Newsletter 1/2012
Therese Spitteler ist im Bereich Telekommunikation ein absoluter Profi. Das stellt sie sowohl in ihrem zivilen Beruf – sie ist Einsatzplanerin bei der Joint Einsatzstelle Führungsunterstützung (JEF) – als auch in ihrer militärischen Milizfunktion unter Beweis. «Als Kompaniekommandant kann ich meine Leute aktiv führen, bei der JEF ist es eher ein Coachen», erklärt die 30-Jährige. Gefallen findet sie an beiden Tätigkeiten – insbesondere auch, weil sie sich gegenseitig ergänzen.
Voll und ganz der Führungsunterstützung verschrieben
Text: Soldat Philipp Indermühle
Bilder: Soldat Philipp Indermühle, zvg

- Therese Spitteler an ihrem Arbeitsplatz bei der Führungsunterstützungsbasis in Bern.
Die Joint Einsatzstelle Führungsunterstützung (JEF), bei der Therese Spitteler als Einsatzplanerin arbeitet, gehört zur Führungsunterstützungsbasis (FUB). Therese Spitteler ist mitverantwortlich für die Planung von militärischen Telekommunikationsnetzen bei temporären militärischen Einsätzen und Übungen sowie insbesondere auch bei subsidiären Sicherungseinsätzen: Anlässlich der Fussball-Europameisterschaft 2008 im eigenen Land – als Kommandant einer Richtstrahlkompanie –, des Frankophonie-Gipfels in Montreux 2010 und des World Economic Forums (WEF) in Davos hat sie bereits dazu beigetragen, dass eine reibungslose Telekommunikation sichergestellt war.
Heuer steht sie zum fünften Mal für das WEF als Projektleiterin FUB im Einsatz. Die Anforderungen sind dabei stets etwas anders. «Die Standorte wechseln genauso wie die Bedürfnisse und die Übertragungsarten», sagt Therese Spitteler. Es würden immer weniger Führungsunterstützungstruppen eingesetzt; stattdessen werde mehr mit bestehenden (zivilen) Übertragungsnetzen und/oder mit zivilen Partnern gearbeitet, was die Arbeit anspruchsvoller mache. «Die Kommunikation mit zivilen Partnern ist meist etwas aufwendiger; wir müssen dafür mehr Reserven einrechnen.»
Vom Zeitmilitär zur zivilen Angestellten
Therese Spittelers berufliche Karriere begann mit einer KV-Lehre. Danach entschied sie sich für die Rekrutenschule als Übermittlungssoldat/Fahrer C1 und absolvierte auch die Unteroffiziers- und die Offiziersschule. Es folgten zwei Jahre als Zeitmilitär in Dübendorf beim Kommando der Schule für Führungsunterstützung der Luftwaffe (Kdo FULW S 95) sowie zwei Jahre in Liestal beim Kommando Verbandsausbildung Telematik 61 (Kdo VBA Tm 61). Schliesslich wurde sie 2006 auf einen möglichen Wechsel zur JEF angesprochen. Diese befand sich damals noch im Aufbau.
Ihre Zusage hat sie bis heute nie bereut. «Meine Arbeit ist äusserst abwechslungsreich und ich komme viel in der Schweiz herum», sagt sie. Auch den Kontakt zur Truppe, das Kennenlernen von zahlreichen verschiedenen Telekommunikationssystemen und die Nähe zu den neuesten technischen Entwicklungen schätzt sie sehr. Einen Teil des technischen Wissens, das sie für ihre Tätigkeit bei der JEF benötigt, habe sie sich während ihrer Zeit beim Kdo VBA Tm 61 aneignen können. Der Rest sei für sie «Learning on the job» gewesen. Dass sie mittlerweile seit fünf Jahren in dieser Position tätig ist, spricht für sich.
«Konsequent, aber fair»


- Während des WEF sind Therese Spitteler und ihr Team unter anderem für die Bereitstellung der Richtstrahlnetze verantwortlich.
Parallel zu ihrem Wechsel in die JEF hat Therese Spitteler die Ausbildung zum Kompaniekommandanten absolviert. Sie kommandiert heute in ihrer Milizfunktion die Führungsstaffelkompanie 5/2, die zur Infanteriebrigade 5 gehört. «Die militärische Weiterausbildung war eine Bedingung für die Anstellung in der JEF», erzählt sie. Damit hatte sie keine Probleme – ganz im Gegenteil: «Ich kann meine Erfahrungen aus der militärischen Ausbildung und aus den Wiederholungskursen ins zivile Berufsleben einbringen und umgekehrt.» Für die 30-Jährige ist dieser Austausch sehr wichtig und bereichernd. So kennt sie die im WK verwendeten Systeme bereits vom Job her und erhält andererseits Einblick in die praktische Anwendung und in die Bedürfnisse sowie Probleme der Truppe. Ihre beiden Tätigkeiten ergänzen sich also gegenseitig.
Hauptmann Spitteler ist froh, dass sie die militärische Führungsausbildung absolviert hat: «Ich gehe heute strukturierter an neue Aufgaben heran», ist sie überzeugt. Sie habe Arbeitstechniken erlernt, dank denen sie auch unter Zeitdruck gute Produkte erarbeiten könne, und sie habe das theoretische Rüstzeug im Bereich der Menschenführung erhalten. Ihr Wissen möchte sie auch im zivilen Leben an andere Menschen weitergeben. Konkret bietet die begeisterte Western-Reiterin seit Mitte 2011 pferdegestützte Seminare an. Thema: Führungstraining und Teambildung. «Die Devise ‹konsequent, aber fair› kann man auch im Zivilen perfekt anwenden», sagt sie. Pferde seien vorurteilslose, klare Spiegel: Im Umgang mit dem Menschen akzeptieren sie Ehrlichkeit, Vertrauen, Zielstrebigkeit und mentale Stärke. Die Arbeit mit ihnen vermittle eine andere, neue Sicht auf den Führungsalltag.
Arbeit im hüfttiefen Schnee


- Hüfttiefer Schnee: Hauptmann Therese Spitteler im Einsatz während des WEF in Davos. Obwohl sie hier zivil eingesetzt ist, trägt sie oft die Uniform, vor allem wenn sie draussen bei der Truppe unterwegs ist.
Konsequent funktionieren muss die Telekommunikation während des WEF in Davos. «Für mich beginnen die Vorbereitungen jeweils bereits im August mit Rapporten und Absprachen mit den Einsatzverbänden Boden und Luft. In einer ersten Phase geht es um die Aufnahme der Bedürfnisse im Bereich Führungsunterstützung», schildert sie. Die JEF ist beispielsweise verantwortlich für die Bereitstellung des Integrierten Militärischen Fernmeldesystems (IMFS) oder von Richtstrahlnetzen, aber auch für Bestellungen von Verwaltungsinformatik. Weitere Aufgaben sind das Erstellen der Führungsunterstützungs-Konzeption sowie der System-Unterlagen und die fachtechnische Beratung der Truppe. Das alles in einer zeitlichen Staffelung – damit dann bestimmt auch alles läuft, wenn es Ende Januar darauf ankommt.
Mit dem strengen Winter in Davos und den damit verbundenen widrigen Arbeitsbedingungen hat die Einsatzplanerin übrigens keine Probleme: «Einmal mussten wir uns durch hüfttiefen Schnee kämpfen», erinnert sie sich. Genauso wie gelegentliche Einsätze an Wochenenden oder nachts gehört auch das zu ihrer Arbeit für den Departementsbereich Verteidigung. Einem erfolgreichen Einsatz der Führungsunterstützung am WEF 2012 steht also nichts im Weg!