Seite drucken | Fenster schliessen
Schweizer Armee

Der 1. Schritt zum Auslandeinsatz: Die Rekrutierung

Lt Michèle Dellsperger

 

Logo SWISSINT (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Es gibt viele Informationen in den Medien und im Internet über die Auslandeinsätze. Doch es bleiben oft die Frage offen. "Bin ich überhaupt dafür geeignet?" Der Chef Personelles im Kompetenzzentrum SWISSINT, Major Johann Streit, hat sich den Fragen von Leutnant Michèle Dellsperger betreffend eines Einsatzes zu Gunsten der SWISSCOY gestellt.

 

Wie bekommt man die Leute, die in den Einsatz gehen wollen?
Maj Streit: Zunächst werden die so genannten "Pool-Mitglieder" angeschrieben, das sind Personen, die bereits an einer Rekrutierung teilgenommen haben, aber nicht berücksichtigt werden konnten, oder auch solche, die bereits einmal im Einsatz waren. Dann werden auch Neuinteressenten mit Inseraten angeworben.
Gesucht werden Männer und Frauen aus möglichst allen Landesteilen der Schweiz, vor allem auch Kader. Kriterien sind die schweizerische Staatsbürgerschaft, militärische Grundausbildung und eine berufliche Ausbildung.

Wie wird die Rekrutierung der künftigen SWISSCOY-Angehörigen durchgeführt?
Es gibt einen Englischtest, einen Fahrertest (allg. Abklärung für evtl. weitere Fahrausbildungen), eine medizinische Beurteilung der Einsatzfähigkeit (körperlich, psychisch und vom familiären Umfeld her), eine persönliche Beurteilung der beruflichen und militärischen Vorbildung, eine Gehaltsofferte nach Funktion und Alter sowie diverse Vorträge zur Situation vor Ort, zur Vorgeschichte und zu Versicherungsfragen.

Braucht es Frauen im Auslandeinsatz und gibt es Schwierigkeiten für sie?
Im internationalen, humanitären Bereich gehören Frauen einfach dazu! Nachteilig für Frauen sind gewisse soziale Interaktionen: zwischengeschlechtliche Spannungen, Eifersüchteleien etc. Solche Vorfälle sind nicht einfach zu regeln, da die gesetzliche Grundlage leider fehlt. Auch sind die sanitären Anlagen nicht optimal angepasst. Dies ist besonders ausserhalb des Camps der Fall, z. B. bei auftragsbedingten externen Übernachtungen. Des Weiteren kann der Kontakt zu den Einheimischen etwas problematisch werden, wenn sie Mühe haben, eine Frau als Kontaktperson zu akzeptieren.

Welchen Frauen- und Männertyp braucht die SWISSCOY?
Im Prinzip einen physisch und psychisch robusten Typ Mensch mit Lebenserfahrung, mit fundierten militärischen und beruflichen Kenntnissen, stabil und gesund, mit Gerechtigkeitssinn und interkulturellem Verständnis sowie gesundem Menschenverstand. Wir machen keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern, auch eine Quote gibt es in diesem Sinne nicht!
Gefragt sind Frauen insbesondere im medizinischen und im administrativen Bereich. Aber es fehlen auch weibliche Militärpolizisten für Personenkontrollen und weibliche Infanteristen. Frauen werden zudem in der Führungsunterstützung und in der Übermittlung eingesetzt.

Welche Feedbacks bekommen Sie von Frauen nach ihrem Auslandeinsatz?
Viele positive Aussagen, dass sie etwas Ausserordentliches getan haben, sich selber von einer anderen Seite kennen gelernt haben, eine zusätzliche Erfahrung gewonnen haben und Kameradschaft erlebt haben.

Was raten Sie Frauen, wenn sie sich für einen Auslandeinsatz interessieren?
Interessentinnen sollen sich melden! Sie sollen objektiv bleiben und den gesunden Menschenverstand mitnehmen. Es soll vor allem die Sache im Vordergrund bleiben und nicht der Eigennutz überwiegen.

Wie kommen denn unsere Frauen bei den anderen Nationen an? Und bei der einheimischen Bevölkerung?
Andere Nationen haben ein sehr gutes Bild von unseren Frauen. Sie kommen sehr gut an, werden als gut ausgebildet, kompetent, fachlich stark angesehen. Die einheimische Bevölkerung schätzt es, dass Männer und Frauen zusammen eine Dienstleistung machen. Für die Schweiz ist es ein Vorzeigemodell, ein Zeichen dafür, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind.

Major Streit, vielen Dank für das Gespräch.

 

Logo KFOR (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Für Fragen zu dieser Seite: Kommunikation Verteidigung
Zuletzt aktualisiert am: 07.01.2010
Seite drucken | Fenster schliessen