print preview Zurück zur Übersicht Militärische Friedensförderung

«Wir flicken alles, was brummt»

Die Instandhaltungsgruppe der SWISSCOY ist für die Funktionstüchtigkeit von rund 250 Gerätschaften, darunter auch allen Fahrzeugen, zuständig. Im Einsatzland Kosovo sind die zehn Mechaniker bei Reparaturen auf sich alleine gestellt. Deshalb können sie ihr Fachwissen und Know-How im militärischen Einsatz umso mehr anwenden und erweitern.

14.09.2021 | Fachoffizier Michelle Steinemann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 44

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In der Werkstatthalle sorgt das Instandhaltungsteam dafür, dass die unterschiedlichsten Fahrzeuge der SWISSCOY einsatzbereit sind.


Fleissig arbeiten vier Mechaniker an verschiedenen Fahrzeugen. In der grossen Werkstatthalle ist es zu Sommerbeginn bereits warm, aber noch nicht so drückend, wie es im Hochsommer werden wird. Es stehen zwei Geländefahrzeuge und ein Lastwagen in der Halle, im Hintergrund läuft das Radio mit Popmusik. Eine Momentaufnahme, wie man sie aus einer Autogarage kennt. Man würde annehmen, man befinde sich in der Schweiz, wären die Fahrzeuge nicht prominent mit «KFOR» beschriftet und trügen die Männer nicht eine Uniform der Schweizer Armee.

An einem der zwei Geländewagen ist Soldat Pascal Hauser gerade daran, das Stossdämpferlager zu ersetzen. Der gelernte Automechaniker ist mit dem 44. SWISSCOY-Kontingent im April in den Kosovo geflogen. Er leistet seinen ersten militärischen Einsatz zu Gunsten der Friedensförderung. In den kommenden sechs Monaten wird er die Fahrzeuge des Kontingents sowie Aggregate und Heizungen wieder in Stand stellen. Seine Motivation, sich für einen Auslandeinsatz zu melden, begründet er: «Ich wollte etwas Neues machen und in einem anderen Umfeld arbeiten. » Ähnlich tönt es von Soldat Josef Reichlin, der erklärt, dass er positive Erinnerungen über Land und Leute sowie neue Berufserfahrung sammeln wolle. «Weil wir nicht normale Personenwagen, sondern insbesondere Geländefahrzeuge reparieren und nur mit den vorhandenen Werkzeugen arbeiten können, lerne ich einige neue Dinge dazu. »

Defekte Teile, die in der Schweiz einfach ersetzt würden, werden im Einsatzraum wenn möglich repariert. Das führt dazu, dass man hier lösungsorientiert arbeiten muss und noch ein wenig mehr ’Mechaniker’ im engeren Sinn sein kann als in der Schweiz.

 

Feldweibel Marek Schär ist Vorgesetzter der Instandhaltungsgruppe sowie Werkstattchef. Welche Arbeiten in ihren Aufgabenbereich gehören, hat er schnell zusammengefasst: «Alles, was einen Motor hat und kaputtgeht, muss danach wieder funktionieren. » Eine typische Arbeit sei das Beheben von Fahrwerksschäden, weil die Strassenzustände im Kosovo schlechter seien als in der Schweiz oder auch die Revision der Antriebe. Das töne zwar simpel, sei es aber nicht, weil man im Einsatz auf sich selber gestellt sei, wie er erklärt. Dieser Umstand habe einen grossen Vorteil: «Defekte Teile, die in der Schweiz einfach ersetzt würden, werden im Einsatzraum wenn möglich repariert. Das führt dazu, dass man hier lösungsorientiert arbeiten muss und noch ein wenig mehr ’Mechaniker’ im engeren Sinn sein kann als in der Schweiz.» Für Feldweibel Schär ist es nicht der erste Einsatz, weshalb er bei den Angehörigen der Instandhaltung jeweils eine Entwicklung beobachten konnte: «Die Leute kehren selbstständiger aus dem Einsatz nach Hause zurück, als sie zu Beginn gekommen sind. »

Nebst den anstehenden Reparaturen werden alle Fahrzeuge periodischen Prüfungen unterzogen. Dazu gehört die Wiedererstellung der Einsatzbereitschaft des Materials im Friedensförderungsdienst (WEMF). Diese wird bei jedem Kontingentswechsel vollzogen und zwar mit allem Material, nicht nur Fahrzeugen. Die daraus entstandenen Arbeiten, die an den Einsatzmitteln getätigt werden müssen, wurden terminiert und müssen bis Mitte der Einsatzdauer erledigt sein. Ausserdem werden die Fahrzeuge regelmässig gewartet und dann einer Kontrolle unterzogen, die der Motorfahrzeugkontrolle bei Privatfahrzeugen gleichzusetzen ist. Dafür fahren die uniformierten Mechaniker direkt an die einzelnen Standorte der SWISSCOY, was ihnen die Möglichkeit bietet, die insgesamt zehn unterschiedlichen Einsatzorte der SWISSCOY im Kosovo kennenzulernen.

Im Rahmen des friedensfördernden Einsatzes habe ich die Möglichkeit, meinen gelernten Beruf mit dem Militär ideal zu verbinden. 

 

Interessant ist ferner der internationale Austausch mit den Angehörigen anderer Streitkräfte. Auch wenn die Schweiz keine Reparaturen an ausländischen Fahrzeugen vornimmt, hilft man sich gegenseitig beispielsweise mit der Ausleihe von Werkzeugen weiter und kommt so ins Gespräch mit Soldaten anderer Nationen. Soldat Pascal Hauser gefällt die Kombination aus Militärdienst und Mechaniker: «Im Rahmen des friedensfördernden Einsatzes habe ich die Möglichkeit, meinen gelernten Beruf mit dem Militär ideal zu verbinden. »

Weitere spannende Berichte aus der Welt der Friedensförderung im Swiss Peace Supporter Magazin 2/21