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Ausbildungstag bei der SWISSCOY/EUFOR LOT

Die einsatzbezogene Ausbildung des 39. SWISSCOY-Kontingents und der EUFOR LOT 29 hat Halbzeit erreicht. Mitte Oktober beginnt der Einsatz der frisch ausgebildeten Angehörigen der Armee im Kosovo oder in Bosnien-Herzegowina. Um für jede potenzielle Herausforderung gewappnet zu sein, durchlaufen die angehenden Friedensförderer, international Peacekeeper genannt, eine realitätsnahe und breitgefächerte Ausbildung.

27.09.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Schiessausbildung in der Kurzdistanzbox: Die Teilnehmenden müssen schnell und situationsgerecht handeln.

In einem Hangar auf dem Flugplatz Buochs sind Fahrzeuge parkiert, Puppen ausgelegt und Kursunterlagen bereit: Ein Detachement angehender Peacekeeper absolviert hier die Sanitätsausbildung. Neben einem Theorieteil sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch physisch gefordert. Bei der Reanimationsausbildung ist langer Atem und taktvolles Drücken gefragt, danach braucht es die Kraft des ganzen Körpers, um Verwundete aus dem Fahrzeug zu bergen, ohne deren möglicherweise verletzte Halswirbelsäule weiter zu schädigen. Die Detachemente werden teils von militärischen, teils von zivilen Fachkräften geleitet, um von den Erfahrungen aus beiden Einsatzbereichen profitieren zu können.

Auf der anderen Seite der Landepiste durchdringen Pistolen- und Sturmgewehrpatronen die Übungsscheiben in der Kurzdistanzbox. In kleinen Gruppen, aufgeteilt nach Ordonnanzwaffe, wird hier mittels unterschiedlicher Szenarien die Reaktion auf Gefahrensituationen geübt. Nach der durch den Schiessleiter vorgetragenen Schilderung müssen die Schützen situativ entscheiden, wie sie die Notwehr- oder Notwehrhilfesituation lösen. In der Gruppe werden anschliessend die Lösungsansätze diskutiert und Verbesserungen angebracht, die es im nächsten Durchgang umzusetzen gilt.

Am Nachmittag hält Giuseppe Lodico eine Theorie zum Thema «Feuerprävention». Wie alle anderen Ausbildner hat auch Lodico im Einsatzgebiet bereits Dienst geleistet. Der Oberleutnant der Feuerwehr führt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die verschiedenen Brandquellen, Bekämpfungsmittel und Sicherheitsvorkehrungen, bevor sie draussen an verschiedenen Stationen Praxiserfahrungen sammeln können.

Major im Generalstab Fabrice Dubosson, Leiter des Ausbildungskurses SWISSCOY/LOT, beschreibt die aktuelle Lage im Kosovo als vergleichsweise ruhig, warnt jedoch: «Wir dürfen uns durch die aktuelle Situation nicht täuschen lassen. Die Lage kann jederzeit ändern und wir müssen die Kursteilnehmenden deshalb für sämtliche Bedrohungsstufen ausbilden.»

Das Einüben und praktische Anwenden der Rules of Engagement im Übungsdorf führt zu entsprechenden Stresssituationen mit Handlungszwang. Ein Zug der Infanterie Durchdienerschule 14 wird als Statisten in Zivilkleidung herbeigezogen, welche das Szenario einer Demonstration in drei verschiedenen Eskalationsstufen simulieren. Von Plakaten über geschriene Proteste bis hin zu geworfenen Steinen und gezückten Pistolen werden die Ausbildungsteilnehmer und -teilnehmerinnen in ihren Fahrzeugen mit immer heftigerem Widerstand konfrontiert.

In Stans-Oberdorf, wo das Kompetenzzentrum SWISSINT angesiedelt ist, wird grosser Wert auf die realitätsnahe Ausbildung gelegt. Dies wird auch bei der Begehung des Camps klar: Das modular aufgebaute Lager mit seinen weissen Containern entspricht den Bedingungen im Einsatzgebiet. Hier gewöhnen sich die zukünftigen Peacekeeper an das Leben auf engem Raum ohne viel Luxus. Gleich vor dem Ausgang befindet sich eine Infotafel zu verschiedenen Minentypen – eine unverkennbare Verbildlichung der Lage, welche die Notwendigkeit der Ausbildungsinhalte unterstreicht. Am Ende des Ausbildungstages kann festgehalten werden, dass sich die Angehörigen des nächsten SWISSCOY-Kontingents und der EUFOR LOT auf dem besten Weg zu einem erfolgreichen Friedensförderungs-Einsatz befindet.