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Ein Landeplatz aus dem Nichts

Auf der einen Seite des Stacheldrahtes spazieren die neugierigen Passanten vorbei, auf der anderen landen die Staatsmänner aus aller Welt mit ihren Helikoptern. Wie über Nacht ist mitten in einer öffentlichen Parkanlage ein Helikopterlandeplatz mit allen dazugehörigen Einrichtungen entstanden. So rasch wie er entstanden ist, so zügig wird er mit dem Ende des WEF auch wieder verschwinden.

26.01.2018 | jp

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(pp)

 

Es dämmert bereits als wir in eine langgezogene Allee einbiegen. Vor wenigen Tagen war hier alles um uns herum ein öffentliches Naherholungsgebiet. Heute ist kaum ein Fleck mehr wiederzuerkennen. Zu unserer Linken im Schnee riegeln nun zwischen den Bäumen mannshohe Zäune mit Stacheldraht eine enorme Fläche ab. Dahinter ist in der Ferne ein grosser, schwarzer Helikopter zu erkennen. Auf der rechten Seite flanieren Familien mit ihren Hunden an der Leine auf den Strassen durch weite weisse Flächen. Wir parkieren das Auto, ziehen unsere Splitterschutzwesten an und nehmen – in weiser Voraussicht – den Pamir mit.

 

Die Einfahrt zum Gebiet liegt in einer Lücke zwischen den hoch aufragenden Bäumen. Für die Zutrittskontrolle sind mehrere Container aufgestellt. Eltern mit ihren Kindern spazieren wenige Meter an der Wache vor der Schranke vorbei, bleiben stehen und bestaunen die Helikopter. Jemand nimmt seinen kleinen Sohn auf die Schulter und erklärt ihm etwas. Dann kommt Bewegung auf. Einer der Soldaten stellt sich in die Mitte der Strasse und winkt heranrollenden, dunklen Fahrzeugen. Ein Konvoi kommt vor der Wache zum Stillstand. Es dauert nicht lange und die Autos werden durchgewunken und fahren ins Gelände vor.

 

Es wird wieder ruhig und wir treten an die bewaffneten Soldaten heran. Wir werden in einen der Container geführt, als von weitem Rotorengeräusche immer näherkommen.  Schnee wirbelt durch die Luft und einer der Soldaten schliesst eiligst die Tür zum Container. Man spürt den Boden vibrieren unter dem dumpfen Grollen eines Helikopters. Dann dürfen auch wir dem Weg, den der Konvoi vor uns genommen hat, abmarschieren. Schliesslich klopfen wir bei einer grossen, Hangar-ähnlichen Halle an die Tür. Mehrere Feuerwehrmänner empfangen uns freundlich und mit einer wärmenden Tasse Kaffee.

 

Schon nach wenigen Sätzen stellt sich heraus: Bei den Feuerwehrmännern handelt es sich um Angehörige der Armee. «Wir sind Fliegersoldaten im Unfall-Pikettdienst», erklärt Soldat Stefan Pajovic und zeigt auf die unterschiedlichen Darstellungen, welche an der Container-Wand aufgehängt sind. Sie markieren die Gefahrenzonen und Sicherheitsabstände um die Helikopter. «Wir sind da, wenn etwas schief läuft. Oder während dem sogenannten Hot-Refuelling», führt Soldat Pajovic weiter aus. Man spreche vom Hot-Refuelling, wenn der Motor des Helikopters während des Betankens noch läuft bzw. noch heiss ist. So könne der Helikopter schnell wieder wegfliegen. Da man mit hochentzündlichem Treibstoff arbeite, würde das Unfall-Pikett (UP) aus Sicherheitsgründen mit ihrem Löschfahrzeug stets danebenstehen.

 

Als uns Soldat Pajovic auf die andere Seite der Halle führt, kommt uns plötzlich ein kleines Gefährt entgegengeschossen. Es erinnert an einen Golfkart. Das Gefährt kommt vor dem Helikopter zum Stehen und wirkt gegen die rund 15 Meter lange Maschine direkt winzig. «Damit ziehen sie die Helis in die Halle», erklärt Pajovic seinen ungläubigen Begleitern. Dort steht neben einem Tanklastwagen ihr rotes Einsatzfahrzeug.

 

Dann führt Pajovic das Einsatzfahrzeug seines Teams vor. An den Seiten öffnet er einen Rollladen nach dem anderen und erläutert, was sie an Ausrüstung dabei haben. Im Notfall muss alles an seinem Platz sein und jeder Handgriff sitzen. Imposant wirken aber vor allem die Wasserkanone an der Front auf dem Dach und die ausfahrbare Beleuchtung mit vier Flutlichtern am Heck. Für einen regulären Landeplatz scheinen nur noch das Terminal und die Gateways zu fehlen. «Das hat schon was», schmunzelt Pajovic. «Das hier ist ja nach dem Landeplatz in Davos die Nummer Zwei, welcher während des WEF regelmässig angeflogen wird, sollte dort oben das Wetter nicht mitspielen.» Auf dem Flugfeld werden mittlerweile bereits die Generatoren für die Beleuchtung angeworfen.

 

Dann kommt ein Kamerad von Pajovic angerannt: «Ihr solltet wieder in den Container zurück. Jetzt wird es bald ein wenig voll hier.» Es komme ein Helikopter, der gleich weiter müsse um die zweite Hälfte einer ausländischen Delegation zu holen. Das bedeutet es gibt einen Hot-Refuel. Die ganze Belegschaft wird hierfür auf dem Platz im Einsatz sein. Wir wollen bei diesem anspruchsvollen Manöver nicht unnötig im Weg stehen und verlassen darum den temporären Heli-Landeplatz noch bevor das nächste Grollen aus der Ferne aufzieht.