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Schweizer Armee

ZS - ECHO-Bericht aus dem SLG I-4, Modul 1

18.11.2011

Lehrgangsbericht vom: 07.11. – 18.11.2011

Einrücken im AAL
10.30 Lehrgang daher. Fast hundert Paar Kampfstiefel klacken auf dem Linoleumboden des Theoriesaals. Die angehenden Stabsoffiziere und -unteroffiziere blicken nach vorn, zum Kommandanten, der mit Verve durch die Ziele des Lehrgangs führt. Sie beugen sich über den Eintrittstest, der das Grundwissen der zukünftigen Führungsgehilfen prüft: Führungsprozesse, Signaturen, und neu für viele: Zusammensetzung und Hauptmittel eines Infanteriebataillons. Denn dieses ist ein Grundelement der Kernkompetenz der Armee, der Landesverteidigung. Und es ist das Turngerät der schon am ersten Abend beginnenden ersten Übung: „WIGGER“.

Feuer und Bewegung
„Verhindert die Inbesitznahme der A2 zwischen Härkingen und Sursee“. Diesen Auftrag fasst das verstärkte Infanteriebataillon unter der Führung der angehenden Stabsmitarbeiter. Nicht einfach, wenn viele von ihnen von der Stabsarbeit oder vom Kampf der verbundenen Waffen noch wenig verstehen. Zum Glück leiten erfahrene Kommandanten die sechs Gruppen, die als Bataillonsstäbe die geübte Verteidigungsoperation planen sollen, routiniert durch die vielen Schritte des Aktionsplanungsprozesses. Bis spätabends folgt Rapport auf Rapport, füllen sich die Planungswände mit farbigen Lagebeurteilungen, Möglichkeiten, Varianten, Vorteilen, Nachteilen, Konsequenzen, Pendenzen, Entschlüssen. Und innert Stunden, unbemerkt, wird die zusammengewürfelte Schar zum Team, zum Stab, dessen Spezialisten sich aufeinander verlassen.
Donnerstags wird der Einsatzraum erkundet. Leise rollen unauffällige Wagen mit Stabspersonal durch das schlummernde Safenwil. Keiner der Spaziergänger, die die im Halbkreis am Strassenrand stehenden Soldaten bemerken, ahnt, dass ihre Häuser auf den Karten der Offiziere zu Panzergrenadierstellungen werden, ihre gartenzwerggeschmückten Vorgärten zu Feuerkanälen, ihre frisch gewaschenen Allradfahrzeuge zu ausgebrannten Panzerhindernissen.
Doch der dichte Nebel, der an diesem Morgen den Aargau wie ein Leichentuch bedeckt, verhüllt die Täler, durch die die rote Brigade nach Westen rollen wird. Die Wolkenschwaden entziehen den Raum dem Adlerblick des Taktikers, und lassen die Planung von Feuer und Bewegung, von Minenfeldern und Stacheldraht, noch gespenstischer erscheinen. Fröstelnd und laubumweht steht der Stab also auf der Krete, ohne etwas zu sehen.
Sobald die Vorstellungskraft der Planer das Weiss der Karte und des Nebels mit Bildern flammender Zerstörung füllt, wirft sie Fragen auf: Wie kann die stärkste Waffe des Bataillons, die weitreichende Kanone der Kampfpanzer, bei einer Sichtweite von unter hundert Metern eingesetzt werden? Wohin ziehen sich die „Leoparde“ nach den ersten Schusswechseln zurück? Können tonnenschwere Kampfschützenpanzer über diese enge Nebenstrasse, in diesem rutschigen Hang ins Gefecht gebracht werden?
Zurück im Theoriesaal fliessen Dutzende von Planänderungen und neuen Konsequenzen in den Entschluss ein, werden Pläne neu gezeichnet. Nun nehmen die Konzepte Gestalt an, entsteht der Einsatzbefehl. Eine Plakatwand nach der anderen erhält das Placet des Kommandanten. Und nur zwischen den Zeilen wird deutlich, was jeder Federstrich des Planers, jedes Wort im Befehl für die über tausend Menschen bedeutet, die im Ernstfall die Stellungen beziehen würden: den Unterschied zwischen Sicherheit und Leiden, zwischen Leben und Tod.

„AQUA“
Und schon ging’s in die nächste Übung – sie betraf schwere Unwetter in der Zentralschweiz. Diesmal ein reelles und jederzeit einkehrendes Szenario: Spontanhilfe für die Unterstützung der Zivilbehörden. Die 2. Woche startete mit der Einführung MIKA (Management-, Information- und Kommunikationsausbildung der Armee). In den nächsten beiden Tagen hatte jeder Lehrgangsteilnehmer neben den Arbeiten für die Stabsübungen „AQUA“ und „CRISTALLO“ die Gelegenheit, zweimal eine halbe Stunde einen Fernsehauftritt zu üben.
Neben dem Feedback der Trainer war vor allem auch die kritische Selbstansicht lehrreich, wie man „im Fernsehen“ auf überraschend gestellte Fragen reagierte. Vielleicht wurde ein neues Tagesschau-Gesicht entdeckt. Wieder wurde geplant, gezeichnet und Befehle ausgearbeitet. Man bemerkte, die Zusammenarbeit in der Gruppe, der Aktionsplanungsprozess, die Arbeiten gingen zügiger voran. Doch nach einer Präsentation “Wie es wirklich war“, mussten wahrscheinlich in allen Gruppen mehr oder weniger Anpassungen in ihren Einsatzbefehlen vorgenommen werden.

Unten grau, oben blau
Nach anderthalb Wochen unter der Wolkendecke ging’s ins Gebirge, wo uns die Sonne bei der Erkundung im Gelände freundlich empfing. Bei der Raumsicherungsübung „CRISTALLO“
wurde uns ein grosser Raum in den Alpen zugewiesen, was eine ganztägige Erkundung, eine Verschiebung und Neueinrichtung des KP voraussetzte. Uns wurde sofort bewusst: im Gebirge gelten andere Prioritäten; Verkehrswege, Kleidung, Witterungseinflüsse. Kameradschaft und Sporteinsatz war bei der anschliessenden Nachtübung gefragt. Um 1900 wurde dem Lehrgangskommandanten „bereit zur Übung SPONTANEO“ gemeldet. Physisch wurden wir hierbei gefordert, nebst den zu vollbringenden Stabstätigkeiten. Geschichte durfte in diesem Kurs nicht fehlen. Wo liegt das kleinste russische Territorium? Richtig, das Suworow-Denkmal bei der Teufelsbrücke in der Nähe von Andermatt. Nach einem packenden Referat über den russischen General Suworow, der über den Gotthard und durch die Schöllenenschlucht ins Muotatal zog, hatte man das Gefühl, Schreie, Schlachtrufe und Musketenschüsse zu hören.

Schlusswort
Es waren zwei sehr intensive, präsenzreiche und abwechslungsreiche Wochen, ohne die sonst üblichen Kaffeepausen. Das Ziel, unter Zeitdruck und wechselnden Szenarien sichere Stabsmitarbeiter zu formen, wurde erreicht.

Hptm Schwestermann, Oblt Fischer, Oblt Stichert

 

Für Fragen zu dieser Seite: Höhere Kaderausbildung der Armee (HKA)
Zuletzt aktualisiert am: 06.12.2011
Verbandsabzeichen Höhere Kaderausbildung der Armee
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