Alltag mit Splitterschutzweste
Während der infanteristischen Grundausbildung werden die Bewachung von Objekten, Patrouillentätigkeit, Fahrzeug- und Personenkontrollen oder das Betreiben von Checkpoints vermittelt. Die Rekruten lernen, wie eine Einrichtung zu bewachen ist, wie sie systematisch ein Fahrzeug nach gefährlichen Objekten durchsuchen müssen, ohne sich selber in Gefahr zu bringen, wie man eine Person abtastet, um festzustellen, ob sie Waffen mitführt, wie eine Person festgenommen wird oder in welchem Moment sie die Schusswaffe einsetzen müssen. Während den RS-Wochen 8 und 9 finden die Spezialistenausbildungen statt: Ein Flugplatzsoldat Sicherung wird zum Beispiel – unter anderem – auf dem Aufklärungsfahrzeug und am Maschinengewehr ausgebildet; ein Infanterie Sicherungssoldat arbeitet mit dem Radschützenpanzer.
Körperlich anspruchsvoll
Zwei Frauen absolvieren die Inf RS 13-1/09: Inari Gerber, zukünftiger Infanterie Sicherungssoldat, und Sophia Gerig, zukünftiger Flugplatzsoldat Sicherung. Rekrut (Rekr) Gerig befindet sich bei unserem Besuch gerade auf dem Schiessplatz – wie fast jeden Tag. Die Ausbildung findet nämlich vorwiegend draussen auf verschiedenen Schiess- und Ausbildungsplätzen statt.
Als erstes fällt die Ausrüstung der Rekruten auf: Alle tragen Splitterschutzwesten. In der sechsten RS-Woche wird sie allerdings noch ohne eingesetzte Schutzplatten getragen, „damit man sich an das Tragen gewöhnt“, wie Rekr Gerig erklärt. Die Splitterschutzweste wiegt ohne Schutzplatten immerhin 4.6 kg, mit Schutzplatten 10.6 kg. Die Rekruten bauen zudem ihre allgemeine körperliche Fitness auf – einerseits mit Sportlektionen, andererseits mit den Verschiebungen zu den Ausbildungsplätzen, die sie grundsätzlich zu Fuss absolvieren. Natürlich tragen sie dabei die Ausrüstung für den ganzen Tag mit sich, inklusive Sturmgewehr – bis zu 34 kg können das sein. Während dem ersten Teil der RS stehen ein 15- und ein 25-Kilometer-Marsch auf dem Programm, später (in der Verbandsausbildung) auch ein 40-Kilometer-Marsch.
Schiessausbildung, Fahrzeugkontrolle, Personendurchsuchung
Ein Sicherungssoldat wird auch an der Pistole ausgebildet und lernt den Umgang mit dem Reizstoff-Sprühgerät. Je nach weiterer Spezialausbildung muss er auch ein Maschinengewehr bedienen können oder lernt das Werfen von Handgranaten. Zusätzlich benutzen Sicherungssoldaten zum Beispiel Funkgeräte oder Wärmebildgeräte und Restlichtverstärker, um in der Nacht beobachten zu können. Wer Fahrer werden will, muss einen privaten Führerausweis haben und den militärischen Eignungstest bestehen.
"Sich als Frau durchsetzen"
Rekr Gerig hat die für sie passende Funktion gewählt: Sie möchte später zur Polizei. Ihr macht auch die körperliche Beanspruchung und der Umgang mit den verschiedenen Waffen sichtlich Spass. Mit den Männern komme sie gut zurecht. Sie müsse sich aber durchsetzen, zum Beispiel wenn sie Gruppenführer sei: „Da gibt es schon Männer, die sich dagegen sträuben, auf die Anweisungen einer Frau zu hören“, erzählt sie.
Was muss denn eine Frau mitbringen, die Sicherungssoldat werden möchte? „Sie sollte sich körperlich gut vorbereiten, damit ihr das Tragen von Gepäck und das Marschieren keine Probleme bereitet", sagt Rekr Gerig. "Ausserdem darf sie nicht zimperlich sein – man liegt öfter auch mal im Dreck. Und sie muss damit rechnen, dass unter den Männern in der Inf RS der Umgangston etwas rauer ist."
Die Anforderungen
Für die Funktion des Flugplatzsoldaten Sicherung und des Infanterie Sicherungssoldaten muss an der Rekrutierung beim Sporttest eine gute sportliche Leistung erbracht werden. Zudem darf man aufgrund der Platzverhältnisse in den Einsatzfahrzeugen (Radschützenpanzer, Eagle) nicht über 1.90 m gross sein, muss fähig sein, weit zu marschieren, Lasten zu heben und viel zu stehen. Ein Sicherungssoldat kann seinen Dienst auch als Durchdiener leisten (300 Tage am Stück, keine Wiederholungskurse).




