft und nun auch im Orbit: Die Schweizer Armee hat eine Gruppe von Spezialisten auf die Beine gestellt, die sich vertieft mit sicherheitsrelevanten Entwicklungen im Weltall auseinandersetzt. Damit reagiert sie auf technologische Veränderungen.

04.10.2018 | Kommunikation Verteidigung

Bernese_Alps
Bilder von Radaraufklärungssatelliten, wie hier durch Sentinel-1A, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Bild European Space Agency (ESA)

Der Weltraum lässt sich heute auf eine Art erschliessen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Seit Beginn des Raumzeitalters im Jahre 1957 wurden mehr als 8000 Satelliten zu wissenschaftlichen, sicherheitsbezogenen oder wirtschaftlichen Zwecken in den Weltraum gebracht. Heute wiederum sind von diesen noch ungefähr 4800 im Orbit, wovon zirka 2000 einsatzfähig sind. Und in den nächsten fünf Jahren soll sich diese letzte Zahl vervierfachen.

Traditionell musste man 20'000 bis 40'000 Dollar bezahlen, um ein Kilogramm Nutzlast ins All zu schiessen. Heute bieten private Firmen wie SpaceX dies für 4000 Dollar und wollen die Preise auf 200 bis 300 Dollar senken. Gleichzeitig sind die Satelliten immer kleiner und immer leichter, so dass ein moderner Aufklärungssatellit mit hoher Bildauflösung heute noch einige Millionen Dollar kostet – also 20 bis 40 Mal weniger als früher – wenn man nur die Investitionskosten betrachtet. Und die Leistung der Satelliten bei der Übermittlung steigt so stark, dass aus dem Weltraum jetzt die gleiche Bandbreite wie mit einem bodengestützten Glasfasernetz – 100 Mbps – verfügbar ist.

Somit ist es nicht nur kleineren Staaten, sondern auch privaten Akteuren möglich, Objekte ins Weltall zu befördern. Der Weltraum entwickelt sich als Schlüsselraum für Sicherheit und Wirtschaft, mit wesentlichen Chancen und Optimierungen, aber auch mit Gefahren und Risiken. Satelliten können miteinander kollidieren und eine unkontrollierbare Menge von Raumschrott produzieren; sie können auch aufgeklärt, gestört/geblendet und zerstört werden, mit kinetischen oder nicht kinetischen Aktionen insbesondere auf einer tiefen Erdumlaufbahn. Umgekehrt sind sie von bodengestützten Energiequellen völlig unabhängig und bieten somit Redundanz und Resilienz.

Alle diese technologischen Veränderungen führen dazu, dass sich auch die Armee mit dem Orbit beschäftigen muss. Deshalb wurde im Führungsstab der Armee – jetzt im Stab Kommando Operationen – am 1. Januar 2017 eine Zelle Weltraum gegründet, die zurzeit 14 spezialisierte Milizoffiziere umfasst.

Einerseits kann die Armee durch die immer zahlreicheren Bild- und Radaraufklärungssatelliten günstiger und schneller an Informationen gelangen oder durch die Telekommunikationssatelliten sichere und leistungsfähige Verbindungen erstellen. Andererseits können staatliche und nichtstaatliche Akteure militärische Anlagen und Tätigkeiten der Schweiz über das All einfacher und schneller ausspähen. Darum hat die Zelle Weltraum eine Applikation entwickelt, die präzis voraussagen kann, was für Satelliten mit welchen Fähigkeiten wann genau über der Schweiz sind.

Auch in der Aktionsplanung für militärische Operationen ist der Weltraum nun ein Thema. Im Rahmenwerk "LU 17" ist er zum ersten Mal in der Armee vollumfänglich abgedeckt. Dieses Dokument hat die Höhere Kaderausbildung erstellt und führte zum Operationsplan "KEVLAR DUE", der den Stäben und Lehrgängen für die Ausbildung dient. Gemäss diesen Planungen müssen beispielsweise bei einer Verteidigungsoperation die Mittel des Gegners im Weltraum berücksichtigt werden; zudem müssen Pläne entworfen werden, wie man sich vor ihnen schützt.

Die Armee ist nicht die einzige Organisation mit Interesse am Weltall. Sie arbeitet daher eng mit anderen Bundesstellen sowie mit zivilen Einrichtungen wie den Schweizer Hochschulen zusammen. Auch gibt es in der Schweiz mehrere Unternehmen, die sich schon heute international in der Weltraumindustrie einen Namen gemacht haben.