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DAKOTA C-53: Ein neues Kapitel in einer alten Geschichte

2,4 Tonnen Material sind diese Woche auf dem Gauligletscher (BE) geborgen worden: ein kleiner Teil des Wracks eines 1946 abgestürzten US-Militärflugzeuges. Der Hitzesommer 2018 brachte das Eis zum Schmelzen und die Wrackteile zum Vorschein. In Zukunft dürften weitere Teile der Dakota C-53 freigelegt werden. Die Geschichte ist in der Region mit vielen Emotionen verbunden.

20.09.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Im langen und heissen Sommer 2018 schmolz das Eis des Gauligletschers oberhalb von Meiringen (BE) nur so dahin. Eine Folge: Teile eines abgestürzten US-Flugzeuges kamen an die Oberfläche. Die Douglas C-53 Dakota war am 19. November 1946 in den Schweizer Alpen bruchgelandet. Die zwölf Insassen überlebten und wurden fünf Tage später von einer Rettungskolonne und Piloten der Schweizer Luftwaffe gerettet. Die positive Nachricht ging um die Welt (siehe Infobox).

"MAYDAY MAYDAY- Position unbekannt, Höhe 3350m üM, im Tiefschnee und Nebel"

Eine Dakota C-53 (die Militärversion der Douglas DC-3) der US-Luftwaffe vollzog kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Flug von Wien über München nach Marseille eine Bruchlandung in den Berner Alpen, auf dem Gauligletscher auf 3350 Meter Höhe. An Bord waren unter anderem hochrangige US-Offiziere und ihre Familien, insgesamt zwölf Personen. Einige Passagiere wurden verletzt.

Die Besatzung setzte Notrufe ab, doch sie gab einen falschen Absturzort an. Eine gross angelegte Suchaktion verlief deshalb zuerst erfolglos. Der Kommandant des Militärflugplatzes Meiringen (BE) realisierte derweil aufgrund der Qualität der empfangenen Notrufe, dass die Maschine in der Nähe sein musste. Nach vier Tage wurde das Wrack aus der Luft entdeckt. US-Gebirgsjäger mit schweren Fahrzeugen wurden für eine Rettungsaktion in die Schweiz gebracht, die mangels Erfolgschancen gestoppt wurde. Die Verunglückten wurden aus der Luft mit Hilfspaketen versorgt. Eine kleine Schweizer Rettungsequipe erreichte die Gruppe auf dem Gletscher. Dann konnten zwei Piloten der Schweizer Luftwaffe in mit Kufen ausgerüsteten Kleinflugzeugen auf dem Gletscher landen und wieder abheben. Mit neun Flügen brachten sie die Gestrandeten herunter ins Tal.

Insgesamt fünf Tage nach der Bruchlandung endete die erste Rettungsaktion im Hochgebirge aus der Luft. Die erfolgreiche Aktion verbesserte die damals sehr schlechten Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA tiefgreifend. Das Vorgehen der Piloten stand auch der Gründung der Rega sechs Jahre später Pate.
 

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Fritz Teuscher, Chef Gebirgsdetachement der Luftwaffe

Diese Woche, rund 72 Jahre später, hat das Gebirgsdetachement der Luftwaffe in Meiringen einen Spezialauftrag erhalten: Überreste des Flugzeuges der US-Luftwaffe, die dieses unterdessen der Schweizerischen Eidgenossenschaft geschenkt hatte, zu bergen. Fritz Teuscher, Chef des beauftragten Gebirgsdetachements, räumt ein, dass mit dem Einsatz neben den technischen Aspekten durchaus auch eine emotionale Seite verbunden war. «Während der Aktion haben wir uns auf die Bergung und die Reinigung konzentriert. Doch dann kamen die Gefühle hoch.» Die über 70 Jahre alte Geschichte ist in der Region unterhalb des Gletschers, in Meiringen und Innertkirchen, in der Erinnerung der Bewohner noch sehr präsent.

Die Spezialisten sind stolz, dass sie dazu beitragen konnten, dieser langen Geschichte ein weiteres Kapitel anzuhängen, dasjenige der Bergung. Und Teuscher ist sichtlich bewegt, als er den aufgetauchten Motor der Dakota anschaut: «Der Zustand dieses Motors ist hervorragend. Viel bräuchte es nicht, um ihn wieder in Gang zu bringen.» Der Vorsteher des Departementes VBS, Bundesrat Guy Parmelin, hat den Einsatz angeordnet. Er verfolgt zwei Ziele: die Bergung der aufgetauchten Wrackteile sowie aus Umweltschutzgründen die Säuberung des verschmutzen Eises.
Voraussichtlich war dieser Einsatz nicht der letzte. 2012 waren erste Teile des Flugzeuges aufgetaucht, unter anderem ein Propeller. Danach konnten immer wieder kleinere Stücke gefunden werden, so auch Behälter mit Notrationen, welche die Verunglückten nach der Rettungsaktion zurückgelassen hatten. Und dieses Jahr kamen nun einer der beiden Motoren des Flugzeuges und Flügelteile zum Vorschein. Fritz Teuscher sagt, er würde sich freuen, wenn er vor seiner Pensionierung noch an der Bergung grösserer Teile mithelfen dürfte. Er denke an die Flugzeugkabine, die noch irgendwo komplett im Eis verschollen ist. Gut möglich, dass sein Wunsch eines Tages erfüllt wird.

Vorderhand sind die Bergungsarbeiten beendet. Ein Super Puma hat mit vier Flügen insgesamt rund 2,4 Tonnen Material ins Tal geflogen. Die Teile werden in einem Hangar in Meiringen aufbewahrt. Es ist geplant, dass Spezialisten im Winter mit der Analyse und der Sortierung des Materials beginnen, und damit die Grundlage für eine mögliche Rekonstruktion der alten C-53 Dakota legen. Dies wäre ein weiteres Kapitel der beeindruckenden Geschichte der Dakota C-53, deren Bruchlandung auf dem Gauligletscher die Geburtsstunde der fliegerischen Gebirgsrettung war und der Schweizer Armee weltweit grosse Beachtung und Anerkennung brachte.