Verhungert die Armee aufgrund unzureichender Finanzmittel durch die Politik? Was kann die Militärökonomie – eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften – zur Überwindung der Krise beitragen? Antworten hierauf wollte die diesjährige Frühjahrstagung der Militärakademie (MILAK) liefern, die mit knapp 300 Gästen am 6. März an der ETH Zürich stattfand.
Fünf Referate dienten als Diskussionsgrundlage der Tagung. Für den Direktor der Militärakademie, Brigadier Daniel Lätsch, sind die Streitkräfte zwar ein Garant für die Sicherheit und damit des Wohlstands der Schweiz. Der Mensch verdränge jedoch gerne die Bedrohungen seiner Existenz durch Kriege, Terror oder Naturkatastrophen. Deshalb müsse die Armee durch lagegerechte Bedarfsmeldungen und eindeutige Kompetenzsignale Politik und Steuerzahler davon überzeugen, dass die Militärausgaben eine notwendige Versicherungsprämie darstellen. Der Tagungsleiter Peter T. Baltes demonstrierte den Beratungsauftrag der Militärökonomie anhand der Reaktionsmöglichkeiten, die der Armeeführung zur Überwindung der aktuellen Finanzknappheiten zur Verfügung stehen. Mit einer Auswahl der wichtigsten Erkenntnisse aus 300 Jahren Wirtschaftswissenschaften belegte er dann die enge Verwandtschaft zwischen wirtschaftlichen und militärischen Denken: Beide müssen mit knappen Mitteln ihre Ziele und Aufträge erreichen. Der Rüstungschef Jakob Baumann zeigte auf, wie sich politische Veränderungen sowie sinkende Budgets in den vergangenen Jahren auf die Rüstungsbeschaffung ausgewirkt haben und dies in Zukunft noch tun werden. Der Chef des Stabes beim Nachrichtendienst des Bundes, Dominique Reymond, legte den Schwerpunkt auf Gestaltungsfragen von Organisationen. Der Nachrichtendienst müsse stets einen Balanceakt zwischen Transparenz, Effizienz und Diskretion vollziehen. Ebenso habe dieser bei seinen Aktivitäten permanent die Chancen und Grenzen von Kooperationen neu zu bewerten. Die Überlegungen des Wirtschaftsprofessors und Brigadiers a. D. Dr. Bruno Staffelbach zeigten, dass soldatische Entscheidungen schon immer die ökonomische Dimension zu berücksichtigen hatten. Jenseits der aktuellen Krisen sieht er die Wirtschaft durch eine erhebliche Schwäche belastet – der Produktionsfaktor Humankapital wird systematisch unterbewertet. Hier sollte die Armee eine Vorreiterrolle übernehmen, indem sie eine Sonderrechnung für das Humankapital der Milizangehörigen einführt. Dieser Schritt würde auch das Ergebnis einer eigenen Studie nochmals bestätigen, wonach die militärische Milizausbildung für die Unteroffiziere zumindest keine Nachteile und für die Offiziere sogar mit kleinen Vorteilen verbunden sei.



